weather-image
K 80: Zwei Bürgerinitiativen mit verschiedenen Interessen / Möllenbecker wollen Wochenendfahrverbot

"...dann setzen wir uns eben auf die Straße!"

Möllenbeck (wm/who). Die Situation scheint auf den ersten Blick konträr: Eine Bürgerinitiative aus Krankenhäger und Silixer Bürgern wehrt sich gegen die Einziehung der Kreisstraße 80 durch den Möllenbecker Wald und will dagegen notfalls klagen.

veröffentlicht am 06.06.2008 um 00:00 Uhr

Möllenbecker demonstrieren für die Schließung der K 80 für Motor

Anders die Position der Möllenbecker: Im Juni vorigen Jahres hatte der Ortsrat ausdrücklich der Schließung der Kreisstraße zugestimmt. Jetzt hat sich in Möllenbeck eine Bürgerinitiative gebildet, die bis zum Jahr 2011, wenn die Straße verschwinden soll, ein Wochenendfahrverbot für Motorräder will. Ortsbürgermeister Reinhold Kölling ist der Meinung, die Möllenbecker haben in diesem Fall die besseren Argumente, denn von dem Motorradverkehr, der nervt, bekommen die Krankenhäger nur wenig mit: "Die meisten biegen vorher schon zur Motorradkneipe ab." Doch so verhärtet sind die Fronten gar nicht: Bei dem Wunsch nach einem Wochenendfahrtverbot für Motorräder würde er in Krankenhagen offene Türen einrennen, versicherte gestern Krankenhagens Ortsbürgermeister Gerhard Werner in einem Telefongespräch: Das sei doch logisch, denn Motorräder kämen von beiden Seiten, also auch von und damit durch Krankenhagen in Richtung Möllenbeck. Anders die Position der Krankenhäger zur Aufhebung der Straße - die Bürgerinitiative gegen die Einziehung der K 80 halte eine Verbindungsstraße zwischen Krankenhagen und Möllenbeck nach wie vor für unverzichtbar. Inzwischen liegt beim Landtag auch eine Petition für den Erhalt der Straße. In Möllenbeck hat sich die Bürgerinitiative am Dienstagabend formiert mit dem Ziel, umgehend das Fahrverbot herbeizuführen. "Wir sind der Meinung, dass wir schon viel zu lange gewartet haben", eröffnete Lothar Räder am Dienstag als Initiator des Treffens und Anlieger der Hildburgstraße die Versammlung mit fast 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Feuerwehrgerätehaus. In bester Erinnerung stand Lothar Räder noch das Pfingstwochenende mit der nicht enden wollenden Motorradinvasion. Bei persönlichen Schallmessungen habe er bis zu 90 Dezibel festgestellt: "Da klirren die Kaffeetassen, wenn man auf der Terrasse sitzt." Mit dem Ärger von Pfingsten im Bauch habe er sich hingesetzt und Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier eine E-Mail zum Thema geschrieben. Es könnte die falsche Adresse gewesen sein, denn der Landkreis fühle sich in diesem Fall nicht allein zuständig, ließ gestern Kreisdezernentin Ursula Müller-Krahtz wissen. Der Landkreis sei zwar Träger der Straßenbaulast, aber keine Straßenverkehrsbehörde - das sei die Stadt Rinteln. Drei sitzen bei einer solchen Entscheidung am Tisch, präzisierte Erster Stadtrat Jörg Schröder gestern: Die Stadt Rinteln, die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und der Landkreis. Einen Termin gibt es bereits: Am 19. Juni wollen sich alle drei Behörden mit dem Fall K 80 beschäftigen. Dezernentin Müller-Krahtz geht davon aus, dass ein Wochenendfahrverbot für Zweiräder kommen wird, auch wenn man sonst mit solchen Maßnahmen eher zurückhaltend sei - "aber die K 80 ist ein Sonderfall". Als noch größeres Problem als die Belästigung durch Motorenlärm sah die Bürgerversammlung am Dienstag die Gefährdung durch zu schnell fahrende Biker. Denn Geschwindigkeitsbegrenzungen würden fast durchweg nicht beachtet, stellte Räder fest. "Kinder können nicht allein über die Hildburgstraße geschickt werden." "Und ein totes Kind wäre zu viel", formulierte der Rintelner Rechtsanwalt und Wahl-Möllenbecker Thorsten Frühmark das noch drastischer. Räder berichtete, er habe kürzlich im Auftrag eine Wohnung an der Hildburgstraße einem potenziellen Mieter vorgestellt. Diesen habe er ausdrücklich am Wochenende zur Besichtigung gebeten, um Reklamationen nach dem Einzug auszuschließen. Räder: "Der hat gesehen und gehört, was los ist, und ganz schnell einen Rückzieher gemacht." Dabei seien nur etwa 15 Prozent der Motorradfahrer das Problem, schilderte Achim Haferkamp. Angelika Koch, Bewohnerin des ehemaligen Forsthauses am Ortsausgang, berichtete, wie sie mit angehört habe, wie zwei Motorradfahrer direkt vor ihrem Haus gewendet hätten: "Komm, wir fahren nochmal..." Dem ungehemmten Fahrspaß auf Kosten der Anwohner müsse ein Ende gemacht werden, bekräftigte die Versammlung am Ende einmütig. "Und wenn's nicht anders geht, dann setzen wir uns eben auf die Straße", kündigte Achim Haferkamp an. In den nächsten Tagen will die Bürgerinitiative in allen Haushalten Unterschriften für die zeitweise Sperrung der K 80 sammeln.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt