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"Mondscheintarif" von Ildiko von Kürthy als Theaterstück im Brückentorsaal

Das gab Szenenapplaus: "Größte Problemzone der Frau ist der Mann"

Rinteln. So, wie man bei einem guten Schlager bedenkenlos gereimten Herz-Schmerz akzeptiert, so amüsant und zugleich durchaus bewegend kann ein Unterhaltungsstück wie "Mondscheintarif" sein, das in einer hervorragenden Besetzung am vergangenen Sonntag im Brückentorsaal gespielt wurde.

veröffentlicht am 06.11.2007 um 00:00 Uhr

Heike Kloss beim Dauertelefonat mit der Freundin. Foto: tol

Autor:

Cornelia Kurth

Eigentlich reiht sich in dem Roman von Ildiko von Kürthy, der als Vorlage für die gelungene Bühnenfassung Friedrich Dubys diente, ein Klischee ans andere: Zwei allerbeste Freundinnen, die eine verführungssichere Karrierefrau, die andere gern in Fettnäpfchen tretende Fotografin, telefonieren fast ununterbrochen miteinander, um sich über den neuesten Stand einer Liebesaffäre auszutauschen, die mit allen typischen Unsicherheitsstolpersteinen beginnt, erst zum schnellen Glück, dann zum tiefen Unglück und schließlich zum Happyend führt. Die Fotografin (Heike Kloss) ist es, die sich verliebt hat, in einen charmanten Arzt (Alexander Sternberg), dem sie bei einer Veranstaltung aus Versehen in das bei Männern besonders schmerzempfindliche Körperteil trat, später überraschend in einer Arztpraxis wieder trifft, wo sie sich "freimachen soll" und dabei ihre so gar nicht vorteilhafte Unterwäsche zeigen muss, und der doch selbst so süß und verlegen ist, dass sie nicht begreifen kann: Warum ruft er nach der ersten Liebesnacht nicht an! In einem wirklich gut durchdachten Bühnenbild (Karel Spanhak), dessen Drehelemente mit Leichtigkeit viele verschiedene Örtlichkeiten imaginieren konnten, entfaltete sich ein Bombardement witziger, treffsicherer und manchmal auch rührender Dialoge, die immer wieder herzliche Lacher auslösten, denn, so sagte es Ildiko von Kürthy ganz richtig in einem Interview: "Die Frauen erkennen sich selbst wieder und sind froh, dass sie nicht alleine so irre sind. Männer erkennen ihre Frauen wieder und sind froh, dass sie nicht als einzige so eine Irre erwischt haben." Die eigentliche Liebesgeschichte mit ihren Irrungen und Wirrungen - der Arzt, so scheint es, hat bereits eine Geliebte, und auch ein trotteliger Ex-Freund kommt in die Quere - sie ist in "Mondscheintarif" der Anlass, eine Art von Liebe vorzuführen, um die manche Männer ihre Frauen beneiden: Die unverbrüchliche Freundinnenliebe, in der es keine Geheimnisse und keine Angst gibt, in der jede, bei aller Stichelei, so sein darf, wie sie ist, wo man jammern, klagen, jubeln kann und dabei weiß: Sobald ich Hilfe brauche, ist die andere da. Viele der Sprüche mögen gelesen eher belanglos wirken ("Die größte Problemzone der Frau ist - der Mann", "Schlimm sind auch die Ego-Rammler" oder "Die meisten Paare sind nur noch zusammen, weil sie die Hoffnung aufgegeben haben, jemand besseren zu finden"). Im Stück, mit seinen schnellen Szenenwechseln zwischen den beiden Wohnungen der Frauen, dem Rendezvous-Restaurant, der Wohnungstür des Arztes oder der von einer stummen türkischen Klofrau bewachten High-Society-Toilette, hier gaben sie so viel Anlass zu befreiendem Gelächter und manchem Szenenapplaus. Eindrucksvoll war auch, dass alle Nebenrollen höchst abwechslungsreich allein von den drei Schauspielern gespielt wurden - wirklich: Der Kulturring hat mit diesem Stück einen richtig guten Griff getan.

Fotografin verliebt sich in Arzt.
  • Fotografin verliebt sich in Arzt.


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