weather-image
24°
"Ganzheitli ches Lernen": Mit Kopf, Herz und Hand zum Kindeswohl

"Das Hirn will eine Erzählung hören"

Obernkirchen (jaj). Die Referentin gibt sich keinen Illusionen hin: "Sie haben mich nach zehn Minuten visuell abgegrast. Dann bin ich für Ihre Augen langweilig geworden. Und wenn Sie mir danach noch zwei Stunden zuhören, behalten Sie höchstens 20 Prozent dessen, was ich erzähle", beginnt Dr. Charmaine Lambertz ihren Vortrag in der Roten Schule. Wie trotzdem ein hoher Lernerfolg erzielt werden kann, vermittelt sie in ihrem Vortrag "Ganzheitli ches Lernen - Mit Kopf, Herz und Hand".

veröffentlicht am 16.09.2008 um 00:00 Uhr

Charmaine Lambertz

Bereits zum zweiten Mal hatte das "Lokale Bündnis für Familien in Obernkirchen" in diesem Jahr einen Vortrag organisiert und mit der Pädagogin eine Expertin auf dem Gebiet der modernen Erziehungswissenschaft gewinnen können. Neu ist der Ansatz des Ganzheitlichen Lernens jedoch nicht. Bereits im 18. Jahrhundert entwickelten die ersten Reformpädagogen wie Pestalozzi, Fröbel und später auch Maria Montessori pädagogische Methoden, die das Kind in den Mittelpunkt des Unterrichts stellten und von herkömmlichen Methoden abwichen. "Damals sind sie jedoch als Chaoten, Aussteiger und Verrückte verschrien worden", weiß Lambertz. Erst seitdie Hirnforschung in den letzten zwei Jahrzehnten viele Erkenntnisse der Reformpädagogik wissenschaftlich nachweisen kann, finde das Konzept zunehmend Gehör in der Öffentlichkeit. "Desto mehr Sinne an einem Verarbeitungsprozess beteiligt sind, desto höher ist der Wahrnehmungsgrad", ist eine dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse. Doch was ist, wenn man zum Beispiel in einer Vortragssituation, wie sie ja auch der Schulunterricht darstellt, nicht alle Sinne ansprechen kann? Dafür hat Lambertz drei Tipps, die einen hohen Grad an nachhaltiger Aufmerksamkeit versprechen. "Sei humorvoll, rede in den Bildern deiner Zielgruppe und sei narrativ", seien Lambertz Schlüssel zum Erfolg. Lachen ist dabei, wie auch Trauer, Wut und Erschütterung, ein "emotionaler Marker", der verursacht, dass mit ihm verbundene Ereignisse länger im Gehirn gespeichert werden. Als Beispiel nennt Lambertz den 11. September 2001: "Jeder von Ihnen weiß sofort, was an diesem Tag geschehen ist, da Sie damals starke Gefühle hatten. Sie wissen wahrscheinlich auch noch, wo Sie sich aufgehalten haben, als Sie die Nachricht erhalten haben. Frage ich Sie jedoch nach dem 25. September, werden Sie mir keine genauen Informationen über Ihren Tagesablauf geben können." Auch das bildhafte Sprechen habe einen hohen Erinnerungswert und bietet zudem die Möglichkeit, mit Zuhörern jeden Alters über beliebige Themen zu sprechen - in den passenden Bildern, erklärte Lambertz: "Dies ist das Konzept der Sendung mit der Maus: Sie können mit einem dreijährigen Kind durchaus Statik machen, Sie müssen dafür aber den Begriff nicht nennen. VerdeutlichenSie es ihm mit Bauklötzen - und er wird Sie verstehen", erklärt die Dozentin. Denn narratives Vortragen bedeutet, dass man in Geschichten erzählt. "Das Hirn will eine Erzählung hören", weiß Lambertz, die langen Applaus erhielt.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare