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Mehr als hundert Landwirte blockieren Zufahrt / Milchwagen werden Lieferungen nicht los

Das Frischli-Milchwerk wird gut bewacht

Rehburg (ade). Mehr als hundert Landwirte haben am Sonnabend begonnen, mit Traktoren die Zufahrt zu den Frischli-Milchwerken zu blockieren. Die erbosten Bauern haben sich, wie der Team-Sprecher der Nienburger Gruppe des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Egon Meyer, sagte, "bei einer Spazierfahrt getroffen".

veröffentlicht am 02.06.2008 um 00:00 Uhr

Landwirte blockieren das Frischli-Werk in Rehburg. Foto: tol

Die zwölf Frischli-Tanklastzüge, die unterwegs waren, um Milch von Landwirten abzuholen, hatten keine Chance, ihre Ladung im Rehburger Werk loszuwerden. Dicht an dicht reihten sich die Traktoren, kreuz und quer standen sie an der Einfahrt zu dem Werk. Betriebsleiter Heiner Gehrke begann scheinbar ungerührt eine Betriebsbesichtigung mit dem "Gemischten Chor Rehburg" und scherzte: "Rechts die Demo, links die Besichtigung." Sorge hatte er dennoch. Die Milch in den Tanklastzügen werde bei diesen Temperaturen nach rund fünf Stunden sauer, einen "Entsorgungsplan" für solch einen Fall gebe es nicht. Die Landwirte hatten andere Sorgen, sie wollten endlich eine Entscheidungüber den Milchpreis - und zwar deutlich nach oben statt nach unten. Um dieses Ziel zu erreichen, hatten sie am Abend zuvor beschlossen, dass nach dem Lieferstopp bei der Milch nun eine härtere Gangart gewählt werden sollte. Aus den Landkreisen Nienburg und Schaumburg, aus Diepholz und Holzminden, selbst aus Nordrhein-Westfalen waren sie angereist, um ihrem Unmut Luft zu machen. Notfalls wollten sie die Nacht vor dem Werk verbringen, jetzt soll eine Entscheidung getroffen werden, vom Hinhalten haben sie die Nase voll. Das brachten auch Meyer und seine BDM-Kollegen aus den Landkreisen Schaumburg und Diepholz, Karl-Heinrich Niehoff und Dieter Rempe, zum Ausdruck. Gemeinsam mit den drei frischli-Geschäftsführern Hans Holtorf, Timo Winkelmann und Lars Schäkel zogen sie sich zur Verhandlung zurück. Zäh verlief das Gespräch, weder wollte Holtorf zusagen, dass der Deutsche Milchindustrieverband (MIV), dessen stellvertretender Vorsitzender er ist, sich sofort zu Verhandlungen mit dem BDM an den Tisch setzt, noch wollte der BDM von der Stelle weichen. Ergebnisse gab es erst nach einer Verhandlungspause. Beide Seiten hatten sich mit ihren Verbänden beraten. "Umgehend" sollten Gespräche aufgenommen, Bundes-Ernährungsminister Horst Seehofer als Verhandlungsführer dazu geholt werden, berichtete Holtorf. Meyer hatte Anweisung bekommen, die Blockade für 48 Stunden aufzuheben. "Montag bin ich mit meinem Schlepper wieder hier", sagte er. Murren unter den Landwirten. Sie wollten bleiben, ein Ende der Diskussion. Die Verhandlungsführer zogen ab, die Bauern blieben. Bereits am Nachmittag zeigte die Strategie Wirkung, Niehoff bekam die Nachricht, dass die Verhandlungen zwischen BDM und MIV schon am Sonntagabend beginnen sollen. Die Bauern blieben dennoch. "So gut bewacht war das Milchwerk noch nie", grinste einer von ihnen am Abend bei Bier und Bratwurst. Seite 17



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