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Anfang März soll die Einrichtung der Erlebniswelt im Hamelner Hochzeitshaus versteigert werden

Das Inventar kommt jetzt unter den Hammer

Hameln-Pyrmont (ni). Das Inventar der insolventen Erlebniswelt Renaissance kommt unter den Hammer. Voraussichtlich Anfang März will Insolvenzverwalter Stephan Höltershinken im Hamelner Hochzeitshaus alles zu Geld machen, was nicht niet- und nagelfest ist. Angefangen beim technischen Equipment, über die Restaurant- und Kücheneinrichtung bis hin zu Geschirr und Souvenirs – die beweglichen Reste des kläglich gescheiterten Tourismusprojektes sollen öffentlich versteigert werden.

veröffentlicht am 08.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Hameln-Pyrmont (ni). Das Inventar der insolventen Erlebniswelt Renaissance kommt unter den Hammer. Voraussichtlich Anfang März will Insolvenzverwalter Stephan Höltershinken im Hamelner Hochzeitshaus alles zu Geld machen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Angefangen beim technischen Equipment, über die Restaurant- und Kücheneinrichtung bis hin zu Geschirr und Souvenirs – die beweglichen Reste des kläglich gescheiterten Tourismusprojektes sollen öffentlich versteigert werden. Selbst die Themeninseln in den Ausstellungsräumen wären zu haben, sagt Höltershinken. Allerdings hat er wenig Hoffnung, dass „zufällig jemand gerade ein ganz ähnliches Projekt plant und sie gebrauchen kann“. Zur Befriedigung der Ansprüche der NBank werde die Versteigerung wahrscheinlich nur einen kleinen Teil beitragen, so der Anwalt. Die NBank, die als 100-prozentige Tochter des Landes Niedersachsen nahezu alle EU-Förderprojekte abwickelt, ist alleiniger Gläubiger in dem Insolvenzverfahren. Laut Sprecher Jörg Wieters will sie von der bankrotten EWR GmbH „Fördergelder inklusive Zinsen in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrages“ zurückhaben.

Zwei Mahnbescheide an einen der ehemaligen EWR-Geschäftsführer hat Höltershinken bereits vor Wochen rausgeschickt. Wie erwartet, hat der Betroffene Widerspruch dagegen eingelegt. Jetzt müsse ein Gericht klären „ob unsere Ansprüche berechtigt sind oder nicht“, so der Insolvenzverwalter. Parallel dazu wühlt sich der Insolvenzverwalter weiter durch die Berge von Akten und Belegen, die sich im Laufe der ebenso kurzen wie turbulenten EWR-Geschichte angesammelt haben. Die Fragestellung, mit der er Rechnungen und Vermerke angeht, ist immer die gleiche: „Wir prüfen, ob und gegen wen möglicherweise auch noch Ansprüche bestehen und wenn ja, ob wir sie durchsetzen können.“ Ein baldiges Ende des Verfahrens sieht Höltershinken nicht: „Das sind Jahre, die da aufgearbeitet werden müssen.“

Auch die NBank steht wegen der EWR unter Beobachtung. Die Europäische Kommission guckt ihr auf die Finger und untersucht, ob sich die Förderbank bei diesem Projekt korrekt verhalten hat. „Wir müssen dokumentieren können, dass wir regelmäßig geprüft haben, dass die Fördermittel zweckentsprechend eingesetzt worden sind“, so Wieters. Zu dieser Kontrolle nach den Vorgaben der Kommission gehöre auch der Nachweis, „dass wir uns eingeschaltet haben, als wir merkten, da läuft was schief“. Eine erste Voruntersuchung habe die NBank inzwischen hinter sich. „Da wurde nichts bemängelt“, sagt Wieters, „wir stehen bislang gut da und sehen einer weiteren Prüfung zuversichtlich entgegen.“

Kommt die Kommission nach Abschluss aller Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass der NBank nichts vorzuwerfen ist, bleibt sie von Rückzahlungsforderungen der EU verschont. Und die EWR wird abgehakt als eine der steuerfinanzierten Investitionen, die nicht aufgegangen sind. Damit hätten sich die vor allem im Hamelner Hochzeitshaus versenkten Millionen zwar als teure Fehlinvestition erwiesen, aber keinesfalls als eine, wie sie nur der öffentlichen Hand passieren könne, so Wieters. Auch kein privates Unternehmen sei davor gefeit, mit seiner Einschätzung von den Erfolgsaussichten eines neuen Produktes danebenzuliegen „und hinterher feststellen zu müssen, wir haben uns geirrt“.



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