weather-image
29°
Lehrer protestieren: Sie dürfen Arbeitszimmer nicht mehr von der Steuer absetzen

"Das sind Arbeiten, die kann man nicht am Küchentisch erledigen"

Rinteln (wm). In diesem Jahr dürfen Lehrer ihr Arbeitszimmer nicht mehr von der Steuer absetzen - ein Thema, das auch an allen Rintelner Schulen diskutiert wird. Und die Lehrer sind sich einig: Ohne häusliches Arbeitszimmer geht es nicht.

veröffentlicht am 09.01.2007 um 00:00 Uhr

Ab 15.30 Uhr wäre zwar Platz in den Klassenräumen, zeigt Gymnasialleiter Reinhold Lüthen auf, aber eben nur theoretisch. Denn dann müssten die Lehrer dort auch ihre Computer und das Unterrichtsmaterial lassen können - "die Idee, für jeden Lehrer ein stilles Plätzchen in einem Klassenzimmer, das funktioniert in der Praxis nicht". Dazu kommt, so Lüthen: Die Schule wird zwischen 17 und 18 Uhr abgeschlossen - auch ein Hausmeister möchte mal Feierabend machen. Und was ist in den Ferien? Klausuren werden häufig in den Ferien korrigiert. Damit entständen dem Schulträger, in diesem Fall dem Landkreis, auch Kosten: Die Schule müsste beheizt werden, Strom werde verbraucht. Theoretisch denkbar wäre noch, dass der Schulträger eigene Arbeitsplätze für Lehrer einrichtet, doch auch das dürfte praktisch kaum umsetzbar sein, so Lüthen. Damit bleibt: Die Hälfte ihrer Arbeit, die tägliche Unterrichtsvorbereitung wie Arbeiten korrigieren, werden Lehrer auch künftig zu Hause machen müssen. Auch Realschulleiter Horst Kynast hält die Idee, Lehrerbüros in der Schule einzurichten, schon wegen des Aufwandes für unrealistisch. Gebraucht würden dann nämlich Regale für (viele) Bücher und Aktenordner, ein Telefon und ein Computerarbeitsplatz pro Lehrer. Unterrichtsvorbereitung und Korrigieren sei aber auch keine Arbeit, "die man zu Hause am Küchentisch erledigen kann", dazu brauche man ein kleines Büro. Manfred Asche, Schulleiter an der Grundschule Süd findet, allein der Gedanke, alle 25 Lehrkräfte versammeln sich nachmittags im Lehrerzimmer zur Unterrichtsvorbereitung, gehöre in die Rubrik Satire: "Stellen Sie sich das mal praktisch vor. Da würde nicht viel herauskommen, vom Platzproblem ganz abgesehen. Man muss ja auch in Ruhe arbeiten können." Weil der Gesetzgeber von vornherein ausgeschlossen hat, dass das Problem auf die Schulträger abgewälzt wird, die also nicht verpflichtet werden können, Arbeitsräume für Lehrer an den Schulen einzurichten, hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einen anderen Weg vorgeschlagen. Rolf Schultz, GEW-Vorstandsmitglied in Schaumburg erläutert, Lehrer könnten auf ihrer nächsten Steuererklärung wie gewohnt ihr Arbeitszimmer eintragen, das dann logischerweise von den Finanzämtern wieder herausgestrichen würde. Damit sei der Klageweg offen. Die GEW überlege zurzeit, das bis zu Musterklagen hochzuziehen. Für Schultz, der am Ernestinum Mathematik und Religion unterrichtet, ist wie für seine Kollegen klar: "Wir haben uns Arbeitszimmer zu Hause nicht zum Vergnügen eingerichtet, das sind Arbeitsmittel." Er habe in seinem Arbeitszimmer zwei Wände voll mit Büchern und Zeitschriften, und da käme laufend neues Material hinzu - "man muss ja auf dem Laufenden bleiben - das Ganze in die Schule verlegt? Nicht vorstellbar."

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare