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Bauamt der Stadt Rinteln besichtigt die Lage / Schnelle Hilfe zugesagt

Chaos im Keller: Schlammlawinen in Exten und Todenmann nicht zu stoppen

Rinteln (wm/clb). Die beiden Gewittergüsse kurz hintereinander am Pfingstsonntagnachmittag haben in vielen Häusern in Rinteln und auf den Dörfern die Keller voll laufen lassen. Hier exemplarische Fälle in Exten und Todenmann:

veröffentlicht am 30.05.2007 um 00:00 Uhr

Bis unter die Steckdose stand der Schlamm im Keller der Familie

Es war der Acker oberhalb der Fasanenstraße in Exten, der am vergangenen Pfingstsonntagnachmittag die Schlammlawine ausgelöst hat, die die Keller der Häuser der Familien Koch und Tirschler überflutet hat. Ingrid Koch konnte es gestern noch nicht fassen: "Das Wasser drückte durch die geschlossenen Kellerfenster". Im Souterrain wohnen ihre beiden Söhne Daniel und Jörg. Die haben gerade mal ihre Computer retten können, aber nicht mehr die Möbel aus ihren Zimmern. Ingrid Koch: "Wir haben eigene Pumpen, aber die haben das nicht geschafft, der Schlamm stand bald überall knietief." Hartmut Koch, selber bei der Feuerwehr, rief seine Kameraden zu Hilfe, die eine Schlauchleitung entlang der Straße legten, um die Fluten aus dem Keller zu schaffen. Bei der Familie Tirschler wurde gerade gefeiert, als sich die Schlammmassen vom Feldüber den Garten zum Keller wälzten: "Alle Gäste haben pausenlos geschippt, wir hatten noch Glück im Unglück," erzählte gestern Tanja Tirschler. Doch auch der gemeinsame Arbeitseinsatz verhinderte nicht, dass am Ende der Schlamm gut einen halben Meter hoch im Keller stand - knapp unterhalb derSteckdosen. Die will Hans-Joachim Tirschler als erstes zur Sicherheit höher legen lassen. Glücksfall Nummer zwei: Die Tirschlers heizen mit einer Gastherme, haben keine Ölheizung im Keller, die hätte absaufen können. In beiden Häusern ist der Schaden enorm. Möbel und elektrische Geräte sindzerstört, bei den Kochs auch Hausrat wie Kleidung der Söhne unbrauchbar geworden, die Wände nass und völlig verdreckt. Jetzt hoffen beide Familien nur, dass diese Schäden über Versicherungen gedeckt sind. Die Empörung ist groß, denn beide Häuser liegen in einem neu erschlossenen Wohngebiet, und für beide Familien ist klar: Da ist bei der Bauleitplanung gepfuscht worden. Denn gegenüber dem großen Acker am Hang gibt es vor den Grundstücken an einer Hecke nur eine Rigole, einen Graben, in dem Regenwasser versickern soll, der aber nicht einmal tief genug ist, um einen ganz normalen Gewitterguss abzufangen. Tiefbauamtsleiter Helmut Leppin und Mitarbeiter Uwe Quindt haben sich gestern Morgen vor Ortüber die Lage informiert. Was sofort auffällt: Die Furchen auf dem Acker in Hanglage, von dem die Schlammflut herunter kam, sind so angelegt, dass Längsrinnen das Wasser zwangsweise zu den Grundstücken am Fasanenweg leiten. Außerdem ist viel zu nahe an die Straße heran gepflügt worden. Leppin sah gestern zu aller erst den Landwirt in der Pflicht, die Anwohner die Situation aber ganz anders: Die Stadt müsse, weil zuständig für die Bauleitplanung, dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Eine ebenfalls betroffene Familie,über deren Garten der Schlamm gelaufen ist, will einen Rechtsanwalt zur Klärung dieser Frage einschalten. Tiefbauamtsleiter Helmut Leppin versprach zumindest schnelle Abhilfe: Man werde erst einmal einen provisorischen Graben entlang des Ackers ausheben lassen. Fassungslos waren auch gestern noch Frank und Sabine Remmert, Anwohner der Straße "Am Moorhof" in Todenmann, wie schnell die Wasser- und Schlammmassen von einem gegenüberliegenden Acker am Sonntag Nachmittag über die Straße gespült worden sind - direkt auf ihr Haus zu: "Wir konnten gar nicht so schnell Sandsäcke holen, wie das Wasser lief. "Gott sei Dank lagen da noch unsere Dachziegel, mit denen wir einen Damm gebaut haben!" Sofort zur Stelle war auch die Ortsfeuerwehr Todenmann, die half, einen Schutzwall aus Sandsäcken, Dachziegeln und Baumstämmen zu errichten. Schlimmer getroffen hat es da es Angela und Peter Remmert im Nachbarhaus - dort ist der gesamte Keller, der als Büro- und Wohnraum genutzt wird, mit Schlamm überflutet worden, der ein Chaos hinterließ: zerstörte Teppiche, Wasser in den Steckdosen, die Computeranlage hinüber und überall nasse Wände.

"Land unter" in Todenmann "Am Moorhof". Der Schutzwall aus Ziege
  • "Land unter" in Todenmann "Am Moorhof". Der Schutzwall aus Ziegeln verhindert das Schlimmste.
Die Feuerwehr baute bei der Familie Koch ein Zelt auf, um die Mö
  • Die Feuerwehr baute bei der Familie Koch ein Zelt auf, um die Möbel aus dem Keller unterzustellen.
Bei Frank und Sabine Remmert versank das Büro im Keller im Schla
  • Bei Frank und Sabine Remmert versank das Büro im Keller im Schlamm.


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