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Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke macht bei Raiffeisen-Jubiläum Bauern Mut

"Dafür sorgen, das wir mithalten können"

Wiehagen (dil). "Die globalen Einflüsse auf unsere Landwirte und unsere Genossenschaft nehmen immer mehr zu", hat der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen-Landbund eG, Hartmut Brunkhorst, bei deren Jubiläumsfest in Wiehagen festgestellt. Dass daraus mindestens so viele Chancen wie Risiken erwachsen, stellte Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke heraus. Die Politik müsse alles unterlassen, was die Preise der heimischen Produktion hochtreibt. Vor allem müsse Deutschland aufhören, alles, was aus Brüssel kommt, 150-prozentig umsetzen zu wollen. "Einige Nachbarländer machen es anders, damit ihre Landwirtschaft Exportmotor Nummer eins wird oder bleibt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Landwirte bei diesem Wettbewerb mithalten können."

veröffentlicht am 20.06.2007 um 00:00 Uhr

Gute Aussichten für Landwirte, meinte Ex-Minister Karl-Heinz Fun

"Mithalten kann nur, werüber gute Produkte und funktionierende Vermarktungswege verfügt", mahnte Funke vor etwa 1000 Zuhörern. Der Ex-Minister, heute Kreistagsvorsitzender im Landkreis Friesland und Vorsitzender eines großen Wasser- und Abwasserverbandes sowie gefragter Redner, betonte: "Wir haben aber keinen Grund, pessimistisch zu sein. Wir werden bei steigender Produktion auch wieder mehr verdienen." Dieses Geld werde aber vorwiegend aus dem Export kommen, denn der deutsche Verbraucher sei nicht bereit, mehr für Qualität, Bequemlichkeit und Frische deutscher Produkte zu zahlen. Aber ein Sinken der Preise sei andererseits auch nicht automatisch zu erwarten: "Bisher war es ja ebenfalls umgekehrt. Die Verbraucherpreise stiegen, ohne dass die Bauern etwas davon hatten." Die Produktivität der Landwirtschaft werde weiter zunehmen, auch der Importdruck, so Funke, bei stabiler Binnenachfrage werde Wachstum aus dem Export kommen. Die Weltbevölkerung wachse, vor allem in Indien und China. "In den nächsten Jahren werden wir 60 bis 70 Prozent mehr Futter- und Nahrungsmittel auf der Welt brauchen. Ein Drittel kann über mehr Anbauflächen produziert werden. Der Rest muss über Steigherungen bei der Intensität und Produktivität kommen. Das ganze Geschwätz von extensiver Landwirtschaft, das wir uns jahrelang geleistet haben, können wir uns künftig schenken. Die Landwirtschaftist geradezu eine Zukunftsbranche, und dabei habe ich den Bioenergiesektor noch außen vor gelassen", sagte Funke. Wenn die Nachfrage nach industriellen Rohstoffen steigt, folge mit etwas Verzögerung die nach agrarischen Rohstoffen, weil in vielen Ländern dann auch die Lebensansprüche stiegen. "Wir haben in Deutschland hervorragende Voraussetzungen für die Befriedigung der weltweiten Nachfrage nach veredelten Produkten. Unsere Landwirte können hervorragend mit ihrer Technik umgehenund sind die am besten ausgebildeten der Welt. Unsere Agrartechnologie ist neben der aus den USA führend in der Welt. Wir verfügen über eine hervorragende Lebensmitteltechnologie und haben gute Vermarktungsstrukturen, wenn auch nicht überall. Da gibt es teilweise noch viel Nachholbedarf. In Asien stehen dem eine wachsende Bevölkerung mit teilweise zweistelligen Kaufkraftzuwächsen gegenüber. Die können sich nicht selber ernähren. Wer aber kann sie beliefern? Zentraleuropa gehört zu den Regionen, die es können, und bei uns gibt es die besten Voraussetzungen dafür." Kreislandwirt Heinz Schweer hatte als Auswirkung der weltweit wachsenden Nachfrage von einer derzeit sehr guten Preisentwicklung bei Weizen gesprochen: "Das ist gut für uns Landwirte, aber die Fallhöhe bei den Preisen wird durch die Globalisierung für uns auch größer." Michael Bockelmann, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes Norddeutschland, erklärte: "Das Jahrzehnt der Landwirtschaft steht unmittelbar bevor. Das Ausland will eine besser Ernährung, im Inland gibt es mehr Nachfrage nach nachwachsende Rohhstoffen und Bioenergie." Und dem Geschäftsmodell Genossenschaft werde noch mehr Bedeutung zukommen. Künftig brauche man nur noch drei Mitglieder für die Gründung. "Das ist damit auch für Landwirte interessant. Wir werden außerdem mehr Genosenschaften bekommen in den Sektoren Gesundheit, Energie und vielem mehr." Die Raiffeisen-Landbund eG sah er in diesem Zusammenhang bereits besonders gut aufgestellt, ebenso wie die anderen Festredner. Nebenbei



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