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Ein Niederländer und ein Tscheche erklären, wie ihr Werk aussehen wird / Ein weiterer Raum für die "Minis"

Das Monumentale ist manchem Künstler gut vertraut

Obernkirchen. Eine Einladung zu einer Ausstellung gleichsam um die Ecke seiner Wohnung hat er abgesagt: Lieber ist Jos Beurskens zum Symposium nach Obernkirchen gekommen. Und schon nach wenigen Tagen Arbeit auf dem Kirchplatz stellt sich an seinem Stein der Wiedererkennungseffekt ein: Das wird - verglichen mit seinem Beitrag beim letzten Symposium - ein typisches Beurskens-Werk. Tiefe Riefen, eine Klammer, eine Kontur - was soll es bedeuten? "Die Skulptur einer jungen Frau, die Liebesbriefe erhalten hat. Viele Liebesbriefe. Und die trägt sie mit sich herum." Dafür wird Beurskens auf eine Klammer zurückgreifen: Sie halten die Briefe buchstäblich an der Frau fest.

veröffentlicht am 25.08.2006 um 00:00 Uhr

Wo diese Kräfte sinnvoll walten, kann sich kein störender Stein

Autor:

Frank Westermann

Das Große ist dem Niederländer vertraut, schließlich hat er vor 15 Jahren seinen Abschluss an der Maastrichter Kunstakademie nicht nur in Design, sondern auch in der Monumentalmalerei gemacht. Es folgten viele, viele Symposien. Beurskens reist gern, unterhält sich gern, lacht gern - ein typischer Teamspieler, der so eine unglaubliche Anzahl von eindrucksvollen Kunstwerken im Rahmen internationaler Aufträge erschaffen hat. Der Lehrer für Steinbildhauerei an der Freien Akademie in Venray ist ein echtes Spielkind. Wer es nicht glaubt, kann ihn ja mal nach einer Visitenkarte fragen. Und er ist mittlerweile gut im Geschäft. Auf Symposien ist er nach wie voranzutreffen, aber längst nicht mehr so oft wie früher: "Zuhause warten die Aufträge." Landschaften, Kräuter, Vögel - schon als Kind war das Zeichentalent des Tschechen Emil Adamec nicht zu übersehen. Gefördert von seinen Lehrern, besuchte er eine weiterführende Schule für Metallurgie, nach dem Schulabschluss folgen zwei Jahre auf einer Schule für Hohe Künste, an der Akademie für Hohe Künste in Prag studiert er acht Jahre. Das allein reichte dem 1972 geborenen Adamec nicht: Er studiert konzeptionelle Medienkunst, den landschaftsbezogenen Bau von Monumenten, vier Jahre Garten- und Landschaftsarchtektur und drei Jahre "Ingenieurswesen für lebendige Umwelt" an der Technischen Universität Prag. Seit 1988 beschäftigt er sich mit chinesischer Astrologie, Taoismus und Feng-Shui. China wird im Laufe seines Lebens zu dem Ort, an dem er sich am liebsten aufhält. Wo stehen seine Werke? "In 20 Ländern auf vier Kontinenten." Und wie viele sind es? "60." Er versteht sein Schaffen als einen einzigen Prozess. "Architektur für die Welt" nennt er ihn. In Obernkirchen wird er gleich an drei Werke anknüpfen, die in Süd-Australien, Süd-Frankreich und seinem Heimatdorf Sedliste stehen: "Regenbogen vier" wird es heißen und erinnert an ein überdimensionales Herz, das von einem Sockel aus gen Himmel greift. Was gibt es noch? Die begleitende Verkaufsausstellung der Künstler wurde um einen Raum erweitert, so viele Kleinwerke haben die Teilnehmer mitgebracht. Neben Nonnenchor und Kirchenflügel werden jetzt auch im Raum der Stille Exponate ausgestellt. Einfach durch das Mittelschiff der Kirche gehen und am Ende nach rechts. Da sind die "Minis". Und schon nach einer halben Woche zeichnet sich ab, dass es eine gute Entscheidung vom "Team Obernkirchen" war, die Infogalerie bis zum Ende des Symposiums in die Hütte auf dem Kirchplatz zu verlegen. Dort sind die Mitarbeiter täglich von 10 bis 18 Uhr anzutreffen und verkaufen Produkte rund ums Symposium und bieten natürlich die Skulpturenwegführungen an.

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