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Jeden Dienstag und Freitag, bei Wind und Wetter: Wer steht eigentlich auf dem Wochenmarkt?

Das Markt-Ziel: Alles für den täglichen Bedarf

Obernkirchen. Jeden Dienstag und Freitag ist sie hier. Bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter. "Ich bin von ganzem Herzen, mit Leib und Seele Marktfrau" erzählt Blumen-Moni vom Blumenstand Strüwe auf dem Wochenmarkt. "Und das schon seit 35 Jahren." Viele Menschen hat sie in diesen Jahren getroffen, viele davon sogar regelmäßig jede Woche. Und der Job geht ihr oft ans Herz. "Es ist schon ergreifend, wenn ein junges Mädchen, das früher mit seiner Mutter kam, heute immer noch den Markt besucht. Nicht mehr ganz so jung, aber wiederum mit einem kleinen Mädchen an der Hand."

veröffentlicht am 16.09.2008 um 00:00 Uhr

Taner Kahraman verkauft seit zwei Jahren Obst und Gemüse.

Autor:

Jessica Janson

Auch Petra Szymanski, die ihre Blumen während der Woche in Nienstädt lagert, weiß um diese Besonderheit des Wochenmarktes: "Viele Kunden kennt man mit Namen, da sie jede Woche kommen. Gerade die älteren Menschen schütten uns schon mal ihr Herz aus." Eine ältere Dame wollte zum Beispiel einen Fleurop-Gutschein bei ihr einlösen. "Den hat sie von ihren Kindern zum Muttertag bekommen", erinnert sich Szymanski entrüstet. Blumen-Gutscheine zum Muttertag - nicht ganz so selten, wie es auf den ersten Blick scheint. Auf die Frage, ob zwei Blumen-Stände auf einem Markt ein Problem sind, antwortet die Nienstädterin ganz energisch: "Nein, im Gegenteil. So haben die Kunden die Möglichkeit, Preise zu vergleichen." Nicht nur zwei Blumenstände, auch zwei Obst- und Gemüsestände hat der Markt zu bieten. Einen davon betreibt Taner Kahraman seit zwei Jahren. "Vorher hatte ich einen Lebensmittelladen in der Fußgängerzone. Doch der Wochenmarkt lohnt sich ähnlich. Und die Menschen auf dem Markt sind einfach sehr angenehm." Und viel teurer als in den üblichen Geschäften ist der Wochenmarkt auch nicht. Vielleicht ein paar Cent Unterschied pro Kilogramm, dafür gibt es aber Rezepte und Tipps gratis dazu. Und es gibt wirklichalles, was man im täglichen Leben braucht. Stände auf dem Wochenmarkt sind immer noch sehr beliebt bei Beschickern. "Gerade mobile Imbissstände fragen öfter an. Bei den herkömmlichen Ständen, wie zum Beispiel Obst und Gemüse, sind Anfragen seltener, da wir seit Jahren schon feste Händler in der Stadt haben. Ab und an kommt jedoch mal ein Neueinsteiger auf die Stadt zu", erzählt Andreas Grote von der Stadtverwaltung. Das einzige Problem habe man in der Vergangenheit mit dem Käsestand gehabt, da es in diesem Bereich nicht so viele Anbieter gibt. Die Deckung des täglichen Bedarfs ist auch das Ziel, das sich Rolf-Bernd de Groot von der Stadtverwaltung bei der Auswahl der Markt-Beschicker gesetzt hat. Besonders froh ist er daher über den Käsestand, der seit voriger Woche wieder den Wochenmarkt bereichert. Lange hat er gesucht, nun sind Anna und René Zielmann mit ihren "Internationalen Käse-Spezialitäten" in Obernkirchen. Sie bieten alles, was das Herz begehrt: Von Milchprodukten über Weich- und Hartkäse bis zu cholesterin- und fettarmen Sorten reicht die angebotene Palette. Lohnt sich denn ein Marktstand für die Beschicker? Oder fressen die Standgebühren die Einnahmen wieder auf? "Die Gebühren in Obernkirchen sind wie in vielen anderen Gemeinden sehr gering. Viel geringer als bei festen Ständen oder Geschäften", erklärt Grote. Die Standgebühren belaufen sich auf 1,30 Euro pro laufenden Meter zuzüglich einer Pauschale für Stromkosten und Fahrzeugstellplatz. Diese Kosten werden an einem normal besuchten Markttag ohne Probleme wieder eingenommen, sagt Grote. Neben einem Bio-Bäcker, einer Hausschlachterei, einem Fischstand und Frischgeflügel-Erzeugnissen bietet der Perser Kamal Madarschahian Feinkost-Spezialitäten aus verschiedenen Ländern an. Gefüllte Peperoni, eingelegtes Krebsfleisch, Antipasti und noch viele andere Leckereien gibt es dort zu kaufen. "Und das alles hat meine Frau selbst zubereitet", erzählt er nicht ohne Stolz. Hinter dem Tresen hat er verschiedene getrocknete Früchte "versteckt". Nicht, weil man sie nicht sehen darf, sondern weil der Platz auf der Präsentiertheke nicht ausreicht. "Aber das ist kein Problem. Die Kunden wissen schon, wassie bei mir bekommen können", ist sich Madarschahian sicher. Von der Stadt entworfene Schilder, die auf den Wochenmarkt hinweisen, sind jetzt angebracht worden. Sie wurden an den großen Zufahrtsstraßen in Verbindung mit dem Parkleitsystem aufgestellt - damit in Zukunft noch mehr Besucher kommen, die die familiäre Stimmung und die Angebote des Obernkirchener Marktes genießen können. Vielleicht kommen sie dann auch einmal in den Genuss, wie sich Kamal und Blumen-Moni liebevollüber die Straße hinweg zurufen: "Ich liebe Dich."

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