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Entscheidung der Kreistage noch diesen Monat / Bartsch als Nachfolger von Gersmeier genannt

Das Finanzloch der EWR soll gestopft werden

Weserbergland (ni/joa). Das Thema "Bürgschaften" ist vom Tisch, das Defizit der Erlebniswelt Renaissance einvernehmlich zwischen den drei Gesellschafter-Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg aufgeteilt und die ebenso einvernehmliche Trennung von EWR-Geschäftsführer Thomas Gersmeier beschlossene Sache. Auf diese Eckpunkte hat sich der Aufsichtsrat der Projektgesellschaft bei seiner gestrigen Sitzung verständigt. In der anschließenden Kreistagssitzung informierte Hameln-Pyrmonts Landrat Rüdiger Butte, Aufsichtsratsvorsitzender der EWR, die Abgeordneten über die Ergebnisse.

veröffentlicht am 08.11.2006 um 00:00 Uhr

Stellte sich nach der EWR-Aufsichtsratssitzung gestern den Frage

Der Verteilungsschlüssel für den neuerlichen Fehlbetrag von 1,34 Millionen Euro sieht vor, dass der Landkreis Hameln-Pyrmont gut 600 000 Euroübernimmt. Auf Schaumburg sollen 576 000 Euro entfallen, auf Holzminden 135 000 Euro. 30 000 Euro blieben nach dieser Rechnung offen. Dieser Betrag könne eindeutig dem Standort Hameln zugeordnet werden (Defizite bei der EWR-Gastronomie im Hochzeitshaus), erklärte Butte. Deshalb sei zu überlegen, ob der Landkreis Hameln-Pyrmont diese Summe allein aufbringen müsse. Butte bestätigte, dass es hinsichtlich der umstrittenen Bürgschaftszusage des Landkreises Schaumburg noch offene Fragen gibt. Nach den Unterlagen des Landkreises Hameln-Pyrmont habe sich Schaumburg zur Übernahme einer Bürgschaft über 750 000 Euro bereit erklärt. "Landrat Schöttelndreier ist von einer etwas anderen Ausgangsposition ausgegangen, die offensichtlich bilateral verhandelt worden ist." Von diesen unter vier Augen - lange vor Buttes Zeit - getroffenen Absprachen sei damals jedoch "weder die Politik informiert worden noch der Landkreis Holzminden" - vermutlich um das Gesamtprojekt nicht zu gefährden. Die Auflösung des Geschäftsführer-Vertrages mit Thomas Gersmeier zum 30. November begründete Butte damit, die Mehrheit im Aufsichtsrat habe "nicht mehr das notwendige Vertrauen in den Geschäftsführer". Als seinen Nachfolger werde der Aufsichtsrat Dr. Carsten Bartsch vorschlagen. Der Chef der Weserbergland AG sei mit dem Projekt vertraut und habe sich zur Übernahme der EWR-Geschäftsführung bereit erklärt unter der Voraussetzung, dass die drei Landkreise den aktuellen Fehlbedarf der EWR umgehend ausgleichen. Butte ließ allerdings auch durchblicken, dass er die Mitarbeit von Gersmeier, der wie kein Zweiter in das noch unvollendete Tourismusprojekt involviert ist, zumindest für eine Übergangszeit für notwendig erachtet. Keinesfalls wolle man Gersmeier zum Sündenbock stempeln, sagte Butte - und erinnerte daran, dass der Noch-Geschäftsführer "in der Vergangenheit mehrfach Unterstützung eingefordert", diese aber nicht erhalten habe. Beschlossen hat der Aufsichtsrat gestern auch die Gründung einer mit Finanzexperten der drei Landkreise sowie einem Mitglied der Regierungsvertretung Hannover besetzten neuen Arbeitsgruppe. Die soll sich jetzt noch einmal alle Unterlagen von EWR vornehmen und "Klarheit schaffen, wie die einzelnen Zahlungsströme in der Vergangenheit gelaufen sind",erläuterte Butte. Außerdem sei vereinbart worden, die investiven Kosten des Projektes künftig getrennt nach den einzelnen Standorten abzurechnen. Die Konsequenzen einer Insolvenz der EWR zeigte Butte ebenfalls auf. Zum einen hätten sich bei ihm bereits mehrere Unternehmen aus der Region gemeldet, die im Falle einer Insolvenz in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten kämen. Zum anderen würden für den Landkreis sofort Bürgschaften in Höhe von 2,25 Millionen Euro fällig. Ein weiteres Problem würde die künftigeNutzung des zum EWR-Zentrum umgebauten Hamelner Hochzeitshauses darstellen. In die Sanierung des städtischen Objektes seien damals auch Hameln-Pyrmonter Kreisgelder geflossen. Darum sei zu überlegen, ob man angesichts der Krisensituation nicht auch noch einmal mit der Stadt Hameln sprechen müsse. Die Liquidität der EWR, so Butte, sei nur noch bis Ende November gesichert. Der Hameln-Pyrmonter Kreistag müsse darum noch in diesem Monat die Entscheidung fällen, ob er zu einer neuerlichen Finanzspritze in Höhe von gut 600 000 Euro bereit ist. Weitere Beratungen in dieser Angelegenheit werde es im Kreisausschuss am 23. November geben. Eine außerordentliche Sitzung des Hameln-Pyrmonter Kreistages sei für den 27. November, 15 Uhr, terminiert. Bis spätestens 30. November wollen laut Butte auch die beiden Landkreise Schaumburg und Holzminden ihre Entscheidung getroffen haben. Die Zustimmung von Holzminden scheint schon so gut wie sicher zu sein. Bereits vorgestern hatte der dortige Kreisausschuss die Empfehlung ausgesprochen, die EWR nach Möglichkeit nicht in die Insolvenz gehen zu lassen. "Allerdings gibt es aus Holzminden Erwartungen an die Gesellschaft, die Gesellschafterversammlung und den Aufsichtsrat der EWR", sagte der Holzmindener Landrat Walter Waske gestern nach der Aufsichtsratssitzung. Ganz wichtig sei dabei eine Trennung von "Vorsitz, Schriftführung und Rechnungsprüfung". Controlling müsse eingeführt und am besten alle drei Monate ein Kassensturz vorgenommen werden. Außerdem fordere er ein Zukunftskonzept, dass die Perspektiven der einzelnen Standorte aufzeige. Und nicht zuletzt solle die Gesellschafterversammlung möglichst bald zusammentreten, um einen Einblick in das Baubuch für Schloss Bevern zu ermöglichen sowie offene Fragen in Bezug auf dieses Projekt zu klären. Waske: "Für uns ist das sehr wichtig."

Dr. Carsten Bartsch, Vorstandschef der Weserbergland AG, soll Na
  • Dr. Carsten Bartsch, Vorstandschef der Weserbergland AG, soll Nachfolger von EWR-Geschäftsführer Thomas Gersmeier werden.

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