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Neunter Mittelalter-Markt: Tausende Besucher bestaunen Bogenschützen, Gaukler und Feuerspucker

"Das Schaumburger Burgfest ist wie Urlaub"

Schaumburg (mld). Nur ein paar Meter muss man dem kopfsteingepflasterten Weg bergauf folgen, dann ein steinernes Tor passieren, und schon ist man da: direkt im Mittelalter. Das Mittelalter-Fest auf der Schaumburg hat auch diesmal das Wahrzeichen des Landkreises und seine vielen Besucher gut tausend Jahre in der Zeitrechnung zurückversetzt.

veröffentlicht am 08.09.2008 um 00:00 Uhr

Schwertkämpfe als beliebtes Spektakel beim Mittelalter-Markt: Di

Am Eingang begrüßen Frauen in aufwendig bestickten Leinengewändern die Schaulustigen, und während des Aufstiegs zur Burg lassen sich Händler, Musikanten, Handwerksleute, Feuerspucker und Bogenschützen bei ihrer Arbeit bestaunen. Oben angekommen, kann sich jeder Besucher im Kerzenziehen, Axtwerfen oder Seildrehen versuchen. "So voll wie in diesem Jahr war es noch nie", schwärmt Veranstalterin Stefanie Lohmann vom Mindener Bogenschützen-Verein "Ragnarök". Durch ihr sportliches Hobby entwickelte sie Interesse fürs Mittelalter, und aus der Idee, ein Treffen für Gleichgesinnte auf die Beine zu stellen, sowie einigen guten Kontakten entstand das Burgfest auf der Schaumburg. Das Fest, das inzwischen zum neunten Mal stattfindet, ist immer im eher kleinen Rahmen geblieben. Meist sind es befreundete Vereine, die zur Schaumburg kommen, wie etwa die Mittelalterband "Duivelspack" oder die Schaukampftruppe "Pugnare Nescimus". Das Mittelalterfest finanziert sich allein durch die Eintrittsgelder. Stefanie Lohmann stört das nicht, im Gegenteil: "Sonst geht das Flair verloren", sagt sie. "Das Schaumburger Burgfest ist gemütlich und klein, nicht so kommerziell wie große Veranstaltungen", ist sich auch der Mittelalter-Fan sicher, der sich in seinem selbst geschneiderten Kostüm "Hamar" nennt. Seit mittlerweile drei Jahren kommt er in passender Aufmachung zur Schaumburg. Für seinen Freund Brandolf ist es sogar schon das siebte Jahr - "zumindest im Kostüm", wie der Geschichtsstudent grinsend hinzufügt. Auch sie haben, wie Stefanie Lohmann, aus ihrer Liebe zum Mittelalter mehr gemacht und zu sechst die "Landvættir-Sippe" gegründet. Zusammen besuchen sie ähnliche Veranstaltungen wie das Burgfest, "lagern" manchmal, zelten also am Ort, und investieren viel Zeit in ihr Hobby: "In meiner Freizeit schmiede ich", erzählt Hamar, dessen Leinenhemd mit einer aufwendig gearbeiteten Metallbrosche verschlossenist. "An manchen kleinen Schmuckstücken sitzt man ewig." Deswegen herrscht in einer solchen Gruppe oder einem Verein oft Arbeitsteilung: Der eine schmiedet, der andere näht und färbt die Kleidung, ein dritter fertigt Glasperlen und anderen Schmuck. Die Liebe zum mittelalterlichen Handwerk findet sichüberall auf dem Fest: Bei Achim und Bernd etwa, die seit zehn Jahren mit ihren selbstgeschmiedeten Schwertern und Dolchen von Mittelalterfest zu Mittelalterfest ziehen. Oder bei dem Verein von Christian Stracke, in dem sich sechs Zimmerleute und Tischler zusammengetan haben, um die Arbeitsweise ihrer Zunftkollegen von vor tausend Jahren vorzuführen. Während des zweitägigen Burgfestes behauen und zersägen sie eine Sieben-Meter-Eiche in Balken, die dann beim Bau eines Fachwerkhauses verwendet werden können. "Ab Montag hat man wieder den Stress im Alltag", erklärt Zimmergeselle Roland Aulbur, "aber an so einem Projekt zu arbeiten, ist ein Erlebnis." Ähnlich sehen es auch die Schwertkämpfer der Schaukampftruppe "Pugnare Nescimus", die jedes Detail ihrer Rüstungen selbst herstellen: "Veranstaltungen wie die hier sind für uns Erholung", lacht Sascha Kämpfer. Und Michael Sierig fügt hinzu: "Das Schaumburger Burgfest ist eigentlich wie Urlaub."

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