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Warum der Bock nicht aus dem Fass will und Rösler CSU-Chef Stoiber für keinen guten Deutschlehrer hält

"Da haben welche in Stadthagen dran gedreht!"

Rinteln (ur). Weitüber zweihundert Mannsbilder aus Rinteln und Umgebung trafen sich im Brückentorsaal, um zum neunten Mal gemeinsam die Herausforderung des Schaumburger Bocks anzunehmen - und damit die Herrenrunde auch schon vor dem offiziellen Anstich in Schwung kam, schmetterten der "Alpenjoe" und seine nicht nur lustigen, sondern auch brillant aufspielenden Instrumentalsolisten schon, was das Zeug hielt - und wenn sich dabei die Dirndl-Frauen des Service-Team und die charmante Sängerin und Trompeterin der Alpentruppe schon stimmungsvoll in den Hüften wiegten, mochte mancher Festgast schon bedauern, dassdie Mädels sich an diesem Herrenabend traditionsgemäß so rar machten.

veröffentlicht am 30.10.2006 um 00:00 Uhr

FDP-Landeschef Philipp Rösler mit seinem für Spötteleien auf Pol

Vertreter von Volksbank und Sparkasse, aus Kommunalpolitik, Vereinsleben, Feuerwehr und den Betrieben warteten dann mit wachsender Spannung auf den Moment, da Ortsbürgermeister Ulrich Goebel den Hammer schwingen würde: Bei bayerischen Stadtoberhäuptern gilt in solchen Fällen die Drei als Garantie für den nächsten Wahlerfolg und bei mehr als zwölf Schlägen die Verbannung als beschlossene Sache. Zum Glück ist man in Schaumburg fern von solcher Pingeligkeit und nahm es mit wachsender Fröhlichkeit hin, dass der Bock erst dann den pochenden Weckversuchen von Goebel folgen wollte, als Getränkeprofi Dieter Bettin ihm nach dem 23. oder 24. Schlag hilfreich die Stange hielt. "Da haben irgendwelche in Stadthagen dran gedreht, um ihre eigenen Bürgermeister als Dynamiker erscheinen zu lassen", wurde Goebel schließlich getröstet - und war anschließend auch wieder mit heiterer Würde und zunehmender Ausgelassenheit beim Feiern dabei - zumal Ehefrau Ulla und Tochter Alexandra im adretten Trachtengewand stets aufmerksam (nicht nur) um sein leibliches Wohl besorgt waren. Nachdem in den Vorjahren schon rhetorische Schwergewichte wie David McAllister und vor allem Karl-Heinz Funke für glanzvolle Bockbierreden gesorgt hatten, durfte man in diesem Jahr auf den FDP-Landeschef Philipp Rösler gespannt sein, der in Begleitung seines Rintelner liberalen Statthalters Paul-E. Mense erschienen war. Franz-Josef Stöckl kündigte als Sprecher des Bockbierkomitees den aus Schaumburg stammenden Jungstar der Liberalen an, der gleich zu Anfang auf Grund seiner vietnamesischen Abstammung warnend darauf verwies, dass bei Asiaten gemeinhin im Genpool ein Enzym fehlt, das für die Aufspaltung von Alkohol zuständig ist. "Zum Glück gibt es zum Bockbier nicht auch noch Grünkohl mit Pinkel, denn wenn ich dabei auf den Teller schaue, weiß ich immer nicht: "Musst du das noch essen oder hast du das schon hinter dir?" Auf seinem Weg durch das Studium zum Augenarzt habe er die Klippen der 68-er Kuschelpädagogik erfolgreich umschifft und sich auch dem Lockruf von Parteifreund Guido Westerwelle als Generalsekretär nach Berlin entzogen: "Ich habe ihm gesagt: Den Job habe ich schon in Niedersachsen gemacht - in Berlin würde mich da nur die Stelle des Bundesvorsitzenden reizen - danach hat er da nicht weiter nachgebohrt!" Mit immer charmant bleibenden Anzüglichkeiten bedachte Rösler Angela Merkel ebenso wie Schröder, Müntefering& Co - bei seinen Spötteleien über CSU-Chef Stoiber aber lief er zur Hochform auf: "In meiner Generation kann man das einfach nicht akzeptieren, dass jemand seine Ehefrau Muschi nennt und dazu auch noch fordert: Wir müssen die Jugend besseres Deutsch lernen!" Angesichts der konjunkturellen Schwierigkeiten der Autoindustrie regte er für das VW-Marketing an, künftig Pkw-Kunden eine Brasilianerin kostenlos dazu zu geben: "Natürlich nicht beim Golf, aber ab Phaeton" - das sei auch eine Reverenz an den Herrn Hartz als Erfinder von Hartz IV. In den prasselnden Beifall für die Rede mischten sich gar Rufe nach Zugabe, so dass sich Stöckl der Unterstützung der Rintelner Männerwelt sicher sein konnte, als er dem Gast aus Hannover anschließend den schwermetallischen "Rintelner Bock" überreichte. Schon nach den ersten ernsthaften Schlucken des dunklen Gebräus kannte die Stimmung im Saal keine Grenzen mehr: "Alpenjoe" brachte die Herren nicht nur zum Mitsingen - einige wagten sich gar zum Engtanz auf die Tanzfläche: Ob da die frechen Frotzeleien zum FDP-Bundesvorsitzenden bereits ihre liberalisierende Wirkung zeigten? Erst nach Mitternacht verließen die wilden Böcke das Partygelände - und im Komitee darf man schon mal darüber nachdenken, wie man diesen Abend im kommenden Jahr noch toppen kann - wenn es bereits zum zehnten Male heißt: "Oans, zwoa, gsuffa!"

Das Fass leistet Widerstand, Ortsbürgermeister Ulrich Goebel erh
  • Das Fass leistet Widerstand, Ortsbürgermeister Ulrich Goebel erhält Hilfe. Erst nach dem 24. Schlag heißt es "Ozapft is!" Fotos: tol

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