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50 Jahre Wirtschaftsjunioren in Hameln – drei Mitglieder berichten über ihre Erfahrungen

„Da haben sich Freundschaften entwickelt“

Hameln. Hamelns Wirtschaftsjunioren feiern in diesem Jahr den 50. Jahrestag ihrer Gründung. Rund 35 Führungskräfte und Unternehmer aus allen Bereichen der Wirtschaft sind in dem Verein organisiert – keiner von ihnen ist älter als 40 Jahre. Hinzu kommen rund 80 Fördermitglieder (älter als 40 Jahre), die den Junioren unterstützend und beratend zur Seite stehen. Durch gemeinsamen Einsatz wollen die Wirtschaftsjunioren nach eigenen Angaben die Akzeptanz für unternehmerisches Handeln erhöhen und dazu beitragen, den Wirtschaftsstandort Weserbergland zu sichern und zu verbessern. Wir stellen heute drei Mitglieder vor: den Hamelner Marketingfachmann Friedrich-Wilhelm Tacke von Tacke-Marketing, den Hamelner Unternehmer Kai Renner vom gleichnamigen Unternehmen und den Hamelner Fachanwalt für Verkehrs-, Bank- und Kapitalmarktrecht, Karsten Pflugmacher.

veröffentlicht am 16.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Ein echter Senkrechtstarter – das ist der 30-jährige Friedrich-Wilhelm Tacke, der es schon als 22-Jähriger bei dem Unternehmen Dr. Paul Lohmann GmbH KG in Emmerthal zum Regionalleiter Nord-Amerika brachte. Bevor er mit seinem Bruder Falk Tacke gemeinsame Wege ging, war er unter anderem für das Lohmann-Unternehmen in Nordamerika verantwortlich, sorgte für Marktanalysen und Verkaufsschulung, kümmerte sich von New York aus um Vertrieb und Marketing und begleitete schließlich in den USA die Gründung der Dr. Paul Lohmann INC. Seinen Wohnsitz hatte er damals auf Long Island. Als verantwortlicher Area Manager North America hatte er nach neuen Möglichkeiten am US-Markt zu suchen, die Firma und deren Produkte zu positionieren. Und wurde Area Sales Manager und mit seinem Umzug in die USA schließlich Businessmanager des US-Ablegers der Emmerthaler Firma.

22 Jahre war Tacke in Bodenwerder zu Hause, machte 1998 seinen Abschluss als Industriekaufmann, später in der Abendschule zum Fremdsprachenkorrespondenten. Innerhalb von 18 Monaten machte er nach der Trennung von Lohmann in Hannover im Abendstudium seinen Fachkaufmann für Marketing (IHK) und stieg in die Marketing-Firma seines Bruders Falk ein. Dass die Tacke-Marketing 2008 von Bad Münder nach Hameln gezogen sei, erweise sich vor allem für Geschäfte mit dem Ausland als Vorteil. Tacke: „Dort kennt man Hameln besser als Hannover, denn Hameln ist eben die Stadt des Rattenfängers.“

An den Wirtschaftsjunioren, deren Mitglied er seit etwa einem Jahr ist, reizte ihn weniger das Netzwerk als die Chance, neue Freundschaften zu schließen. „Die ticken alle auf der gleichen Wellenlänge. Die haben einen besonderen ,Spirit‘.“ Für die Wirtschaftsjunioren Hameln hielt er auch schon einen Vortrag für den Existenzgründerstammtisch, sorgt als Webmaster für den Internet-Auftritt und arbeitet im Jubiläumsjahr im Arbeitskreis „Ablauf und Party“.

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Die Laufbahn von Kai Renner schien eigentlich schon entschieden – er sollte Geschäftsführer eines Saturn-Elektromarktes in Süddeutschland werden. Doch Kai Renner überlegte es sich anders. Da gab es ja schließlich noch die alteingesessene, traditionsreiche Papeterie am Pferdemarkt in Hameln. Und der damals 34-Jährige dachte noch einmal über die Zukunft nach. Und plötzlich waren Hameln und das Papierwarengeschäft doch eine Alternative. Kai Renner nahm Abschied von Saturn, versprach sich mehr Freiräume im elterlichen Geschäft, die er bei Saturn aufgrund der extrem hohen Arbeitsbelastung nicht hatte, und kümmert sich seit 2005 um das „Streckengeschäft“ des Hamelner Unternehmens. „In Hameln sah ich die Chance, etwas Neues zu machen und nicht mehr nur das Geschäft mit dem stationären Einzelhandel.“ Was in der Rattenfängerstadt kaum jemand weiß, der am Pferdemarkt Schulsachen, Glückwunschkarten oder Büromaterial einkauft: Renner macht auch Umsatz mit Büromöbeln, eben dem Streckengeschäft. Ein drittes Standbein ist die Belieferung von Firmen mit Bürobedarf – das wird von einem gemeinsam mit anderen Händlern betriebenen Großlager von Northeim aus betrieben. Dort ist Renner Mitgesellschafter bei einem Unternehmen für Bürologistik, das sich seit 15 Jahren zentral um Einkauf, Lagerhaltung und Marketing kümmert. Beim Einkauf der Büromöbel stützt sich das Unternehmen auf einen bundesweiten Beschaffungsverbund. „Damit gehören wir zu den größten Beschaffern von Bürobedarf in Deutschland.“

Angesprochen auf eine Mitgliedschaft bei den Wirtschaftsjunioren, zeigte sich der mittlerweile 39-Jährige zunächst skeptisch. Aber: „So lernt man Leute kennen – vor allem, wenn man länger nicht in Hameln gelebt hat.“ Überzeugt hat den Unternehmer vor allem das soziale Engagement der Wirtschaftsjunioren. Zwei Jahre hat er die Ausbildungsmesse IMA der WJ mitorganisiert, die zuletzt in der Eugen-Reintjes-Schule stattfand, und aktiv an den Arbeitskreisen der Wirtschaftsjunioren mitgewirkt.

Dunkelblauer Anzug, weißes Hemd und Krawatte – der 41-jährige Karsten Pflugmacher entspricht komplett der Vorstellung, die sich der Ratsuchende von einem Rechtsanwalt macht. Was aber macht ein Anwalt als Mitglied der Wirtschaftsjunioren? Die Antwort ist einfach: „Auch eine Anwaltskanzlei ist ein Unternehmen, ein Rechtsanwalt also ein Unternehmer“, antwortet Pflugmacher, der wegen der Altersgrenze von 40 Jahren jetzt nur noch Fördermitglied bei dem Verband junger Unternehmer und leitender Angestellter in Hameln ist. Als er im Sommer 2003 bei den Wirtschaftsjunioren Mitglied werden wollte, „reizte mich der Gedanke, mich in ein Netzwerk einklinken zu können“, berichtet er. Auch wenn der Begriff Netzwerk wohl bedeute, dass man davon profitieren könne und wolle, „so hat ein Unternehmer doch besondere Verantwortung für die Gesellschaft“, betont Pflugmacher. „Und die Wirtschaftsjunioren zeigen mit ihren sozialen Aktivitäten, dass sie Verantwortung übernehmen wollen.“ Bei den Wirtschaftsjunioren war Pflugmacher lange Zeit im Arbeitskreis „Aktuelles“, kümmerte sich um die Planung und Durchführung von Themen, wie zum Beispiel um den Bau eines Gartenhauses für einen Kindergarten in Klein Berkel. Erst sei das nötige Geld gesammelt worden, „dann haben wir selbst Hand angelegt, das Fundament errichtet und das Haus darauf gebaut“. „Meine Erwartungen an die Wirtschaftsjunioren wurden mehr als bestätigt“, berichtet Pflugmacher. „Das war nicht nur ein berufliches Netzwerk, da haben sich echte Freundschaften entwickelt.“



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