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"Loving Hearts" begeistern 800 Partygäste in der Festhalle / Die Jüngsten sind um die 50

"Das größte Klassentreffen Deutschlands"

Stadthagen (sk). Mit mehr als 800 Partygästen haben die "Loving Hearts" am Sonnabend eine rauschende rockige Nacht gefeiert - die einen auf der Bühne, die anderen auf dem Parkett.

veröffentlicht am 27.11.2006 um 00:00 Uhr

Mit den "Loving Hearts" auf der Bühne geht im Saal die Post ab.

Warum kommen zu jedem weiteren Auftritt der Stadthäger und Nienstädter Band,so viele Leute. Was treibt sie? "Nostalgie". bekennt ein 57-jähriger Mann aus Bad Nenndorf. "Der Kult", ruft Lydia Bohne (52) während Gerhard Gundlach singt "The minute you let her under your skin...". "Hey, Jude" - das waren die "Beatles", und in Schaumburg waren es vor 40 Jahren die "Loving Hearts". Lydia Bohne ist Fan der Gruppe seit 1969 und erinnert sich an ihre Jugend. Als die Bergkirchenerin 15 Jahre alt war, spielten die "Loving Hearts" alle drei Wochen in der Gaststätte Regenauer in Sachsenhagen. Da war sie immer dabei. Die Finanzbeamtin zeigt ihren roten Stempel auf dem Handrücken. Der Aufdruck ist von heute. Aber diese Art Eintritt-Markierung hat es bereits damals gegeben. Dann habe sie die Hand beim Waschen immer sorgsam ausgespart, damit der Stempel am Montag in der Schule noch zu sehen war. Jeder hat seine Erinnerung an die Sechziger. Um 22 Uhr musste er damals zu Hause sein, wenn die Stadthäger Band in Probsthagen - "Quasi vor meiner Haustür" - gespielt habe, so Friedrich-Wilhelm Bartels (57) aus Lüdersfeld. Helmut Everding (57) nennt weitere Auftrittsorte: Der "Tannenhof" in Stadthagen, Päpinghausen, bei "Toni" in Krainhagen. Wo die "Loving Hearts" gespielt haben, gehörte Everding zur Fan-Gemeinde. Und schließlich seien die Gundlach-Brüder fast seine Nachbarn in Stadthagen gewesen. Der Blick auf die Tanzenden und die voll besetzten Tischreihen in die Festhalle offenbart eine eigentümliche Homogenität. Irgendwie scheinen alle Partygäste etwa gleich alt zu ein. Die ähnlichen Altersangaben der Befragten sind kein Zufall. Gast Bernd Schlifke grenzt ein: "Die Ältesten sind 60, die Jüngsten um die 50." In die Festhalle sind die gekommen, die die "Loving Hearts"-Ära früher live erlebt haben - in den Jahren bevor die Diskotheken ihren Siegeszug antraten. Bis dahinwar Live-Musik auf Gaststättensälen die angesagte Wochenendunterhaltung für die Jugend. Diese damalige Jugend hottet jetzt friedlich und fröhlich gemeinsam in der Festhalle. "Es ist das größte Klassentreffen Deutschlands", so Schlifke. Auf der Bühne steht die gleiche Altersgruppe wie unten und begeistert ihr Publikum. Alle neun Mann der wechselnden "Loving Hearts"-Besetzungen sind im Einsatz, können sich abwechseln und werden auf diese Weise nicht müde, die Feté bis in die tiefe Nacht mit Livemusik zu versorgen. Noch vor Mitternacht bekommen die gestandenen Männer auf der Bühne junge Verstärkung. Jan (17), Sohn von Rolf Möhlenbrock, gibt mit einer Einlage sein Debüt an der Gitarre. In der Festhalle reiht sich ein Top-Oldie an den anderen "I'm a believer", eine Titel der "Monkeys", "Massachussetts" und zum Mitsingen etwas aus den Siebzigern: "She came to me one morning, one lonley sunday morning ...": "Lady in Black". Hinter der Küchentheke sorgt eine andere "Lady", Marianne Böttcher, Wirtin im Nienstädter "Sportheim", mit leckerer Hochzeitssuppe, Schnitzeln und Kartoffelsalat für Kaloriennachschub. Die Nacht ist noch lang.

Manfred Haupt und Jan Möhlenbrock (17) rocken ab. Fotos: sk
  • Manfred Haupt und Jan Möhlenbrock (17) rocken ab. Fotos: sk
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