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Dagdrömmerei

Wi Kört Platt

veröffentlicht am 29.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.12.2009 um 18:00 Uhr

Wi Kört Platt

Dagdrömmerei: Tagträumerei korterhand: sofort

Dörnanner: Durcheinander Fiuhlstauhl: Sessel

gries: grau

melanklüterig: melancholisch sinneeren: nachdenken

schüddeköppen: Kopfschütteln

Is jaa woll en Recht for ösch eolen Minschen, sek maal henteosetten, ümme sek teo resten. Dienschedag harre ek al morjens Last, ut’n Bedde teo komen. Tja, wenn de Dag al seo anfänget, denn mosste aber wisse uppassen, dat dek nich ook noch ’ne swarte Katte obern Weg löppet! Was aber gaanich seo, doch Lusten, wat anteofangen, harre ek graade düssen Dag oberhaupt nich. Alseo fung ek an, upteoräumen. Was aber ook nich mien Ding! Ek hebbe korterhand düt Dörnanner up mienen Schreiwdisch liggen laten un sette mek dal in mienen Fiulstauhl vor mien greotet Fenster inner Stoben. Von da konne ek in mienen Garen kieken. Na jaa, un denn fung ek an, seo’n betjen teo drömmen. Uppen geelen Bläern in’n Bömen hängen dei Rägendrüppens, de Heben was gries un düster, dei Sunne verstäke sek un man konne wahrhaftig melanklüterig weern. Na jaa, sinneere ek, an seo’n Dag, da fängeste bäter gaanix an, da bliffste heier sitten. As ek mek graade oben mienen knallreoten japaanschen Fuierahorn freuen wolle un mek vörstelle, da mösste nu de greote, witte Fudschijama hinne stahn, dat wöre maal en Foto for ’ne Utstellunge, da klingele doch düt dammlige Telefon. Ek wolle teoierst gaanich afnöhmen, aber neiplichtern, as ek nu maal bün, hen an’n Apparat. Melde sek seo’n Keerl un wolle mek twölf (12) Pullen Wien andreihen, teo’n Spottpreis, meine hei, et wöre dei Gelegenheit, ek mösste aber glieks bestellen, et wören bloot noch’n paar Kisten da! Ek säe „Danke!“ un knalle den Hoirer uppen Apparat. Teorügge in mienen Fiulstauhl! - Satt graade weer up mienen Hinnersten, klingele miene Hiusglocke. Ek hen, stund seo’n fründlichen Minschen vör mek, de wolle mek wat von’n Zeugen Jehovas vertellen, ek antwore kort un knapp: „Ek bün evangeelsch-lutterisch, un dat recket mek!“ Hei däe mek aber denn doch leid, as ek dei Döör teoklappen wolle un reip hinnerher: „Guten Weg und viel Erfolg!“ - Glöffstet oder glöffstet nich, et diuere keine foif Miniuten, da bimmele weer mien Telefon. Ek snappe naa Luft, as seo ’ne seute Stimme flöte: „Wir haben Sie auserwählt...“. weier kam se aberst nich, ek knalle mien Hoirer up dei Gabel un stand da un schüddeköppe. Mek bleiw dei Spucke wege, as düt dammlige Telefon weer bimmele. Laat se man bimmeln, dachte ek seo bie mek, teog miene Windjacken an un bün riut in’t Feld marscheert, da harre ek endlich miene Riuhe! - Suihste woll, von wegen Dagdrömmerei, man mott sek einfach verdrücken, wenn’n nich „vernetzt, versetzt und verhetzt“, weern will in use niemoodsche Tiet!

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