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Tragehilfen sind gut – aber es müssen die richtigen sein

Das hat Tragweite: Die Frosch-Haltung

In den meisten Tragehilfen, insbesondere beim Tragetuch, sind die Hüften der Kinder optimal eingestellt. Sie nehmen eine Spreiz-Anhock-Haltung ein, wodurch die Hüftköpfe optimal in der Pfanne zentriert sind. Laut der Verhaltensbiologin Dr. Evelin Kirkiliones können Eltern, die ihr Kind in dieser Haltung tragen, Hüftdysplasien vorbeugen beziehungsweise leichten Dysplasien entgegenwirken.

veröffentlicht am 16.04.2009 um 22:46 Uhr

In ihrem Buch zitiert sie Studien des japanischen Arztes Shigeo Nagura, der bereits 1940 einen Zusammenhang zwischen dem Umgang mit Babys und dem Auftreten von Hüftdysplasien sah. Gemäß ihrer Tradition trugen Japaner ihre Kinder bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Körper. Bis dahin waren Hüftdysplasien in Japan weitgehend unbekannt. Erst mit der Einführung europäischer Betreuungsmethoden stieg die Zahl der Fälle. Neun Elternpaaren, deren Kinder dysplastische Hüftgelenke hatten, riet er, die Kinder bis zum OP-Termin regelmäßig am Körper zu tragen. Bei allen neun Kindern erreichte er damit eine erfolgreiche Behandlung, ohne dass eine Repositions-OP stattfinden musste.

Wichtig ist, dass das Kind möglichst früh getragen wird. Entgegen den Empfehlungen vieler Ärzte kann das Tragen also bereits in den ersten Lebenswochen beginnen, und zwar täglich. Dabei gleicht die

empfohlene Gelenkstellung der fixierten Haltung in einer Spreizhose („Froschhaltung“) – mit dem Unterschied, dass die meisten Kinder sich dabei sehr wohlfühlen. Der Flexionswinkel sollte 90 bis 120 Grad betragen, die Abduktion (das Bewegen von Körperteilen von der Achse weg) 30 bis 40 Grad. Um diese Position zu erreichen, müssen die Tragehilfen einen breiten Steg zwischen den Beinen haben. Ungünstige Tragehilfen, die viele Babygeschäfte und Versandhäuser anbieten, fixieren die Hüftgelenke in Extension und fehlender Abduktion. Einer Fehlentwicklung kann man bei Hüftgelenken mit einer Dysplasietendenz so gegebenenfalls Vorschub leisten. Weitere Konsequenzen der gestreckten Hüften sind ein nach ventral gekipptes Becken und eine vermehrte Lordose der Wirbelsäule. Diese wirkt sich beim Baby, das durch die Verhältnisse im Uterus einen Beugetonus hat, ungünstig aus.

Fassen wir zusammen: Die kindliche Wirbelsäule sollte also beim Tragen eine Flexionshaltung einnehmen. Dabei ist das Becken aufgerichtet, und die Beine liegen in Spreiz-Anhock-Haltung am Körper des Tragenden an. Voraussetzung dafür, dass die Wirbelsäule des Kindes beim aufrechten Tragen nicht zusammensinkt – wie Kritiker häufig vorwerfen –, ist eine Tragehilfe, die das Kind fest an den Körper des Trägers bindet. Ganz kleine Babys brauchen für den Kopf eine Stütze, was ein Tragetuch oder ein gutes Tragesystem ohne Probleme gewährleistet. Auch der Aachener Orthopäde Dr. Ewald Fettweis ist ein Befürworter des Tragens und hat zahlreiche Arbeiten dazu veröffentlicht: Er ist sogar der Meinung, das Tragen in vertikaler Position tue der Entwicklung der Wirbelsäule gut.



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