weather-image
Die tanzende Ratte im Spiegel der Meinungen von kunstsinnigen Hamelnern

Cool und pfiffig – oder zu konstruiert?

Hameln(kar). Behutsam dreht sich die Figur im Wind, spiegelt die Sonne, den Himmel, das Wasser, zeigt immer wieder neue Facetten ihres Wesens: „Rattus mobilis“, die tanzende Weserratte von Elena Glazunova, behauptet ihren Platz auf der Insel an der Schleuse. „Die Künstlerin entzieht sich der Versuchung, die Sage, die wir alle kennen, zu bebildern“, sagt der renommierte Kunstpublizist Michael Stoeber aus Hannover und ist sicher: „Die Figur will uns auch zu einer neuen Lesart der bekannten Geschichte anregen.“

veröffentlicht am 08.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 19.11.2009 um 12:43 Uhr

Ratte

Autor:

Karin Rohr

Hameln(kar). Behutsam dreht sich die Figur im Wind, spiegelt die Sonne, den Himmel, das Wasser, zeigt immer wieder neue Facetten ihres Wesens: „Rattus mobilis“, die tanzende Weserratte von Elena Glazunova, behauptet ihren Platz auf der Insel an der Schleuse. „Die Künstlerin entzieht sich der Versuchung, die Sage, die wir alle kennen, zu bebildern“, sagt der renommierte Kunstpublizist Michael Stoeber aus Hannover und ist sicher: „Die Figur will uns auch zu einer neuen Lesart der bekannten Geschichte anregen.“ Sie sei Ratte und Mensch zugleich, weit entfernt von jeder „Kinderlustigkeit“, ästhetisch in ihrer Fragmentierung, ein „Wahrzeichen“ für Hameln, so der Kunstkritiker. Was aber sagen Hamelner Künstler, Kulturschaffende und Kunstmäzene zu der Skulptur?

Ein großes Lob für das bürgerschaftliche Engagement stellt Kunstmäzen Klaus Arnold den Initiatoren des Kunstwerks, Dr. Franz-Josef Vonnahme und Irina Teichert, aus. Allen Widerständen zum Trotz hätten sie in einem langen, schweren Weg ihr Vorhaben zum Erfolg geführt. Arnold: „Die Skulptur trägt zur Belebung der Weser bei, steht an einem markanten Punkt, ist modern und zukunftsweisend.“ „Ich finde sie schön“, sagt auch Ute Fehn von Landschaftsschutzverband: „Sie ist so filigran und wirkt so leicht. Ich schaue jedesmal hin, wenn ich über die Brücke fahre.“ „Ein richtiges Monument, einmalig und sehr, sehr schön“, lobt Goldschmiedin Ilse Ebert die Figur: „Ein Gewinn für Hameln.“ Allerdings stehe die Figur an ihrem Standort zu weit weg und zu tief: „Man müsste ein bisschen zu ihr aufschauen können, damit sie sich vor dem Himmel abhebt.“ „Schade, dass sie nicht im Wasser steht“, meint Dirk Wuschko von der Sumpfblume. Der Abstraktionsgrad der Figur hätte für seinen Geschmack noch größer sein können. „Ich bin unbedingt für etwas Modernes und froh, wenn in dieser Hinsicht in Hameln überhaupt etwas passiert.“ Sein Traum: „Ein Skulpturenpark an der Weser.“ „Cool“ findet Jörg Düsterwald das Kunstwerk und lobt die Schlichtheit des Materials, die Beweglichkeit der Figur und ihre sich ständig ändernde Optik. „Toll, dass durch Privatinitiative so etwas in Hameln möglich wurde und das Street-Art-Festival so ein schönes Ende gefunden hat“, sagt der Experte für Körperskulpturen und findet den Standort „gut.“

Als „zu konstruiert“ bewertet Charlotte Flemes, Ehrenvorsitzende des Kunstkreises, die tanzende Weserratte und meint, sie wirke „etwas mühsam zusammengesucht.“ Eine Skulptur müsse man umrunden können. Das gehe aber an dem Standort nicht. „Und haben wir nicht schon genug Ratten?“, fragt Flemes.

Stadtmanager Stefan Schlichte freut sich über die Skulptur: „Das Design ist schön, der Standort passend.“ „Pfiffig“, findet Traute Römisch, Schauspielerin und Sängerin, die Skulptur, „weil hier mit dem Thema Sage ein bisschen freier umgegangen wurde.“ arche-Vorsitzende Annemarie Hodges möchte sich zu „Rattus mobilis“ nicht äußern: „Das ist eine komplexe Angelegenheit“.

„Rattus mobilis“, die tanzende Weserratte von Elena Glazunova, bewegt die Gemüter und reizt auch Hamelner Künstler, Kulturschaffende und Kunstmäzene zur Auseinandersetzung mit dem Werk. Die Skulptur, die auf die Privatinitiative von Dr. Franz-Josef Vonnahme und Irina Teichert zurückgeht und mithilfe von Sponsorengeldern finanziert wurde, steht auf der Insel an der Schleuse. Sie ist 9,60 Meter hoch. Foto: Wal

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare