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Harrl-Grundschule fördert audiovisuelle Wahrnehmungsfähigkeit / Stiftung und Stadt finanzieren

Das Pilotprojekt verspricht verblüffende Erfolge

Bückeburg (bus). Die Grundschule Am Harrl beschreitet neue Wege, um die audiovisuelle Wahrnehmungsfähigkeit ihrer Schüler zu befördern. Ziemlich neue, sogar. "Das Projekt hat für Niedersachsen Pilotcharakter", legte Schulleiter Wolfgang Voß während der Präsentation des Vorhabens dar. Die Neuerung fand nicht nur die Fürsprache von Kollegium und Schulvorstand sondern auch den finanziellen Beistand der Bürgerstiftung Schaumburg, die für die Bezahlung der sechs Wochen dauernden Aktion 1500 Euro locker machte. Für die zusätzlich anfallenden Personalkosten steht die Stadt Bückeburg gerade.

veröffentlicht am 22.05.2008 um 00:00 Uhr

In der Grundschule Am Harrl kommt die Schülerschaft in den Genus

"Von der enormen Unterstützung haben wir nicht zu träumen gewagt", gab Voß zu verstehen. Der Schulleiter steht dem von Ulrich Conrady (Eigendarstellung in einer Broschüre: Lerntherapeut, Diplom-Legasthenie- und Dyskalkuliertrainer) entwickelten System positiv gegenüber. "Wir waren ratlos und manchmal verzweifelt, dass unsere Methoden keinen Einfluss hatten", gab Voß seine allgemeine Gefühlslage preis. In den Genuss der Novität kommen alle 277 Kinder der Harrl-Grundschule jeweils zehn Mal sechzig Minuten lang. Mehrere Mütter und Leiterinnen von Kindergärten nehmen freiwillig teil. Für die technische Umsetzung von "AVWF" (Audiovisuelle Wahrnehmungsförderung) wurden 32 Kopfhörerplätze installiert. Conrady verspricht in einer von ihm verantworteten Veröffentlichung, die indes oft die Möglichkeitsform bemüht, verblüffende Erfolge. "Schon nach wenigen Trainingseinheiten, die allgemein als sehr angenehm empfunden werden, tritt meist eine positive Veränderung ein", heißt es. Symptome wie Unruhe, Schlafstörungen, gedankliche Abwesenheit oder Kontaktscheue könnten beseitigt beziehungsweise abgeschwächt werden. Konkret: "Die schulischen Leistungen und damit die Motivation steigen spontan an, denn die Kinder können aufmerksamer am Schulleben teilnehmen." Und: "Nach Beendigung der Wahrnehmungsförderung lässt sich in den meisten Fällen eine Verminderung oder sogar der Wegfall der Symptome der jeweiligen Beeinträchtigung feststellen." Die Methode funktioniert nach Conradys Angabenüber die Modulation von Schallwellen. Die Wellen würden derart abgewandelt, dass sie "als veränderte Musik zusammen mit der graphischen Umsetzung der Klänge positiv auf den Teilnehmer einwirken können". Dadurch würden wesentliche Faktoren des Lernvermögens positiv beeinflusst. "Ohne eigenes Üben", heißt es in einem Faltblatt, "erhöht sich die Geschwindigkeit, mit der Informationen im Gehirn verarbeitet werden können, beträchtlich." Darüber hinaus könnten die Grob- und Feinmotorik, die Körperkoordination sowie die Mundmotorik beeinflusst werden. Zwei Fallbeispiele rücken "AVWF" in die Nähe von Wunderheilkunst. Ein unter Legasthenie leidende Schülerin erhielt ein Jahr nach dem Ende der Sitzungen "ihr schönstes Geschenk, denn sie bekam ein Sehr Gut in Lesen und ein Gut in Rechtschreibung" sowie "wider Erwarten die Empfehlung, das Gymnasium zu besuchen". Womit unterschwellig die Überflüssigkeit von Haupt- und Realschulen in Aussicht gestellt wird. Einem anderen, mit autistischen Zügen ausgestatteten Mädchen (acht Jahre, eine Odyssee durch verschiedene Arzt- und Therapeuten-Praxen hinter sich) verhalf die Therapie zu Spaß an den Hausaufgaben. Broschürentext: "Schon in den ersten Tagen der Therapie wirkte Maria gelöster, tobte mit anderen Kindern herum und wurde zusehends aufmerksamer." Kurioserweise kann, trotz allen technischen Fortschritts, die verwendete Musik nach Auskunft von Conrady "nicht auf CD gebrannt und mit nachhaus" genommen werden. Ein käuflicher Erwerb des Gesamtaggregats sei ebenfalls nicht möglich, sagte der Dyskalkuliertrainer. Was die Bürgerstiftung, falls ihr die Herstellung von Chancengleichheit für alle Schaumburger Kinder am Herzen liegt, teuer zu stehen kommen könnte.



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