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Geschäftsführer Norbert Raasch: „Wir haben an ganz vielen Stellschrauben gedreht“

Das BFW schreibt wieder schwarze Zahlen

Bad Pyrmont (uk). Die beiden Berufsförderungswerke (BFW) Bad Pyrmont und Weser-Ems in Bookholzberg schreiben seit September dieses Jahres wieder schwarze Zahlen. Deutlich früher als erwartet habe die Restrukturierung der letzten drei Jahre auch den geforderten wirtschaftlichen Erfolg gebracht, sagte Geschäftsführer Norbert Raasch gestern im Gespräch mit den Pyrmonter Nachrichten und vertrat die Einschätzung: „Jetzt stehen beide Einrichtungen wieder auf festem Boden.“

veröffentlicht am 17.12.2009 um 10:03 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Norbert Raasch (li.) und Günter Lochno blicken optimistisch ins kommende Jahr. Die beiden Berufsförderungswerke Bad Pyrmont und Weser-Ems waren einst Konkurrenten und bilden heute eine Organisation mit zwei Standorten. Die Zukunft in ihrem Schaubild ist schon Wirklichkeit.Foto: uk

Seit Herbst 2008 ist Raasch alleiniger Geschäftsführer der beiden Häuser, die seit 1978 zur Stiftung des Landes Niedersachsen gehören und seit 2007 ein gemeinsames Unternehmen der beruflichen Rehabilitation bilden. Grund für die nun gelungene organisatorische Zusammenlegung war die nach den Worten von Raasch sich seit 2003 drastisch verschlechternde Ertragslage mit negativen Betriebserhöhungen in Millionenhöhe. „Die Teilnehmerzahlen gingen kontinuierlich zurück, weil die Reha-Träger selber Probleme hatten und sich die gesetzlichen Rahmenbeingungen und die Zuständigkeiten veränderten. Das hat sich gravierend ausgewirkt, sogar von Insolvenz war in den letzten Jahren die Rede“, beschreibt Raasch die Notwendigkeit, gegenzusteuern. „Beide Standorte für sich waren nicht mehr überlebensfähig.“

Es begann ein Weg, der in der Belegschaft große Sorgen auslöste, denn es ging nicht nur um Einsparungen bei den Sachkosten durch die Zusammenlegung, sondern auch um Einsparungen bei den Personalkosten. Viele Mitarbeiter sorgten sich um ihren Arbeitsplatz und befürchteten Gehaltseinbußen, denn Raasch wollte mit einem Sanierungstarifvertrag eine zehnprozentige Lohnkürzung durchsetzen. Daraus ist zwar nichts geworden, das BFW zahlt immer noch nach Tarif, doch die Zahl der Mitarbeiter wurde allein in Bad Pyrmont von 200 auf etwa 110 reduziert. Trotzdem gehört das Haus immer noch zu den großen Arbeitgebern in der Kurstadt.

Harry Schick

Beide BFWs zusammen beschäftigen laut Raasch heute 207 Mitarbeiter, es waren einmal 347. „Das haben wir hochsozialverträglich ohne betriebsbedingte Kündigungen sondern durch Auflösungsverträge mit teils hohen Abfindungen und großzügiger Anwendung der Altersteilzeitreglung hinbekommen.“ Und frei werdende Stellen würden möglichst nicht wieder besetzt. Dass dadurch die „Arbeitsverdichtung“ für jede einzelnen Mitarbeiters gestiegen sei, räumt Günter Lochno ein, der im Führungsteam für den kaufmännischen Bereich zuständig ist. An der Spitze steht jetzt ein standortübergreifendes vierköpfiges Team, dem neben Raasch und Lochno Perdita Engeler und Günter Blase angehören.

„Unser Erfolgsgeheimnis ist, dass wir alles angefasst und an ganz vielen Stellschrauben gedreht, haben“, betont Raasch. Zwar steigt die Zahl der Teilnehmer an Reha-Maßnahmen wieder, aber auch ohne mehr Umschüler sei es gelungen, vernünftige wirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen. Er betont, dass das Unternehmen in die Restrukturierung einige Millionen von Euro investiert habe. Mit einer Analyse der Situation hatte der Stiftungsrat 2006 die Unternehmensberatung BDO beauftragt. „Das war zwar ziemlich teuer, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.“, so Raasch. Das von der BDO geliefert Gutachten hatte sogar zum Streit mit dem BFW-Betriebsrat geführt, denn der konnte erst vor Gericht sein Recht auf Einblick in dieses Gutachten durchsetzen. „Ich habe das abgelehnt, weil darin auch von einer Schließung eines der Häuser die Rede war. Das war zwar schnell vom Tisch, aber es hätte für viel Verunsicherung unter der Belegschaft gesorgt.“ begründet Raasch seine Haltung.

„Es ging ganz klar um die Empfehlung, das BFW Bad Pyrmont zu schließen“, bestätigt der Betriebsratsvorsitzende Harry Schick. Seine Bilanz der Restrukturierung fällt etwas anders aus als die des Geschäftsführers, wenn auch grundsätzlich positiv. „Die Arbeitsplätze sind wieder etwas sicherer“, so Schick. Weniger positiv sei der Arbeitsplatzabbau und das Unternehmen stattdessen verstärkt Honorarkräfte einsetze. Den Auftrag an die Unternehmensberater sieht Schick deshalb kritisch, weil man seiner Meinung nach viele Erkenntnisse auch ohne externe Berater hätte gewinnen können. „Zum Beispiel waren wir schon immer zwei Häuser unter einem Dach, nämlich dem der Stiftung.“ Und in noch einem Punkt widerspricht er dem Geschäftsführer. „Nach unserer Einschätzung bestand niemals die Gefahr einer Insolvenz.“ Aus diesem Grund habe man auch mithilfe der Gewerkschaft den von Raasch angestrebten Sanierungstarifvertrag verhindert. Der Geschäftsführer habe allerdings auf die nochmalige Überprüfung eines solchen Vertrages in diesem Jahr von sich aus verzichtet.

Raasch zeigte sich überzeugt, dass er seinem Nachfolger ein leistungsfähiges und damit zukunftssicheres Unternehmen übergeben kann. Ende April 2010 verabschiedet er sich nämlich n den Ruhestand. Neuer Geschäftsführer wird der 45 Jahre alte Sonderpädagoge Jörg Barlsen, zurzeit stellvertretender Geschäftsführer des Berufsbildungswerkes im hessischen Arolsen.



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