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Die neue Vorsitzende des Imkervereins will den Nachwuchs werben / "Bienen sind heute ganz friedfertig"

Das macht stolz und glücklich: Neue Imker braucht das Land

Obernkirchen. (cok). "Imker zu sein, dass kann einen richtig stolz und glücklich machen", sagt Hobbyimkerin Gundula Piehl und erzählt so schön von ihren Bienen und der wichtigen Aufgabe, die sie in der Natur erfüllen, dass man gleich selbst einen Bienenstock im Garten haben möchte, um an sanften Frühlingsmorgenden zu beobachten, wie sie ausschwärmen und dann mit reicher Tracht zurückkehren.

veröffentlicht am 13.02.2007 um 00:00 Uhr

Gundula Piehl

" O, Imker werden, das kann eigentlich jeder", hakt sie gleich ein. Als Vorsitzende des Imkervereines Obernkirchen ist es ihr großes Anliegen, neue Hobbyimker anzuwerben. Mit dem Nachwuchs sieht es leider gar nicht so gut aus, und gerade in Norddeutschland geht die Zahl der Honigbienenvölker ständig zurück. Dabei ist es nicht so sehr das Problem, dass fast Dreiviertel des deutschen Honigbedarfes importiert werden müssen. Bienen bestäuben Obstbäume und viele andere Pflanzen. Und niemand anderes kann das an ihrer Stelle tun... Theoretisch könnte man einen Bienenstock sogar mitten in der Stadt aufstellen. Auch hier fänden sie genug Bäume, Blumen, Schatten und Wasser. Nur die Nachbarn, die würden das vielleicht nicht so gerne sehen. Am Stadtrand aber oder auf dem Dorf dürfen Bienen genau so dazugehören, wie Hühner oder Gänse. Und wer denkt, dass sich dann alle ringsum auf Bienenstiche gefasst machen müssen, irrt. "Die heutigen Bienen sind darauf gezüchtet, ganz friedfertig zu sein", erklärt Gundula Piehl. "Man darf sich nur nicht gerade in ihre Einflugschneise stellen." Eine festgelegte Schulung für angehende Hobbyimker gibt es nicht (Berufsimker dagegen machen eine dreijährige Ausbildung zum Tierwirt am Bieneninstitut in Celle). Wer Bienen halten will, muss sich über die örtlichen Vereine einen "Bienenvater" oder eine "Bienenmutter" suchen. "Und das ist gewiss nicht schwer!", so die Imkerin. "Die meisten Kollegen freuen sich sehr, wenn sie einem Neuling ihr Wissen weitergeben können!" Die "Jung-Imker" begleiten die Alten zu ihren Bienenvölkern, helfen ihnen bei der Arbeit und lernen so nach und nach alles, was man braucht, um selbst für Bienen sorgen und den Honig ernten zu können. Wichtig ist, dass man vor allem im Mai, Juni und Juli genug Zeit hat, mindestens alle neun Tage nach den Völkern zu sehen und zu kontrollieren, ob sie vielleicht neuen Wohnraum brauchen, ob sie genug Honig zum Überleben sammeln konnten oder etwa von einer Krankheit bedroht sind. Und man sollte über einen Platz verfügen, wo die ausgebauten Waben überwintern können und auch der geerntete Honig trocken und kühl untergebracht ist. Eine Honigschleuder kann man sich anfangs auch ausleihen oder man schleudert zusammen mit dem Bienenvater. Wer seinen Honig dann verkaufen will, nimmt an einer zweitägigen "Honigschule" teil. Und verkaufen sollte man seine Ernte schon, denn Bienenstöcke kosten natürlich etwas, ebenso wie ein neues Volk, die Schutzkleidung und auch das zuckrige Futter, dass die Tiere als Ersatz für den ihnen geraubten Honig bekommen (sie nehmen es übrigens sehr gerne an). Große Gewinne wird ein Hobbyimker nur in seltenen Fällen machen. "Der eigentliche Gewinn liegt woanders", sagt die Imkerin. Sie erzählt davon, wie beruhigend und immer wieder auch berührend es ist, die fleißigen Bienenvölker und ihr wunderbares Zusammenspiel bei der Honigernte zu beobachten. Keine andere Insektenart außer den Bienen und den Seidenspinnerraupen, kann vom Menschen als "wildlebendes Haustier" gehalten werden. Jedes Volk, sagt sie, hat einen anderen Charakter. Und dann ist da noch dieses Gefühl, als Imker etwas so von Grund auf Nützliches zu tun. "Viel wichtiger als die Honig- und Wachsproduktion ist es, dass die Bienen zahlreich genug sind, um alle Pflanzen, die davon abhängig sind, bestäuben zu können. Und wir Imker, wir sorgen dafür, dass das so ist." Der Imkerverein steht den Hobbyimkern nicht nur mit Rat und Tat zur Seite, er bietet auch regelmäßig Vorträge an und er versichert seine Mitglieder gegen das eine oder andere Unglück, das die Bienen treffen könnte. Weitere Informationen gibt es entweder bei den örtlichen Vereinen (in Obernkirchen direkt bei Frau Piehl unter der Nummer (05724) 392 238 oder beim Kreisimkerverein: Tel.: (05721) 3401.

Nach und nach alles lernen, was ein Imker wissen muss, kann der
  • Nach und nach alles lernen, was ein Imker wissen muss, kann der Nachwuchs beim Bienenvater. Fotos: sig/cok

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