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Im Dunkeln hat Helga Mrosek einen ungewöhnlichen Unfall / Anwältin: "Beleuchtung fehlt"

"Dann fällt mir der Schlagbaum auf den Kopf"

Obernkirchen/Eilsen (rnk). Das alljährliche Konzert des Blasorchesters Krainhagen wollte sich Helga Mrosek nicht entgehen lassen, daher ist sie am vorletzten Sonntag mit ihrer Schwester nach Bad Eilsen gefahren. Das Konzert war schön, auf dem Weg zum Auto ist der 74-Jährigen aber ein schmerzhafter Unfall passiert: "Mir ist ein Schlagbaum auf den Kopf gefallen."

veröffentlicht am 25.11.2008 um 00:00 Uhr

Helga Mrosek

Der Weg war nicht beleuchtet, "draußen war es stockdunkel", erzählt die Obernkirchenerin. Warum der Schlagbaum am Parkende umgefallen ist, sie weiß es nicht, aber plötzlich liegt sie auf dem Boden. "Es ging mir sehr schlecht", erzählt sie, aber sie hat ihre Kräfte gesammelt und ist noch nach Hause gefahren. "Da ging dann gar nichts mehr", erzählt sie: "Ich bin zusammengeklappt wie ein Messer." Eine Reaktion, die Fachärzten nicht ganz unbekannt ist: Von einem "Fluchtschock" spricht der Experte, wenn das Opfer nach einem Unfall einfach wieder aufsteht und weitermacht, als sei nichts geschehen. Am nächsten Morgen ging esHelga Mrosek immer noch schlecht, sie ist dann zu ihrem Hausarzt gefahren, der sie an einen Kollegen in Stadthagen überwiesen hat. Dort wurde der Vorfall dann auch offiziell aufgenommen. Helga Mrosek hat danach bei der Kurverwaltung angerufen und den Sachverhalt erzählt, gehört hat sie danach nichts mehr. Die Kurverwaltung hat den Inhalt des Anrufes aber an das DRV-Rehazentrum weitergeleitet, auf dessen Grundstück die Schranke steht. Passiert ist nichts. Besser wurde es nicht, am letzten Donnerstag war Helga Mrosek fünf Stunden im Mindener Klinikum, "die Ärzte haben mich richtig durchleuchtet": Computertomografie, EKG, Blutuntersuchungen - das ganze Programm. Die Ärzte haben ihr erzählt, was sie hat: eine ganz schwere Gehirnerschütterung. Immerhin: Man habe ihr versichert, dass sie die Gehirnerschütterung am besten zu Hause, in Ruhe und liegend, auskurieren soll. Helga Mrosek hat sich dann an Rechtsanwältin Christiane Niemann aus Vehlen gewandt. Die Juristin wird sich jetzt schriftlich an die Verwaltung wenden: "Es geht nicht, dass ein quasi öffentlicher Weg nicht beleuchtet ist." Auch ein Schild, das die Fußgänger anweist, den Seitenweg zu benutzen - und nicht auf dem größeren Weg mit derSchranke zu gehen -, habe Frau Mrosek nicht sehen können. Und was man nicht sieht, kann man auch nicht befolgen. Niemann hat sich vor Ort davon überzeugt, dass der eckige Schlagbaum durchaus zu schweren Verletzungen führen kann. Vom Himmel gefallen, das ist der Schlagbaum aber nicht, heißt es bei der Kurverwaltung. Die Schranke stehe auf dem Gelände der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und reagiere auf ein Lichtsignal: Immer wenn ein Auto den Platz verlassen möchte oder auf ein Signal hin, hebt sich die Schranke - und senkt sich dann wieder. Die naheliegende Vermutung: Frau Mrosek habe die offene Schranke gesehen, sei durchgegangen - und just in diesem Moment habe sich der Balken wieder gesenkt und Frau Mrosek unglücklich getroffen. Bei derörtlichen DRV verweist man auf die Zuständigkeit der Kollegen in Hannover, kann aber die ganze Aufregung so recht nicht verstehen: "Der Weg, auf dem der Unfall passiert ist, ist ein Privatweg", erklärt ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht genannt haben möchte. Er verweist auf die LVA-Hauptverwaltung in Laatzen. Dort betont Mitarbeiter Harald Hiemesch, dass die Umstände doch erstmal vollkommen egal seien: "Entscheidend sind die Blessuren." Und: "Das tut uns furchtbar leid, aber wir konnten uns nicht melden: Wir wussten von dem Vorfall nichts."



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