weather-image
23°
Eltern sehen ihre Kinder an der Hildburgschule durch Betreuung von Flüchtlingen benachteiligt

„Das ist nicht mehr hinnehmbar“

Rinteln. Die Hildburgschule hat seit Schuljahresbeginn mit rund 86 Prozent eine extrem schlechte Lehrerversorgung. Stunden fallen aus, Kinder werden schon mittags nach Hause geschickt, anstatt in die Nachmittagsbetreuung zu gehen. Nun kommt durch die Betreuung von Flüchtlingskindern noch mehr Belastung hinzu. Die Eltern werden langsam sauer. „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder auf der Strecke bleiben“, machten sich jetzt einige Eltern des 7. Jahrgangs mit einem Brief an diese Zeitung Luft. „Das ist nicht mehr hinnehmbar.“

veröffentlicht am 27.10.2015 um 00:00 Uhr

270_008_7787826_ri_schule_dpa.jpg

Autor:

Dietrich lange

Diese Eltern sehen die Schuld bei der Betreuung von Flüchtlingskindern, die ja aufgrund der bestehenden Schulpflicht in Deutschland sofort zur Schule gehen müssen. Da sie nicht Deutsch können, bekommen sie zunächst Sprachunterricht. Und das bindet Lehrkräfte sowie ehrenamtlich tätige Pädagogen. Mehr Lehrerstunden wurden dagegen bisher zumindest an der Hildburgschule nicht bewilligt. 23 Kinder ohne Deutschkenntnis sind schon jetzt dort. Ziemlich sicher werden es bald noch mehr.

Die Folge des Lehrermangels: Normale Unterrichtsstunden fallen aus, Kinder werden früher nach Hause geschickt. Schulleiter Torsten Rudolf hat zum Schuljahresbeginn bereits auf die Einschränkungen durch den Lehrermangel hingewiesen. Jetzt fühlen sich Eltern durch Auskünfte von Klassenlehrern beim Elternabend am 29. September und die am selben Abend veranstaltete Bürgerversammlung der Stadt zur Aufklärung über die Flüchtlingsnotunterkunft Prince Rupert School (wir berichteten) noch bestätigt. „Wir fordern, die Integration von Flüchtlingen in den Klassen nur mit ausreichenden Deutschkenntnissen vorzunehmen“, heißt es in dem von mehreren Müttern unterzeichneten Brief.

Schulleiter Rudolf:

Vier neue Lehrer sind in Aussicht

Eine von ihnen ist Margarita Enzi aus Rehren, Mutter von vier Kindern, zwei davon an der Hildburgschule. Sie kam vor 25 Jahren selbst aus Russland nach Deutschland, arbeitet in Teilzeit als Reinigungskraft. „Weil meine Kinder jetzt früher zu Hause sind, musste ich einen neuen Job am Vormittag suchen“, sagt sie, freut sich aber, dort mehr Stunden und mehr Geld zu haben. Zwölf Eltern seien vom 7. Jahrgang zum Elternabend gekommen, viele der anderen seien wohl bei der Bürgerversammlung gewesen.

Die Schlüsse, die die Eltern ziehen, hält Rudolf teilweise für falsch und sagte dazu gestern auf Anfrage: „Die Flüchtlinge belasten den Unterricht nicht, sie werden zum Teil gesondert in Deutsch unterrichtet. Noch wirkt sich einfach die große Unterversorgung mit Lehrern aus. Aber wir haben vor den Herbstferien schon eine neue Lehrerin bekommen, eine andere Neubesetzung ist noch in der Schwebe.“ Gerade habe er einen Brief von der Landesschulbehörde bekommen, dem zufolge er zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres vier weitere neue Lehrer bekommt. „Außerdem ordnet das Gymnasium Ernestinum Lehrer mit insgesamt 32 Stunden pro Woche zum Unterrichten bei uns ab“, führte Rudolf aus. „Im zweiten Schulhalbjahr werden wir also auf eine Lehrerversorgung von etwa 98 Prozent kommen und damit unsere Unterrichtsverpflichtungen voll erfüllen.“

Von den Genehmigungen her ist also alles klar, nur erscheint der Lehrermarkt im Moment wie leer gefegt. Rudolf ist trotzdem optimistisch: „Zum 1. Februar werden wieder zahlreiche Referendare fertig zur Einstellung im Lehrerberuf. Ich hoffe, da werden auch wir fündig.“

Im zweiten Schulhalbjahr soll auch eine Sprachlernklasse eingerichtet werden. Der Antrag wurde mit dem Ernestinum gestellt, das dafür Raum und Lehrerstunden bereitstellen will. Und auch für Eltern, die durch den freien Nachmittag ihrer Kinder Probleme im Job bekommen, hätte es laut Rudolf eine Lösung gegeben: „Im Einzelfall sogar durch Betreuung bis 17 Uhr, man muss nur fragen.“ Nächste Woche will er die Eltern in einem Brief über den aktuellen Sachstand informieren, der diesmal immerhin Besserungen in Aussicht stellt. „Darüber sind wir sehr glücklich“, so Rudolf.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare