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Trend geht zur späten Mutterschaft / Jedoch: „Das Alter der Mutter ist nur ein Faktor von vielen“

Das erste Kind mit 35 – Risiko oder Chance?

Wiesbaden. Die italienische Rocksängerin Gianna Nannini verblüffte viele, als sie kürzlich mit 54 Jahren zum ersten Mal Mutter wurde. Eine 58-jährige Aschaffenburgerin machte vor drei Jahren Schlagzeilen, als sie ein gesundes Mädchen zur Welt brachte. Im Durchschnitt sind deutsche Frauen aber genau halb so alt – also knapp 29 Jahre – wenn sie ihr erstes Kind bekommen, wie aus einer neuen Erhebung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Schon ab 30, spätestens 35, gelten Schwangere bei Fachleuten zwar als alt. Der Trend zur späten Mutterschaft werde aber mit den Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin zunehmen.

veröffentlicht am 05.12.2010 um 18:52 Uhr

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Autor:

Ira Schaible

„Die Risiken, wenn man mit 40 oder 41 Jahren das erste Kind kriegt, sind größer als mit 27 oder 29“, sagt Prof. Franz Kainer von der Uniklinik in München. Typische Erkrankungen in der Schwangerschaft wie Diabetes seien häufiger, aber auch Fehlentwicklungen des Säuglings sowie Fehl- und Frühgeburten. „Die Chancen sind dennoch sehr groß, noch ein gesundes Kind zu bekommen, und man sollte die Frauen nicht unnötig verunsichern“, betont Gynäkologe Kainer. Entscheidend seien die Vorerkrankungen der Schwangeren. Und wer mit 45 Jahren nicht sein erstes, sondern sein drittes Kind bekomme, habe ohnehin ein geringeres Risiko.

„Je später eine Schwangerschaft geplant wird, desto wichtiger sind die körperliche Gesundheit der Frauen und ihr Lebensstil: Wer sich gesund ernährt, regelmäßig bewegt und auf Nikotin verzichtet, hat gute Chancen, auch über 35 problemlos schwanger zu werden“, heißt es auf der gemeinsamen Homepage des Berufsverbands der Frauenärzte und der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Das Alter der Mutter ist nur ein Risikofaktor von vielen.“

„Frauen, die bis 30 ihr Leben selbstständig gemanagt haben, sind auch in der Schwangerschaft und bei der Geburt kontrollierter als 20- Jährige“, berichtet Edith Wolber vom Deutschen Hebammenverband. Viele der älteren Erstgebärenden ahnten, dass es das einzige Kind bleiben werde und „grübeln dann noch mehr, ob alles gut geht“. Ihnen fehle häufig eine „hoffnungsfrohe Entspanntheit“ wie sie viele jüngere Schwangere hätten, stattdessen setzten sie auf die technischen Möglichkeiten. Nach der Geburt falle es vielen schwerer, sich daran zu gewöhnen, „dass nicht die Uhr und strukturierte Abläufe, sondern die Wünsche des Kindes den Tag bestimmen“.

Frauen und Männer, die erst ab 32 beziehungsweise 36 Jahren Eltern werden, seien oft im Arbeitsmarkt gut verankert, Akademiker und im Beruf zeitlich stärker eingespannt als Jüngere, berichtet Waltraud Cornelißen vom Deutschen Jugendinstitut in München aus ihrer Erhebung von 2009. Sie seien unzufriedener damit, wie wenig Zeit ihnen für die Familie bleibe. Dafür hätten sie in der Regel ein höheres Haushaltseinkommen und lebten stabiler zusammen – zumindest, bis die Kinder ins Schulalter kommen.

„Ältere Mütter sind gelassener, weil sie vieles schon ausgelebt haben“, berichtet die Geschäftsführerin von pro familia in Baden-Württemberg, Manuela Rettig. Jüngeren falle es oft schwerer, mit den einschneidenden Veränderungen klar zu kommen. „Das gilt vor allem für die Freizeit, auf die heute viele orientiert sind.“ Auch Gynäkologe Kainer sagt: „Mit 40 sind Frauen reifer als mit 20 und sich vieler Dinge bewusster.“

Jedes vierte Baby in Deutschland wird von über 35 Jahre alten Frauen geboren. Tendenz steigend. Die Risiken später Schwangerschaften sind kalkulierbar, sagen Ärzte.



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