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Kleinenbremer Wurzelschule für Jungen vor Gründung / Ex-Altenheim als Lernort / Altersgemischte Klassen mit 14 Schülern

Das ist doch was: Lernen ohne Noten und Hausaufgaben

Kleinenbremen (ly). Und warum sollten Eltern ihre Kinder zur Wurzelschule schicken? Da fallen David Winkelhake auf Anhieb gleich reihenweise Gründe ein. "Weil wir eine ganz andere Art Pädagogik bieten, durch Hinterfragen, Ausprobieren und eigenes Handeln lernen, weil wir altersgemische Klassen haben, mit Tieren und Pflanzen arbeiten", beginnt der pädagogische Leiter und Vorsitzende des Vereins Radix, der die freie Wurzelschule am Kleinenbremer Kleiserbrink betreiben will.

veröffentlicht am 18.01.2008 um 00:00 Uhr

Am Eingang zur Wurzelschule (v.l.): Leiter David Winkelhake, Erz

"Weg von allwissenden Lehrern, weg vom Frontal-Unterricht, weg von Noten und Hausaufgaben", fügt er erklärend hinzu. Aber so weit ist es noch nicht. Zurzeit wird das künftige Schulgebäude renoviert, ein früheres Altenheim am Dorfrand mit rund 2,5 Hektar großem Grundstück. Bereits Mitte Februar soll es mit einer Vorklasse zum Schnuppern losgehen, die an drei Nachmittagen pro Woche unterrichtet würde. Eine erste vom Alter gemischte Regelklasse (Jahrgangsstufen 5 bis 10) startet dann im Sommer mit dem Schuljahr 2008/2009, wenn alles nach Plan läuft. Bisher richtet sich das Angebot ausschließlich an Jungen. "Wir haben bereits jetzt mehr als 30 ernsthafte Nachfragen und ganz viel Zuspruch", berichtet Winkelhake. Ohne Zweifel fällt diese Privatschule ("Das Schulgeld orientiert sich am Einkommen") weit aus dem Rahmen. Ob der Verein Lehrer im herkömmlichen Sinne einstellen wird, steht noch nicht fest. Mitarbeit von Lehrern soll es auf jeden Fall geben. Darüber hinaus, so Winkelhake, würden Gäste in die Schule geholt, "vom Handwerksmeister über den Lebenskünstler bis zum Professor". Erzieher oder Sozialpädagogen könnten ebenfalls Lehrer sein. Vorbereitet würden die Schüler auf den Haupt- und Realschulabschluss. Abitur werde angestrebt, heißt es. "Prüfungen dürfen wir als Ergänzungsschule, die nach dem Prinzip einer Gesamtschule funktioniert, nicht abnehmen", schränkt der Leiter ein. Die Schulpflicht werde durch den Besuch aber erfüllt, wie Winkelhake sowie seine Kollegen Rainer Weichner, der den technischen Bereich verwaltet, und Erzieher Holger Kräft versichern. Maximal 14 Schüler sollen die Klassen haben. Gearbeitet werde überwiegend draußen. Eine wichtige Rolle spielen Hoftiere und Schulgarten, denn dadurch sollen die Jungen Verantwortung lernen. Unter Wurzelpädagogik verstehen die Verantwortlichen eine Pädagogik, welche die grundlegenden Fragen der Erziehung ins Zentrum ihrer Arbeit stellt, sich abgrenzt von Mode und Trends. So sollen sich "Lerninhalte ausschließlich an den langfristigen Bedürfnissen der Menschen orientieren". Ziel sei es, "Erziehung, Erfahrungen, Fähigkeiten und Wissen zu vermitteln, das zu einem selbstbestimmten und glücklichen Leben befähigt". Erlernt werde auch "eine gewisse Disziplin". Ihre Wurzeln hat die Wurzelschule im Landkreis Schaumburg. Hervorgegangen ist sie aus der "AG Wilde Kerle", die zum Beispiel Freizeitprojekte wie zwei Wochen Schweden-Ferien als Waldmensch ohne Kontakt zur Zivilisation anbietet. Die dritte Säule des Vereins Radix ist ein Eltern-Training und Erziehungs-Coaching als Hilfe für Familien mit Jungen. Mehr unter der Telefonnummer (0 15 20) 433 87 69 (Mailbox). Noch mehr Informationen gibt's im Internet: www.wurzelschule.de

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