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SZ/LZ-Sommeraktion: Teilnehmer besichtigen das Klärwerk in Rinteln und klettern in die Möllenbecker Unterwelt

Das Stadtleben mal aus einer ganz anderen Perspektive

Rinteln (mav). Das Alltagsleben in der Stadt, das kennt doch jeder - die Teilnehmer der Sommeraktion unserer Zeitung haben nun das Stadtleben mal ganz anders kennen gelernt und haben sich in die Rintelner Unterwelt begeben. Peter Koller, Werkleiter des Abwasserbetriebs, hat die Gruppe am Dienstagnachmittagüber das Gelände des Rintelner Klärwerks geführt - und in einen Möllenbecker Kanal.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 13:33 Uhr

Der Blick auf das blubbernde Becken: Hier arbeiten viele Bakteri

Bei der Klärwerksbesichtigung erlebten die Besucher einen Unterschied wie Tag und Nacht zwischen dem Abwasser, das die Anlage erreicht, und dem, das den Betrieb geklärt verlässt. Im Rechengebäude, in dem das Abwasser so ankommt, wie es die Haushalte der Einwohner verlassen hat, befindet sich ein Rechen, der die Feststoffe aus dem Abwasser filtert. Hier standen die Besucher auf Rosten und konnten beobachten, wie das Abwasser samt Klopapier, Binden, Zigaretten und anderen Gegenständen direkt unter ihren Füßen floss. Ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, dazu stank es enorm - und ein Gedanke kommt automatisch: Hoffentlich hält der Fußboden auch... Auf dem weiteren Entdeckungsgang durch den "Klärbeckenpark" kommt die Gruppe an mehreren mal großen, mal kleineren Becken vorbei. In dem einen blubbert es kräftig, weil Sauerstoff, den die Bakterien zur biologischen Reinigung benötigen, hinzugeführt wird. Diese Bakterien darf sich die Gruppe im Labor sogar unter einem Mikroskop ansehen. "So bewegen die sich im biologischen Becken", erklärt Mitarbeiterin Kathrin Wegner. In einem anderen Becken ist die Fließgeschwindigkeit so langsam, dass sich dicke Schlammbrocken an der Oberfläche sammeln. "Auf den ersten Blick sieht das so fest aus, dass man denkt, man kann sich draufstellen", wundern sich die Besucher. Neben der biologischen Reinigung gibt es auch die chemische, bei der Natriumaluminat dem Abwasser zur Phosphorbindung zugefügt wird. Als die Gruppe den Raum betritt, in dem das chemische Mittel gelagert wird, warnt Koller vor dem weißen Pulver: "Nicht berühren, sonst haben wir Löcher in der Kleidung, so aggressiv ist das." Doch damit ist die Klärung noch nicht abgeschlossen. Im Nachklärbecken ist von dem ursprünglich verdreckten und stinkenden Abwasser kaum noch eine Spur. Auch die Vögel erkennen das und setzen sich nur auf das klare Wasser. Koller verrät auch, was mit dem geklärten Abwasser und dem Schlamm passiert: Der Schlamm werde in einen Faulturm gepumpt, wo er etwa 20 Tage bei 33°C bleibe und von Bakterien "bearbeitet" werde. Es entstehe Biogas, das Energie für die Kläranlage liefert, sowie Klärschlamm, der in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Das geklärte Abwasser werde einfach in die Weser abgeleitet. "Es ist ja sauber, man kann also noch unbedenklich im Fluss baden", erklärt Koller. Auch ein Blick in das Prozessleitsystem bleibt den Teilnehmern nicht vorenthalten. Mitarbeiter Bernd Fiedler präsentiert, wie alle Informationen der Kläranlage sowie der Anlagen und Pumpen aus dem Umland auf einem Computer zusammenlaufen und von hier alles gesteuert werden kann. "Der Klärprozess ist ohne die moderne Technik gar nicht mehr vorstellbar", staunen die Besucher. Ein Höhepunkt des Tages war der Abstieg in den so genannten Staukanal in Möllenbeck. Mit Gurten gesichert, stiegen alle eine schmale Leiter etwa drei Meter unter die Straße. Die Gruppe stand in einem kleinen Raum im Untergrund, verpackt in Schutzanzug, Handschuhe und Helm. Direkt neben ihnen floss das Möllenbecker Abwasser. Der Blick in einen langen Kanal, in dem in einiger Entfernung noch etwas Wasser am Boden stand, ließ erahnen, dass an Regentagen auch das Wasser dort steht, wo man selbst gerade stand. Obwohl der Einblick in das unterirdische Kanalsystemäußerst eindrucksvoll war, kletterten die Besucher doch gern dem Tageslicht entgegen und gaben ein erleichtertes "Geschafft" von sich, als sie wieder in gewohnter Perspektive von oben auf den Kanal herabblicken konnten.

Conner Lemmermann (10) aus Rinteln wird gerüstet für den Abstieg
  • Conner Lemmermann (10) aus Rinteln wird gerüstet für den Abstieg in die Unterwelt.
Der Weg in den Kanal steht offen - alle sind gespannt, was sie d
  • Der Weg in den Kanal steht offen - alle sind gespannt, was sie da unten erwartet. Fotos: mav
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