weather-image
18°
Selbsterfahrung beim Besuch eines Herbstfestes mit Kugeln und Würstchen am Boule-Museum

"Da liegen ja ganze Welten dazwischen!"

Hohenrode (cok). Kein Wunder, dass die Leute neugierig geworden waren. Vor etwa einem Jahr hatte Uwe Kurt Stade aus Hohenrode direkt vor seinem Haus auf seinem Grundstück an der Dorfstraße eine Boulebahn gebaut und immer wieder versammelten sich dort gut gelaunte Menschen zum Spiel. Inzwischen hat er etwa zehn Jungs aus dem Dorf in seinen Bouleclub aufgenommen.

veröffentlicht am 07.10.2006 um 00:00 Uhr

"Boule-Regisseur" Uwe Kurt Stade gibt Tipps.

"Je jünger sie anfangen, desto besser", sagt der leidenschaftliche Boulespieler und Stadtmeister. "Die ballern schrecklich gerne und setzen alles dran, die Kugeln mit einem Wurf möglichst weit auseinander zu sprengen." Das macht den Jugendlichen besonders Spaß und weckt zugleich den Ehrgeiz, möglichst treffgenau zu werden. Schließlich nützt es wenig, auch die Kugeln der eigenen Mannschaft aus dem Feld zu schießen, wo es doch darum geht, diese so nah wie möglich am "Schweinchen", dem vorher ausgeworfenen Zielkügelchen, zu platzieren. Wie gut einige von ihnen das bereits können, sah man kürzlich bei einem der kleinen Boulefeste, wie sie in regelmäßigen Abständen bei Uwe Kurt Stade stattfinden. Fünf Mannschaften mit je drei Spielern rückten an, alles Erwachsene bis auf Simon, Julian und Felix, ach, und natürlich den 16-jährigen Philipp, der wie immer in der Mannschaft der reformierten Kirche spielte, an seiner Seite Pastor Heiko Buitkamp. Philipp hat eine verwachsene Hand, eine Not, aus der er hier eine Tugend macht, indem er die Kugel niemals rollt, sondern mit zielgenauer Wucht von oben herab mitten in die Ansammlung der anderen wirft. In der ersten Runde müssen die Hohenroder Jungs gegen ihren Lehrmeister Uwe Kurt und sein Team antreten, und da ist die Ehrfurcht wohl zu groß. In einem viel zu zögerlichen Spiel holen sie gerade mal drei Punkte. Schon beim nächsten Gegner aber sieht das ganz anders aus. Drei junge Kämpfer stehen da plötzlich, die Sätze rufen wie: "Hau' sie weg!" oder: "Knall' da voll rein!" Pastor Buitkamp und sein Team werden haushoch geschlagen und eine Erwachsenenmannschaft aus dem Dorf muss dann sogar sechs Minuspunkte auf einen Schlag einstecken, weil ihre Kugeln alle wieder vom "Schweinchen" getrennt werden. "Da liegen ja Welten dazwischen!", ruft Uwe Kurt Stade aus und öffnet an seinem Schiedsrichterplatz fröhlich eine Flasche Rotwein. Auch Redakteur Ulrich Reineking und sein Musikerfreund Volker Buck führen sich gemütlich das eine oder andere Bierchen zu Gemüte, schmausen Bratwürste vom Grill und beweisen danach, dass solche Zielmedizin beim Boulespielen gut kommen kann: Fast nach Frauenart spielen sie mit viel Gefühl, und wenn sie dann auch, wie alle anderen, gegen die Chefmannschaft verlieren, so holten sie dabei doch die meisten Punkte. Das Lustigste am Boulespielen ist jaüberhaupt die Plänkelei. "Du hast wohl Angst vorm Gewinnen, was?" - "Hier kommt der Gnadenstoß!" oder "Junge, wenn Boule so einfach wäre, dann hieße es Fußball!", solche Sprüche muss man sich schon gefallen lassen. Und auch Enttäuschungen sollte man ertragen können, dann, wenn das Zentimetermaß zeigt, dass eine Kugel doch Millimeter hinter einer anderen zurückliegt. "Mir macht es gerade Spaß mit den Anfängern", meint Uwe Kurt Stade, der alle, auch die sich hinziehenden Spiele, mit echter Aufmerksamkeit verfolgt. Seine Jungs übten die Zielgenauigkeit, indem sie zunächst ins Innere eines Motorrollerreifens treffen mussten, dann in die Mitte eines Lenkradbezuges und schließlich in die kleine Rundung eines Hunderinges. In seinem kleinen Boulemuseum steht ein schon Pokal bereit, für die Sieger des kommenden Jugendturniers. Mit dem Meister zusammen trainieren darf jeder, der Lust dazu hat.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare