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Spannender Vortrag des EKD-Fachmanns Paul Oppenheimüber die Lage der Christen im größten Land der Erde

"Chinas evangelische Kirche ist die größte der Welt"

Bad Eilsen (möh). "Wie christlich ist China?" Diese Frage versuchte Oberkirchenrat Paul Oppenheim mit der Gegenfrage "Wie christlich" ist Deutschland?" zu beantworten. Er erklärte im evangelischen Gemeindehaus in Bad Eilsen, Deutschland sei christlich geprägt, China aber nicht. Dafür gebe es in Deutschland 27 Millionen Christen und es gingen davon eine Million regelmäßig zur Kirche, in China dagegen gebe es in der so genannten Drei-Selbst-Kirche 16 Millionen Christen, die alle Kirchgänger seien. So würden in Peking neue Kirchen mit bis zu 300 Sitzplätzen gebaut. Stolz seien die Christen auf die Olympischen Spiele in Peking. In dieser Zeit würden Gottesdienste angeboten und in allen Hotelzimmern seien Bibeln vorhanden. Die evangelische Kirche in China sei schließlich zahlenmäßig die größte der Welt.

veröffentlicht am 19.02.2008 um 00:00 Uhr

Oberkirchenrat Paul Oppenheim während des Vortrages im Gemeindeh

Stolz zeigte sich Bad Eilsens Pastor Reiner Rinne, mit Oberkirchenrat Paul Oppenheim einen ausgewiesenen Kenner der Kirchenszene im "Fernen Osten" im Gemeindehaus präsentieren zu können. Interesse war mehr als vorhanden, denn, trotz attraktiven Fernsehprogramms, waren etwa 30 Zuhörer ins Gemeindehaus gekommen, um mehr über Christen in China zu erfahren. Paul Oppenheim berichtete von verschiedenen Anläufen und Versuchen, um den Chinesen den Glauben näher zu bringen. Als in der neueren Geschichte (1949) die Kommunisten unter Mao-Tse-Tung an die Regierung gekommen seien, habe sich die Drei-Selbst-Kirche gegründet, die sich selbst finanziere, selbst verwalte und auch selbst ausbreite. Diese staatstreue Kirche habe allerdings während der Kulturrevolution in den 1960er Jahren einen herben Rückschlag erhalten. Die Religion sei als Opium für das Volk verurteilt, Kirchen zerstört, Christen als Staatsfeinde bezeichnet und in Arbeitslager gesteckt worden. Aber wie durch ein Wunder, so der Oberkirchenrat, sei in dieser dunklen Zeit der Glaube immer weiter gegeben worden und plötzlich seien die Christen wieder da gewesen. 1980 habe man die ersten Gotteshäuser eröffnet. Oppenheim: "Aber die Kirche war nicht mehr die Kirche der Mission, sondern eine chinesische Kirche." Die Struktur derDrei-Selbst-Kirche existiere zwar wieder, aber die richtige Form der Kirche werde noch gesucht. Bis zum heutigen Tag kritisiere die Kirche nicht Regierung und Partei und wolle sogar gemeinsam mit ihnen eine neue chinesische Gesellschaft aufbauen. Die evangelische Kirche in China verfüge derzeit über 16 Millionen Mitglieder mit stark steigender Tendenz. Für die Chinesen seien vor allem die Werte der Kirche, Ehe, Familie und Respekt vor den Eltern attraktiv. Zudem gehörten die christlichen Länder zu den reichsten der Welt, so dass die Chinesen Glauben mit Wohlstand verbinden. Ferner habe Jesus Kranke geheilt, und auch heute kursierten in China Berichte, nach denen todkranke Kinder im Namen Jesu durch Beten geheilt worden seien. Oppenheim: "Gesundheit ist für die Chinesen immens wichtig." Allerdings werde unter dem Mantel "Schutz von Minderheiten" die Drei-Selbst-Kirche vom Staat kontrolliert, denn es seien Gottesdienste oder Versammlungen nur in registrierten Räumen möglich. Hintergrund: der Staat wolle unbedingt verhindern, dass "Unfug" entstehe und die Religion aus dem Ausland gesteuert werde. Wer sich nicht an die Registration halte, bekomme unangenehmen Besuch von der Polizei. Es gebe aber immer mehr Gläubige, die an allen Orten beten wollten. Diese Hauskirchen-Bewegung verfüge nach unbestätigten Berichten über 130 Millionen Mitglieder. Oppenheim: "Diese Zahl ist sicherlich übertrieben, aber es möchten dennoch 30 bis 40 Millionen Menschen sein." Utopie sei es auch, dass ganz China irgendwann christlich geprägt sei. Der Oberkirchenrat: "Tatsache ist, dass die evangelische Kirche in China zahlenmäßig die größte der Welt ist". Auch die katholische Kirche, so der Referent, sei in China vorhanden, wachse aber langsam. Insgesamt schätze er, dass in China 100 Millionen der 1,3 Milliarden Menschen Anhänger von Religionen seien. Christen würden auf keinen Fall unterdrückt oder verfolgt. Oppenheim: "Jedoch dürfen Christen offiziell nicht Mitglied der kommunistischen Partei sein. Aber auch dieses Verbot wird immer wieder unterlaufen". Oberkirchenrat Paul Oppenheim ist theologischer Referent im Kirchenamt der EKD mit Verantwortung für den Bereich "Ferner Osten". Er hat China mehrfach bereist und gute Kontakte zu den dortigen christlichen Kirchen aufgebaut. Außerdem war er einige Jahre Auslandspfarrer in Singapur. Er gehört in Deutschland zu den besten Kennern der Situation der chinesischen Christen.



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