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Professor Becker unterrichtet Kammermusiker / Völlige Abwesenheit von direkter Kritik

"Da kannst du ruhig ordentlich Stoff geben"

Bückeburg (bus). 55 aus aller Welt angereiste junge Musiker erhalten derzeit auf Schloss Bückeburg Einblicke in die Finessen musikalischer Interpretationskunst. Die nunmehr 29. Arbeitsphase der Internationalen Musikakademie für Solisten (IMAS) richtet sich 2007 freilich nicht ausschließlich an Einzelspieler. Außer Karl-Heinz Kämmerling (Klavier), Wolfgang Boettcher (Violoncello) und Stefan Dohr (Horn) unterrichtet in diesem Jahr Markus Becker, der für den Bereich Kammermusik engagiert wurde. Becker, wie seine Kollegen Professor, erlaubte der Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung (LZ) einen Einblick in die alltägliche Probenarbeit.

veröffentlicht am 18.09.2007 um 00:00 Uhr

Markus Becker (stehend) unterrichtet Krzysztof Polonek (von link

Mit dem 44-Jährigen schließt sich einer der vielen IMAS-Kreise. Der international - Auftritte in New York, Paris, London und Sao Paolo - gefragte und vielfach ausgezeichnete - Brahmspreis, Wettbewerbe in Athen, Köln, Oslo und Berlin, "Echo"-Klassik-Preise - Pianist war Student bei Kämmerling und vor 17 Jahren selbst Teilnehmer der Akademie. Dass ihm die ehemalige Residenzstadt auch über das rein musikalische Geschehen hinaus bekannt ist, liegt in der nahen Verwandtschaft begründet: Die Mutter kam in Rinteln zur Welt, eine Oma war in Eisbergen zuhause. "In Bückeburg bin ich gegenüber meinen Schülern mitunter fast so etwas wie ein Kollege", gibt der seit 1993 an der Musikhochschule Hannover tätige Ausnahmekönner zu verstehen. Was besonders hinsichtlich des Trios "Berolina" Gültigkeit besitze - die Triomitglieder Eriko Makimura, sowie Katarzyna und Krzysztof Polonek waren Beckers Partner während der LZ-Stippvisite. Die drei Nachwuchsinstrumentalisten haben, gleichwohl sie in Hannover als Studenten eingeschrieben sind, Preise vieler Wettbewerbe gewonnen. Noch im August diese Jahres ließen sie im Krakau in einer Kammermusikkonkurrenz sämtliche Mitbewerber hinter sich. Im Schloss ist von all den Reputationen rein gar nichts zu bemerken. Es geht um ein von Max Reger geschriebenes Klaviertrio (Becker hat als erster Pianist das gesamte Klavierwerk Regers eingespielt; für die zwölf CDs umfassende Reihe gab's beste Kritiken und den Deutschen Schallplattenpreis). "Regers Kammermusik ist alle Richtungen extrem", erläutert der Experte. Wovon die Proben ein beredtes Beispiel geben. "Da kannst du ruhig ordentlich Stoff geben", spornt der Kenner die Pianistin Makimura an. Anderseits gelte es, meint er mit Blickrichtung auf die Cellistin Katarzyna Polonek, "in der Vorbereitung des Auftaktes nicht hektisch" zu werden. Ehemann Krzysztof profitiert von dem Hinweis, dass sich an einer bestimmten Stelle "die Geige in den sterbenden Klavierakkord mit reinhängt". Dass ein Ton, der "nicht Fisch noch Fleisch" ist, mehr Substanz haben muss, versteht sich von selbst. Und auch wenn das Trio einen Halbton mit letzter Kraft erreicht, erschließt sich dem Laien - falls er mit der Nase, respektive dem Ohr darauf gestoßen wird - rasch und ohne Zweifel. Die vorgebliche Suche nach dem "gemeinsamen dreifachen Piano" und die "dynamische Schnittstelle, an der der Geist aus dem Cello herauskommt" bleiben ihm allerdings verborgen. Auffallend an Beckers Unterricht ist die völlige Abwesenheit von direkter Kritik. Seine Zufriedenheit ist eher an den Abstufungen der Belobigungen festzumachen. Wobei in einem leisen "Okay" gelegentlich die unmittelbare Nachbarschaft eines Anpfiffs anzuklingen scheint.



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