weather-image
15°
Starker Zusammenhalt, gemeinsame Reisen

Das Puddingrott wird von einer Frau regiert

Krainhagen (sig). Mit der Tatsache, dass die Oetker-Dynastie aus Obernkirchen kommt, hat der Name "Puddingrott" nichts zu tun. Möglich wäre es, aber diese Gemeinschaft ist nicht in der Kernstadt, sondern in Krainhagen angesiedelt. In der Liste des Obernkirchener Stadtkommandanten Wolfgang Anke ist der Name heute nicht mehr verzeichnet.

veröffentlicht am 03.03.2007 um 00:00 Uhr

Sowohl er als auch andere Eingeweihte wissen, dass diese Gemeinschaft früher recht aufsässig war. Der Name "Puddingrott" gefiel nämlich dem einst sehr einflussreichen Ortsbürgermeister Ernst-August Kranz überhaupt nicht. Er wollte ihn deshalb verbieten, kam gegen die Rottmitglieder aber nicht an. Hermann Beck, einer der Gründungsväter des Pudding-rotts, erinnert sich, dass die Einwohner Krainhagens 1989 von Kranz aufgerufen wurden, künftig an den Schützenfesten der Bergstadt teilzunehmen. Damals bildeten sich im Ort gleich vier Rotts. Sie gaben sich folgende Namen: Hackenberg-Rott (unterhalb des Sportplatzes), Wiesengrund-Rott (Bereich der Bombeeke), Brunnenrott (rund um das Ortschaftshaus) und Puddingrott, zu dessen Einzugsgebiet die Straßen "Am Lehmhof", "Im Sieke" und "Am Hagen" gehören. "Die anderen drei Krainhäger Rotts haben sich im Laufe der Zeit aufgelöst, aber wir konnten unsere Gemeinschaft am Leben erhalten", so Beck. Die gemeinsamen Aktivitäten beginnen im ersten Quartal jeden Jahres mit einer Party, bei der Forellen - von einem Rottmitglied frisch geräuchert - mit Salaten und Kräuterbaguette serviert werden. Zur Osterzeit trifft man sich, um die Planungen des Jahres zu besprechen. Bei denörtlichen Veranstaltungen waren die Mitglieder des Rotts immer aktiv: Schon kurz nach der Gründung stellten sie beim Fest der Dorfgemeinschaft einen eigenen Chor. Bei jedem besonderen Anlass kommt man im Blockhaus der Familie Struckmeier zusammen, zum Beispiel bei wichtigen Wettbewerben, wie der Fußball- und Handballweltmeisterschaften. Helmut Struckmeier ist seit 1991 Rottführer; seine Frau Maria war ab 1994 seine Stellvertreterin und ist vor zwei Jahren an seine Stelle getreten. Damit ist sie die einzige Frau, die in der Bergstadt an der Spitze eines Rotts steht. Und auch sonst ist das Puddingrott eine ungewöhnliche Gemeinschaft, die sogar gemeinsam in den Urlaub fährt. Dresden, die Türkei, Malta, Bulgarien und Kroatien haben die Mitglieder zusammen besucht. Auch 2008 will das Rott wieder auf große Fahrt gehen. "Wir sind eine verschworene Truppe, die man erlebt haben muss, um den Begriff Nachbarschaft und Freundschaft neu zu definieren", ist das Fazit von Hermann Beck.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare