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Ausstellung in der Sparkasse: "Jeder Mensch hat einen Namen" / Biografien von Rintelner Juden

"Damit geben wir ein Stück Würde zurück"

Rinteln (jaj). Auch in Rinteln hat die "Reichskristallnacht" das Leben vieler Bürger grundlegend verändert. Einer von ihnen war Hermann Heinemann, der am 30. März 1900 in Rinteln geboren wurde. Sein Leben hätte eigentlich sehr glücklich verlaufen können: Er heiratete im Alter von 25 Jahren Edith Philipp-sohn und bekam mit ihr die Töchter Eva und Vera. Auch der Schuh- und Gemischtwarenhandel in der Bäckerstraße 53 lief gut. Doch ihr Leben verlief nicht glücklich - denn die Heinemanns waren Juden. Ihr Geschäft wurde, wie die Geschäfte anderer Rintelner Juden, verwüstet und geplündert.

veröffentlicht am 10.11.2008 um 00:00 Uhr

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Dieser Fall ist auch im beschaulichen Rinteln kein Einzelschicksal, wie die Stadtarchivarin und Wahl-Rintelnerin Dagmar Giesecke in ihrer Ausstellung "Jeder Mensch hat einen Namen" verdeutlicht. Sie hat die Biografie der Heinemanns und anderer Rintelner Juden zusammengestellt und macht sie nun für die Öffentlichkeit zugänglich. Insgesamt zeigen die verschiedenen Schautafeln das Leben von 22 Rintelner Juden. "Jeder Mensch hat nicht nur einen Namen, sondern auch ein Gesicht", erinnert Giesecke. Und so ist auf jeder Biografie das zugehörige Foto des Rintelner Bürgers abgebildet. Es wirkt fast so, als ob diese Menschen ihre Geschichte selbst erzählen würden. "Ein Mensch, dessen Name genannt wird, wird nicht vergessen. Mit dieser Ausstellung geben wir den Betroffenen ein Stück Würde, ein Stück Achtung zurück", so Andreas Kühne-Glaser, Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg, bei der Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Freitag. Auch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz dankte der Initiatorin Dagmar Giesecke für ihre Arbeit und würdigte die Ausstellung als "eine Veranstaltung gegen das Vergessen". Nur wenige der Rintelner Juden schafften es, ihr Leben zu retten, wie eine Tafel der Ausstellung zeigt. Hermann Heinemann wurde zwar aus dem KZ entlassen, nachdem seine Familie das Geld für eine Fahrkarte zur Auswanderung aufgetrieben hatte, er musste sich jedoch dazu verpflichten, Deutschland zu verlassen. "Dies war jedoch in vielen Fällen gar nicht möglich", erklärt Giesecke. "Durch die Enteignung hatten die Verfolgten gar nicht die finanziellen Möglichkeiten, ihre Ausreise zu organisieren." Auch die Familie Heinemann konnte ihre Flucht nach Paraguay nicht realisieren. Anfang des Jahres 1941 wurde ihr Haus in der Bäckerstraße eines von zwei "Judenhäusern", in denen zeitweise über 35 Menschen in unwürdigen Zuständen lebten. 1941 wurden Hermann Heinemann, seine Frau und die beiden Töchter über die Sammelstelle "Gartenbauschule Ahlem" in Hannover nach Warschau deportiert, wo sie später starben. Neben den Biografien zeigt Giesecke auch zeitgenössische Dokumente. Die Ausstellung in der Sparkasse Schaumburg in der Klosterstraße ist noch bis zum 28. November montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr geöffnet.



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