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Rat Buchholz reagiert skeptisch auf Telekom-Angebot / "DSL-Kunden wechseln in Scharen zur Konkurrenz"

"Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen"

Buchholz (tw). Das Dorf kommt in Sachen DSL nicht in den Genuss eines Regelausbaus durch die Deutsche Telekom. Das ist die - klare - Antwort, die Jürgen Schneider-Akkurt, Kommunaler Ansprechpartner bei der Deutschen Telekom für den DSL-Ausbau in Norddeutschland, den Politikern während ihrer jüngsten Zusammenkunft im Dorfgemeinschaftshaus gegeben hat. Ein Ausbau rechne sich für den Ko nzern nicht.

veröffentlicht am 22.05.2008 um 00:00 Uhr

Ein Angebot Schneider-Akkurts, demzufolge die Telekom tätig werden würde, wenn die Gemeinde die "Deckungslücke" mit eigenen Mitteln schließe (wir berichteten), blieb im Rat ohne Echo: "Man stelle sich vor: Wir machen für die Telekom die Arbeit, und die Buchholzer wandern dennoch - wie es aktuell geschieht - in Scharen zu Kabel Deutschland ab", meinte Bürgermeister Hartmut Krause (WiB) kopfschüttelnd. Verübeln könne man ihnen das nicht, so auch die Meinung des Gros der Bürgervertreter, für die das Kind längst in den Brunnen gefallen ist. Denn das DSL-Angebot von Kabel Deutschland sei nicht nur "billiger", sondern auch "schneller" - unddie Technik funktioniere ... Dem DSL-Experten zufolge betreut die Telekom in Buchholz 300 Anschlüsse. Von diesen Anschlüssen könne einer mit einem Megabit (Mbit/s), 43 mit 0,768 Mbit/s und 190 mit 0,384 Mbit/s versorgt werden. Wegen der "Reichweitenproblematik" würden 66 Anschlussinhaber nicht in den Genuss von DSL kommen. Denn die Reichweite von DSL hänge von der Länge des Kupferkabels ab. Schneider-Akkurt gibt ein Beispiel: "Bis zu einer Entfernung von ein, zwei Kilometern von der Vermittlungsstelle hat das Signal noch eine Stärke von sechs Mbit/s. Bei einer Entfernung von viereinhalb, fünf Kilometern ist es noch 384 Kilobit (Kbit/s) stark. Beträgt die Entfernung mehr als fünf Kilometer, kann kein Breitbandsignal mehr empfangen werden." Eben das sei der Fall bei den 66 derzeit nicht versorgten Buchholzern. Der Telekom-Experte: "Stellen wir nun aber fest, dass wir außerhalb des Breitbandbereiches genug Kunden haben, bauen wir aus, in dem wir von der Vermittlungsstelle ein Glasfaserkabel zu einem der Kabelverzweiger legen." Von da an gehe es dann wieder mit Kupferkabeln weiter. "Genug Kunden" bedeute: Die Telekom errechne, was die theoretisch 153 potenziellen Buchholzer DSL-Neukunden dem Konzernüber einen Zeitraum von vier Jahren in die Kasse spülen (faktisch geht die Telekom von etwa 50 Prozent, also nur 75 Neukunden aus). Stünden die Zahlen in einem "vernünftigen" Verhältnis zur Investition in das Kabelnetz, erfolge ein Regelausbau. Entstehe dagegen eine "Deckungslücke", müsse "jemand anderes" den Ausbau zumindest anteilig bezahlen. "Ein Kilometer Tiefbau-Arbeiten für Glasfaserkabel kostet innerorts etwa 50 000 Euro, außerorts 15 000 Euro. Ein Kilometer des Glasfaserkabels selbst liegt bei 3000 Euro, ein Verteilerkasten bei 15 000 Euro - dazu kommen jeweils noch die Personalkosten", rechnet Schneider-Akkurt und ergänzt: "Da kommt schon was zusammen." Bezogen auf Buchholz, bietet die Telekom der Gemeinde eine Kooperation beim DSL-Ausbau an; von diesen Kooperationen gebe es bundesweit bereits 70. So könne Buchholz zum Beispiel die Tiefbauarbeiten zahlen oder bereits vorhandene Leerrohre respektive Kabelkanäle bereitstellen. Alternativ könne die Gemeinde die Deckungslücke mit einem finanziellen Zuschuss schließen. "Das", so Schneider-Akkurt, "ist bei den 70 Kooperationen der Regelfall". Ebenfalls möglich: "Sie", so der Telekom-Fachmann an den Rat gewandt, "organisieren gemeinsam mit uns Infoveranstaltungen und garantieren uns vertraglich eine Mindestkundenzahl". Wofür auch immer die Gemeinde sich entscheide - der Kreativität seien kaum Grenzen gesetzt. Sollte sich Buchholz nicht dazu durchringen können, gebe es DSL-Alternativen: Für Geschäftskunden zum Beispiel das Reichweiten unabhängige "Company Connect" oder für Privatleute "Web 'n' Walk" über das Mobilfunknetz. Auch möglich: der Empfang von DSL via Satellit. Die Bürgervertreter indes blieben auch bei dieser Offerte skeptisch.



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