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Ligularien: prächtige Solitärstauden

Das Schmuckstück mag den feuchten Fuß

veröffentlicht am 28.04.2017 um 06:00 Uhr

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Autor:

Saskia Gamander und Jens F. Meyer

Gehölze gelten als Grundgerüst des Gartens. Stauden aber sind die Kür! Im Wesentlichen handelt es sich um frostharte Pflanzen, die nicht verholzen, deren Pflanzenteile oberirdisch vor jedem Winter absterben, deren Wurzelstock aber überlebt und im Frühling neu austreibt. Umso wichtiger, sie regelmäßig auf dieser Seite näher zu betrachten und jene vorzustellen, auf die kein Gärtner bei der Gestaltung von Beeten und Flächen verzichten sollte. Heute: Goldkolben oder Kreuzkraut (Ligularia)

Ligularien zählen zu den unterschätzten Stauden, obwohl sie wohl kaum übersehen werden können. Ihre Größe ist je nach Art oder Sorte mehr als beachtlich, und das satte Gelb bis Orangegelb der Blüten leuchtet von Sonne umgarnt genauso effektvoll wie im Halbschatten und sogar lichten Schatten. Nur eben: feuchter Fuß, bitte! Wo das auch als Greiskraut oder Goldkolben bekannte Gewächs einen zu trockenen oder im Sommer gar austrocknenden Platz erhält, wird es an Blütenreich- und Wachstum mangeln. Selbst im gemischten Staudenbeet sollte der Boden immer genügend feucht sein. Ist er es nicht, muss der Pflanze ein anderer Platz zuerkannt werden.

Dies ist also ein konkreter Fall von regelgerechter Standortbestimmung, sozusagen die Regularien für Ligularien, ganz bestimmt aber kein Hinweis auf die Divenhaftigkeit einer Pflanze. Denn in unzähligen Gärten werden Staudenbeete schließlich dort angelegt, wo die Sonne sie voll erfassen kann, damit Prachtstauden wie Rittersporn (Delphinium), Rudbeckia- und Purpur-Sonnenhüte, Gelbe Flockenblume (Centaurea macrocephala), Sonnenbraut (Helenium) und viele mehr ihren Flor voll entfalten können. Alle für den Gartenbau zweckmäßigen Ligularia-Arten werden dies auch tun, nur eben nicht dort, wo es solchen Blütenstauden reicht, die auch mit Trockenheit gut auskommen.

Ligularien sind beeindruckende Pflanzen. Je nach Sorte – durch die Züchtung und Kreuzung verschiedener Arten sind bemerkenswerte Ergebnisse erzielt worden – sind die teils tief eingeschnittenen, herzförmigen bis runden Blätter mit ihrem dunklen Teint aus Purpurrot bis Bräunlichgrün ebenso schmückend wie die ab Juli sich in Positur stellenden Blüten. Damit sie zu größter Pracht gelangen, benötigen Ligularien einige Jahre Zeit; dann aber werden sie zu attraktiven Blumen, entweder als Solitärstaude oder auch im Tête-à-Tête unter ihresgleichen. Tipp: Unterschiedliche Sorten zueinander gesellt ergeben ein harmonisches, nie langweilig werdendes Bild. Denn da sind einerseits die aufrecht strebenden Kerzen-Goldkolben und andererseits die blattschmucken, niedrigeren, mit Strahlenblüten ausgestatteten Stern-Goldkolben.

Die idealen Standorte sind halbschattige Teich- und Gehölzränder mit frischen bis feuchten, nährstoffreichen Böden. Ligularien benötigen meist ein paar Jahre, um ihre ganze Pracht zu entfalten. Auch nach der Blüte bleibt durch die schmückenden Samenstände ein hoher Zierwert, bis weit in den Winter hinein, bestehen.

Vergreisung – und das, obwohl ein deutscher Name dieser Pflanze auch Greiskraut lautet – gibt es bei Ligularia-Pflanzen übrigens nicht; das Staudenteilen, wie es von vielen anderen Pflanzen bekannt ist, entfällt also. Das ist gut. Aber eine Sache, die diese Pflanzen betreffen, ist nicht gut: Schnecken finden hohen lukullischen Gefallen daran.

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