weather-image
16°
×

Günter Uhlig lässt Zollstock zum 150. Geburtstag von Max und Moritz anfertigen / Sammlung umfasst 37 200 Stück

„Das macht süchtig“

Wiedensahl. Es gibt nichts, das man nicht auf einen Zollstock drucken kann – Günter Uhlig muss das wissen, denn der 74-jährige Sammler besitzt mittlerweile 37 200 Zollstöcke, die er in seinem kleinen Museum präsentiert. Zum 150. Geburtstag von Max und Moritz lag es deshalb nahe, dass Uhlig auch für dieses Ereignis einen passenden Zollstock hat fertigen lassen. Auf der vorderen Breitseite prangen die beiden Lausbuben, auf der Rückseite sind ihre Streiche aus der Feder von Wilhelm Busch abgebildet.

veröffentlicht am 20.08.2014 um 19:28 Uhr
aktualisiert am 20.08.2014 um 21:31 Uhr

Autor:

Die meisten seiner Zollstöcke gibt der Wiedensahler aber nicht selbst in Auftrag. In erster Regel ist er immer noch Sammler. Würde Uhlig all seine Zollstöcke ausklappen und aneinander legen, käme man bei einer Länge von zwei Metern pro Stock auf rund 74 Kilometer. Das ist ungefähr die Strecke von Wiedensahl bis Bielefeld. Aufhören will und kann er mit dem Sammeln noch längst nicht. „Das macht süchtig.“

Einige Stöcke fallen längenmäßig aus der Reihe: Ein Miniatur-Zollstock in der Sammlung ist nur etwa fünf Zentimeter lang, während der längste ganze fünf Meter misst.

Das Museum hat Uhlig in seinem Keller im Jahr 2000 eröffnet. Mit dem Sammeln hat er aber schon Ende der siebziger Jahre begonnen, als er anfing, sich in Wiedensahl ein Haus zu bauen. Uhlig, der selbst zur Zimmermannszunft gehört, bot den reisenden Gesellen Arbeit an. Einmal kamen zwei Zunftsbrüder, die in ihrem Bündel gemeinsam 29 Zollstöcke dabei hatten. „Von dieser Stunde an habe ich angefangen zu sammeln“, erinnert sich der 74-Jährige. „Ich habe alle Firmen angeschrieben, bei denen ich während meiner Wanderschaft selbst mal gearbeitet habe“ – mit der Bitte, ihm einen Zollstock zu schicken. Schnell wurde daraus eine Leidenschaft. Seine Anfragen weiteten sich aus und gingen sogar so weit, dass er bei den Botschaften unterschiedlicher Länder nach Zollstöcken der Staatsoberhäupter anfragte – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

2 Bilder

Heute braucht Uhlig keine Tapete mehr in seinem Keller. Wo man auch hinsieht, Wände, Türen und sogar die Decken sind mit Zollstöcken zugepflastert. Allerdings mit System: Uhlig ordnet alles alphabetisch nach Nationen. Er besitzt Exemplare aus 37 Ländern, von Ägypten bis Australien. Besonders originelle Stücke finden in seinem nach Themen sortierten Zimmer Platz: Feuerwehr, Tiermotive, Liebe, Städte und Politiker. Mit seiner Sammlung hat Uhlig nicht nur den „Goldenen Zollstock“ gewonnen, er schaffte es auch fünfmal ins „Guiness-Buch der Rekorde“. Dafür musste er sich einige „Zeugen“ suchen, die einen halben Tag lang Zollstöcke zählen durften.

Ob er immer noch die größte Sammlung der Welt besitzt? „Ich kenne jedenfalls keinen, der mehr hat“, sagt Uhlig. „Dass das mal solche Ausmaße annimmt, hätte ich früher nie gedacht.“ Heute kommt es ihm aber gar nicht mehr auf die Zahl an. „Klasse statt Masse“, lautet sein Sammlermotto.

Darum ist er auch besonders stolz auf einige ausgewählte Stücke: Ein hölzerner Zollstock aus Amerika gehört mit einem Alter von mehr als hundert Jahren wohl zu den betagtesten Modellen seiner „Schätze“, während ein Zollstock aus der Zeit des Nationalsozialismus im Kleingedruckten Anleitungen zur Anwendung von Sprengstoff liefert. Eingetauscht hat er den Stock gegen eine Kiste Bier und eine Flasche Asbach, erzählt er schmunzelnd.

Der Besuch des Museums ist kostenlos. Besichtigungen sind nur nach telefonischer Vereinbarung möglich: (0 57 26) 727, Abstkamp 12, Wiedensahl.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt