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Folk im Kloster diesmal mit neuen Bands / Boygroup erfreut mit frecher Show

"Cobblestones" bringen Rocker, Punker und Normalos zum Tanzen

Möllenbeck. Zum elften Mal gab es jetzt "Irish Folk" im Klosterhof und noch darf man diesem Festival "Umsonst& draußen" bescheinigen, dass es frei geblieben ist von Konventionen und bislang jede Folge ihre ganz und gar eigene Note hatte - inklusive der des "Jahrgangs 2008".

veröffentlicht am 23.06.2008 um 00:00 Uhr

"Sláinte!" heißt Prost auf Gälisch - und die Cobblestones aus Be

Autor:

Ulrich Reineking

Geprägt wurde der Abend zunächst durch die aus Dresden stammenden "Barley Brothers", eine junge Formation, die mit ihrem Altersdurchschnitt "Wir um 18" fast als die jugendliche Boygroup der Folkszene gesehen werden kann. Ihre entsprechend geringere Erfahrung machten sie aber in jedem Fall durch entsprechenden Enthusiasmus wett, den sie selber liebevoll-ironisch als "Chaos Folk" bezeichneten. Durch die freche Souveränität ihres Auftritts machten sie deutlich, dass es sich durchaus lohnt, auch bei Großveranstaltungen mal auf den Nachwuchs zu setzen, der noch um die Aufmerksamkeit des Publikums kämpfen muss: Als "Einheizer " brachten sie jedenfalls die Fete im Klosterhof schon mal gut in Schwung! Als dann die Cobblestones als Top-Act die Bühne betraten, war das Publikum schon gut vorgewärmt und es hätte der ständig wiederholten ritualisierten Appelle "Sláinte!" zum Zuprosten auf Gälisch gar nicht mehr bedurft, zumal es für die rund 2000 Zuschauer ohnehin schwer genug war, sich an die wenigen "Zapfstellen" im Innenraum vorzukämpfen. Cobblestones - das steht für "Pflastersteine", aber auch für Stümper - und das waren die vier Berliner um Frontmann Martin Lendt nun wirklich nicht: Sie setzen in ihrer Show nahezu durchweg auf "Traditionals" und erzählten in ihren Songs nahezu im Wechsel Geschichten aus Irland und Schottland, dabei immer wieder auf routinierten vierstimmigen Satzgesang setzend. Mitunter vielleicht einen Hauch zu routiniert und so mochte man ihnen die kneipenselige Ausgelassenheit in einigen Phasen ihres Auftritts allenfalls als Attitüde abkaufen. Womit das Meckern schon vorbei sein soll, denn ungeachtet dieser Vorbehalte: Es war schon toll, wie die Cobblestones ihr Publikum zum Tanzen brachten - nicht nur die wenigen selbstverständlich auch vorhandenen rothaarigen Folkgirls in der entsprechenden Kostümierung kurzer Röcke oder samtiger Oberteile, sondern auch "ganz normale" Möllenbecker, Rintelner und Lipper. Allerdings warteten diese Gäste auch nur darauf, so richtig fetenmäßig loszulegen, wie man schon bei der visuellen Musterung feststellen konnte: richtig spannend, was man da so an aktuellem Chic unterschiedlicher Jugendkulturen entdecken konnte! Punks mit wild gefärbten Haaren hatten sich zur Feier des Tages in Kilts geworfen oder waren in schottisch-karierte Röhrenhosen gestiegen. Düstere Gothic-Typen gefielen sich in Schwarz und Leder, skurrile Rocker im geschnürten Leder fanden sich neben werdenden und bereits gewordenen Müttern in Batikhemden ein -ganz zu schweigen von den smarten St.-Pauli-Unterstützerinnen, die in Netzstrümpfen und mit viel nackter Haut zu überzeugen wussten. Dazu natürlich mutmaßliche Pädagogen im ländlich-edlen Tweed mit Kappe oder der obligatorischen Wachsjacke und all die anderen, die in Loden, Fischerhemd oder auch herkömmlicher C&A- Kostümierung ihr sentimental-vergnügtes Ego demonstrierten. Bei den "Hills of Connemara" stand dann alles Kopf, die Post ging ab mit "Lizzy Lindsay" und nicht nur eine verstohlene Träne bildete sich bei Klassikern wie "Molly Malone" oder dem "Ferryman". Ein echter Höhepunkt dann der muntere Song von der fröhlichen Totenfeier für Mr. Tim Finnegan und wer beim kämpferischen "Ye jacobites by name" nicht mitging, dem war wohl überhaupt nicht mehr zu helfen. In den Schlussbeifall hinein im tiefnächtlich-mystischen Ambiente des Klosterhofs der allgemeine Wunsch "Auf Wiedersehen und -hören im nächsten Jahr" - und so wird es dann wohl auch kommen! Bereits vor Beginn der Veranstaltung hatte Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz im Beisein von Sponsoren, Kommunalpolitikern und Kulturmachern im Speisesaal des Klosters seitens der Stadt erklärt, dass man dort bereits für das Jahr 2009 auf ein Neues plant - verbunden mit dem Dank an das Organisationsteam der Stadt und die Helfer von DRK, Feuerwehr und dem SC Schwalbe Möllenbeck, die von der An- und Abfahrt über die Betreuung der Veranstaltung bis zum Parken alles fest im Griff hatten. Positiv hob Buchholz ferner hervor, dass die im vorigen Jahr noch im vollen Gang gewesene Sanierung des Ostflügels mit EU-Mitteln inzwischen abgeschlossen ist und die wohl schönste spätmittelalterliche Klosteranlage in Deutschland damit auch den erhofften künftigen Pilger-Tourismus beleben wird. Bildergalerie: Mehr Fotos im Internet unter www. schaumburger-zeitung.de



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