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Die Bürger sind sauer, Politik und Verwaltung suchen nach Lösungsmöglichkeiten / Sondersitzung im Herbst

Das Hochwasser: Alle wollen was tun - nur was?

Obernkirchen (rnk). Früher war vielleicht nicht alles besser, aber manches einfacher. Vor über 100 Jahren, so erzählt Horst Sassenberg im Fachausschuss, hätten die Hausbesitzer bei Hochwasser einfach die vordere und die hintere Tür aufgemacht - und das Nass wäre über die Diele durchgeflossen. Die anliegenden Zimmer wären über Treppen geschützt. Früher hätte man sich auf Wasser eingestellt, "vielleicht sollten sich die Bürger beim Hausbau heute auch selbst Gedanken machen."

veröffentlicht am 13.06.2007 um 00:00 Uhr

Der Alptraum der Hausbesitzer: Wenn das Wasser aus den Gullies d

Kellerüberflutungen, Sturzbäche auf den Feldern, die sich ihren Weg in die Häuser suchten, Wassermassen, die nicht zu bändigen sind: Gut eine Stunde diskutierten die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt über die Folgen des heftigen Starkregensturzes am Freitag vor Pfingsten. Wie die Bürger darüber denken, konnten die Politiker schwarz auf weiß nachlesen, denn die Verwaltung hatte kurzerhand Kopien der eingegangen Schreiben den Vorlagen beigelegt. "Die Gullies werden nur selten gesäubert, so kommt es zu Verstopfungen mit Rückstau", schrieb ein Einwohner, kein Wunder also, wenn die Keller am "Stiftswald" alle "abgesoffen" seien. Es sei eine "nicht tragbare Situation". Böse überrascht wurden auch die Anwohner der Grundstücke rechts des Bleißmer vom Sülbecker Weg: Der angelegte Zulauf zum Rückhaltebecken - über den Graben vom Liethbach her - leitete nur eine geringe Menge Wasser in das Regenrückhaltebecken. Der größte Teil suche sich andere Wege. Gleich vier Mal sei das Oberflächenwasser des Ziegeleiweges bei Niederschlägen durch den Garten geflossen, moniert eine Anwohnerin des Sülbecker Weges. Telefonate mit der Stadt hätten keine Lageänderung erbracht, daher die Frage: "Ist ein Tätigwerden der Stadt nur über ein Einschalten meines Rechtsanwaltes möglich?" Akribisch haben die Mitarbeiter der Verwaltung aufgelistet, wo welche Schäden zu protokollieren waren. Rolfshäger Weg, Vor den Büschen, Annastraße, Bergstraße, Vor den Tannen, Krumsiekstraße: alles voller Geröll und Schlamm, beides aus dem Wald gespült. Stiftswald: Straße unter Wasser, die Schachtdeckel werden vom Wasser hoch gedrückt. Jägerweg: Vom Feld über den Golfplatz kommt der Schlamm in die Häuser. Und so weiter: Zwei dicht beschriebene Seiten, einmal durch die Stadt und über die Dörfer und wieder zurück, die bei den Politikern eine einzige Frage aufwarfen: Was tun? Zwar lerne man bei jeden Hochwasser dazu, erklärte Baudezernent Ulrich Kuhlmann: Aber die Hände untätig in den Schoss legen wollen weder Politiker noch Verwaltung. Kuhlmann plädierte für den Landkreis als Vorbild: Ein Hochwasserschutzgesetz, das eine gewisse Systematik vorschreibe, werde der Stadt als Grundlage dienen, um unter "pragmatischen Gesichtspunkte" besser vorbereitet zu sein. Anschließend würden diskutierte Maßnahmen, die Abhilfe schaffen sollen, unterteilt und ausgeführt. Die Durchlässe verbessern, nannte Kuhlmann als Beispiel, führte aber auch aus, dass die Anlieger "sich noch nicht alle den Vorschlägen geöffnet"hätten. Sollte heißen: Nicht jeder hat die vorgeschriebenen Einrichtungen wie beispielsweise eine Rückstauklappe. Thomas Stübke (Grüne/WIR) plädierte für "strategische Maßnahmen". Ein Ingenieurbüro sollte eingeschaltet werden, das die Wege des Wassers (und die Mengen) genau verfolge: "Einfach dokumentieren, und wir ziehen unsere Schlüsse und handeln". Erwiderte Rolf Wischhöfer für die Verwaltung: Das habe man auch schon überlegt und zudem nachgefragt. Rund 1200 Euro Monatsmiete müssten dann für eine Meßstation gezahlt werden. Sinnvoll sei der Einsatz im Herbst, wenn die Regenfälle zunehmen würden, drei bis vier Monate müsste aber wohl gemessen werden. Kuhlmann verwies auf zwei Bereiche, wo kurzfristig und verstärkt gehandelt werden müsse: Stoevesandtstraße und Stiftswald. Gute Nachrichten gab es auch: Die Maßnahmen, die zum Schutz des Freibades gebaut wurden, sie haben gehalten. Seit dem Unwetter ist die Vewaltung nicht untätig gewesen. So wurden an der Teichanlage Krainhagen die Einlaufroste erneuert und der Domschacht abgedeckt, wurden an der oberen Ackerbeeke die Wasserbausteine neu profiliert und am Liethbach in der Nähe des Liethstollens der Bachlauf neu profiliert. Im Zuge des Rückbaus der B65 in der Ortsdurchfahrt Gelldorf wird am Auslaufbauwerk in Höhe des Grundstückes Schwarze ein Schachtbauwerk mit Prallschutz auf rund zehn Metern Länge hergestellt. Außerdem wird der gesamte Graben neu profiliert. "Erheblich verbessert" wurden aus Sicht der Verwaltung an der B65/Einmündung Schachtstraße durchNeuverlegung eines DN 800, also eines Rohres, auf 14 Metern (in Strömungsrichtung) die hydraulischen Verhältnisse. Einer Empfehlung des Ortsrates Vehlen folgend, wurde das Grabenprofil geräumt. Gemeldet hat sich die Stadt auch bei der Glasfabrik. Zur Instandsetzung des Auslaufes vom Feuerwehrlöschteich an der Piepenbreite wurde die Firma als Verursacher herangezogen. Die Regulierung steht noch aus. Der Beschluss: Noch vor dem (hoffentlich nicht regenreichen) Herbst soll der Ausschuss sich auf einer Sitzung einzig und allein des Themas Hochwasser annehmen.



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