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St. Peter-Ording ist bekannt für seine 15 Pfahlbauten am Strand – mittlerweile gibt es die hölzernen Bauten seit 100 Jahren

Das Lamm wird acht Meter über dem Sand serviert

St. Peter-Ording. Ein Schild steckt im Sand von St. Peter-Ording: „Baden an und unter dem Pfahlbau verboten.“ Und da haben wir auch schon den Grund, warum die Hütten der Badeaufsicht und die Restaurants an den Stränden des Ferienortes an der Westküste von Schleswig-Holstein auf Holz-Stelzen stehen: Hoch über dem Meer aber trotzen sie Sturm- und Springfluten und bieten Gästen einen weiten Blick über die Nordsee. So wurden die an der deutschen Küste einmaligen maritimen Bauten zum Wahrzeichen von St. Peter-Ording – nun feiern sie 100-jähriges Jubiläum.

veröffentlicht am 21.07.2011 um 17:22 Uhr

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Die Chroniken des Ortes verzeichneten im Jahr 1838 die Ankunft des ersten Badegastes. Schnell stieg die Zahl der Sommerfrischler stetig an. 1877 eröffnete das „Strandhotel“, das erste des aufstrebenden Ortes. Ende des 19. Jahrhunderts war die Zahl der Sommerfrischler so groß, dass die Versorgung am Strand zum Thema wurde. Noch badete man von Badekarren aus, nach Geschlechtern getrennt. Erste Hütten entstanden, in denen sich Gäste umkleiden konnten und der Bademeister Unterkunft fand. Hier wurden auch Erfrischungen gereicht. Außerdem boten die Holzbauten Schutz vor dem wechselhaften Wetter. Sie selber jedoch waren nicht geschützt gegen das Wasser – und versanken bei Sturm immer wieder mal im Meer.

1911 rettete man sich auf die erste Stelzenkonstruktion, vor Ording-Nord auf einer Sandbank. Sie war nur schwimmend durch den Priel zu erreichen – für einen Groschen setzte ein Fischer über. Die Hütte auf Stelzen wurde Giftbude genannt, eine an der norddeutschen Küste bekannte Bezeichnung für Häuser, in denen etwas ausgeschenkt wurde – wo es also „wat geev“. In der Regel zunächst einmal Alkohol.

Bei den Pfahlbauten heute stecken die Pfähle rund fünf Meter tief im Untergrund, die Restaurants liegen bis zu acht Meter hoch über dem Sand. Der Strand von St. Peter-Ording ist bis zu zwei Kilometer breit und zwölf Kilometer lang. Der Ort zählt inzwischen im Jahr mehr als 250 000 Gäste und 2,3 Millionen Übernachtungen. Ein Pfahlbau als Versorgungsstelle reicht nicht mehr – St. Peter-Ording hat heute fünf Badestellen mit 15 Pfahlbauten.

Vor dem Ortsteil Böhl steht die „Seekiste“. Eröffnet wurde sie 1956. Hier wird Salzwiesen-Lamm gereicht, frischgefangener Fisch, auch Garnelen gibt es. Voraussichtlich noch im Spätsommer soll das Restaurant „Strandhütte“ fertig werden. Gereicht werden sollen hier Snacks und Kuchen, abends wird die Hütte zu „Axels Restaurant“. Zur „Sansibar Arche Noah“ muss man 1,2 Kilometer lang über die Seebrücke laufen. Erst Ostern eröffnet, hat sich der Ableger der Sylter Institution schon einen Namen gemacht.

Die Pfahlbauten in Ording dagegen passen zum sportlichen Ambiente des Strands, wo Kitesurfer und Strandsegler zu Hause sind. Die Spezialität der „Strandbar 54® Nord“ sind Waffeln nach Mamas Rezept. Nur in der rustikalen „Silbermöve“ ist seit Mitte der 70er alles beim Alten. Hier, wo viele Szenen der ARD-Fernsehserie „Gegen den Wind“ gedreht wurden, hängt seit Jahrzehnten das gleiche Strandgut von der Decke.



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