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Gemütlichkeit inmitten herrlicher Natur: Ein Hausboot-Törn über die Brandenburgische Seenplatte lehrt Gelassenheit

Das Leben ist wie ein Fluss mit vielen Schleusen

Morgens um sieben Uhr ist nichts zu hören außer dem leisen Plätschern der Wellen. Es ist auch nichts zu sehen: Dichter Nebel hängt über dem Hafen. Wie in weiße Watte gewickelt, liegt die „Potsdam“ am Steg. Doch auch wenn sie mit Schnürsenkeln am Ufer befestigt wäre, könnte die Besatzung weiter träumen: Es gibt weder Strömung noch Sturmgefahr in diesen Gewässern: Die „Potsdam“ ist ein Hausboot, unterwegs in Brandenburg.

veröffentlicht am 09.04.2009 um 15:50 Uhr

Hausboot auf der Brandenburgischen Seenplatte zwischen Fürstenbe

Autor:

Uta Fischer

Die Gewässer zwischen Berlin und der Ostsee sind eine Welt für sich: Etwa 2600 Kilometer befahrbare Wasserstraßen mit Kanälen, Seen und Flüssen bilden eines der größten Binnenreviere Europas mit Naturreservaten und idyllischen Städtchen. Dazu gehört auch die Brandenburgische Seenplatte zwischen Lychen und Fürstenberg. Auf ihr herrscht weniger Verkehr als in anderen Regionen.

Eine uralte Schleuse – am Dorf Himmelpfort

Drinnen bullert die Heizung, draußen kräht ein Hahn und hinter der Nebelwand tuckert ein Boot vorbei. Zeit zum Frühstücken! Als die Besatzung das Essen beendet, scheint schon die Sonne. Der Nebel ist wie von Geisterhand verschwunden. An seiner Stelle liegt eine kleine Bucht, deren Ufer ein grüner Urwald säumt. Eine uralte Schleuse ist zu sehen, ein paar rote Dächer, dazwischen Obstbäume. Himmelpfort heißt das kleine Dorf.

Gestern haben wir die „Potsdam“ geentert und den Crashkursus im Hausbootfahren absolviert. Man braucht auf brandenburgischen Gewässern für kleine Boote keinen Führerschein. Das Fahren ist kinderleicht – zumindest dort, wo es reichlich Platz zum Ausweichen gibt. Das Manövrieren in eine fünf Meter enge Schleusenkammer hingegen will geübt sein.

Wasserwanderrastplatz an der Schleuse Himmelpfort.
  • Wasserwanderrastplatz an der Schleuse Himmelpfort.

Im ruhigen Dahinfahren auf dem spiegelnden Blau sind Schleusen spannende Unterbrechungen, bei denen Aufmerksamkeit gefragt ist. Hier zeigt sich, wer ein Anfänger ist und wer Profi. Neben der ersten Schleuse bleiben wir vorsichtshalber liegen, machen am Ufer fest und schauen zu, wie das Ganze funktioniert. So wird es dunkel, und wir verbringen die Nacht im Hafen.

Kaum etwas ist anheimelnder als eine verlassene Klosterruine bei Nacht. Direkt am Wasser haben Zisterzienser vor mehr als 700 Jahren eine Abtei gegründet, von der heute das Brauhaus und Teile der gewaltigen Kirche erhalten sind. Einige der gotischen Bögen sind mit Efeu bewachsen. Das Licht der untergehenden Sonne lässt die Backsteinmauern in Flammen stehen, keine Welle stört das perfekte Spiegelbild im See.

Am nächsten Morgen wollen wir es versuchen: das Abenteuer Schleusung! Sie funktioniert automatisch, es hängt eine simple Gebrauchsanweisung aus. Eine halbe Stunde und vier gescheiterte Annäherungen später freut sich die Besatzung über die Mitteilung in Ditigalschrift: „Schleusung wird vorbereitet.“

Vorn kann jemand am Bug stehen und beim Manövrieren helfen. Der Rest geht von selbst: Automatisch schließt sich das hintere Schleusentor, gurgelt Wasser in die Kammer, steigen wir einen halben Meter in die Höhe.

Ein See liegt dann vor uns, quasi eine Rennstrecke. Das Boot schiebt durchs Wasser, die Brücke vibriert, und die Instrumente melden zehn Stundenkilometer. Doch wir sind ja zum Entspannen hier.

Bei 2200 Umdrehungen tuckert der Diesel munter und hinterm Steuer stellt sich dieses gemütliche Gefühl ein, das vermutlich der Grund dafür ist, warum Seeleute so gelassen sind. Durch die Fenster ziehen langsam Fluss- und Baumlandschaften an uns vorbei, darüber blitzt stahlblauer Himmel, und vor uns ein freies Wasser, das nicht endet. Zumindest bis zur nächsten Schleuse …



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