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"First Ladys" verabreichen in der Nachtausgabe spritzige Botschaften zum Thema Nachwuchs

Das eigentliche Opfer des Abends heißt "Mann"

Bückeburg. "Frisch gepresst" lautete das Motto der jüngsten Nachtausgabe unserer Zeitung und der Volksbank in Schaumburg, mit dem die "First Ladys" am Dienstag die Zuschauer in der seit einer Woche ausverkauften Schalterhalle des Kreditinstitutes unterhielten.

veröffentlicht am 09.11.2006 um 00:00 Uhr

"Gemoppte" Mütter zwischen Geburtsvorbereitungs-Fragen und ICE-W

Autor:

Dietlind Beinßen

Wer bei "Frisch gepresst" an Zitronen- oder Apfelsinensaft dachte, der irrte gewaltig. Die Interpretinnen sind nämlich beide vor fünf Monaten erstmals Mutter geworden und haben deshalb diesen Titel für ihre neueste Show gewählt. Rund um den Nachwuchs entwickelte das Duo auch die Handlung, indem es musizierend, singend, tanzend und parlierend die passenden Botschaften in Sachen Baby, Mann, Frau und Gesellschaft verabreichte. Dass die Allroundkünstlerinnen auf ihrer rasanten Reise nicht das gesamte Publikum zum Toben bringen konnten, lag am Thema, welches junge Eltern im Parkett naturgemäß am meisten ansprach. Doch lustig fiel die stimmlich wie mimisch ausdrucksstark offerierte Mixtur aus Klamauk, Kabarett, Comedy und Akrobatik allemal aus. Denn Humor, Slapstick, eine kleine Portion Tiefgang und dem Leben abgeschaute Alltagsepisoden sind ebenso Markenzeichen von der gern im schweizer Dialekt plaudernden Eva-Maria Michel und der sich aufs Schwäbische verstehenden Maria Vollmer wie ihre originellen Sätze und eigenwilligen A-cappella-Songs. Man musste nur etwas genauer hinhören. Wenn das Pärchen auf originelle Weise die mit Hindernissen gespickte Eisenbahnfahrt mit Wickelkindern von Köln nach Bückeburg beschreibt, sprachwitzig Geburtsvorbereitungs-Fragen erörtert, sich mit der Babytrage abquält, eine makabre Live-Schaltung zum Krankenhaus Bethel ansteuert und die zehn kleinen Samenfädchen beträllert, von denen eines schließlich übrig bleibt und heute Knut heißt, dann ist das schon drollig. Ansonsten gab es über zu wenig Abwechslung nicht zu klagen: Da wurden zwischendurch Akkordeon, Querflöte und Geige ausgepackt und im besten Bayerisch schön prall Schlecker, Aldi, Plus, Edeka und Co. besungen und bejodelt sowie andere lustige Geschichtchen mit Leben erfüllt. Natürlich lachte das Publikum bei den "First Ladys" außerdem über deren persönliche weibliche Eigenheiten. Man denke beispielsweise an die superperfekte Hausfrau, die gemoppte Mutter, die Rückbildungsgymnastik oder an die scheußliche Haut und das sündhaft teure Basisprogramm. Doch das eigentliche Opfer des Humors der beiden Damen schläft durch, besitzt viele Macken, muss gedrillt werden wie ein Hund und heißt Mann. Von der Seite her war der Beifall entsprechend etwas zäh.

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