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Großteil der international tätigen Hamelner Firmengruppe ist zahlungsunfähig

Cemag meldet Insolvenz an – 400 Jobs sind in Gefahr

Hameln/Dessau (TT). Das ist ein wirtschaftlicher Paukenschlag: Der international tätige Anlagenbauer Cemag aus Hameln mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro hat Insolvenz angemeldet. Für acht verschiedene Firmen des Konzerns sind gestern Mittag beim Amtsgericht Hameln Insolvenzanträge eingereicht worden – davon betroffen sind 400 Mitarbeiter. Das bestätigte Geschäftsführer Ali Memari Fard gegenüber der Dewezet. Von der Insolvenz betroffen sind die Cemag Holding sowie sieben ihrer Tochterunternehmen. Von der Insolvenz nicht betroffen ist die MEM-Bau GmbH.

veröffentlicht am 17.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Fard erklärte, dass die betroffenen Unternehmen der Cemag-Gruppe nicht mehr liquide seien und deshalb Insolvenz angemeldet werden musste. Fard: „Wir haben etwas über 20 Millionen Euro an Zahlungseingängen von unseren Kunden nicht erhalten. Deshalb sind wir zahlungsunfähig.“ Man habe in den letzten Tagen mit den beteiligten Banken gesprochen – „doch die Banken wollten uns keine Zeit mehr geben.“ Die ausstehenden Millionenzahlungen von Kunden hängen nach Fards Darstellung mit der globalen Wirtschaftskrise sowie „einem problematischen internationalen Vertragsrecht“ zusammen. Für vier Projekte habe Cemag Maschinen gebaut und geliefert – doch die Kunden zahlten nur mit Verzögerungen. Das größte Projekt betreffe einen europäischen Kunden, rund fünf Millionen Euro ausstehender Zahlungen hingen mit der aktuellen politischen Lage im Iran zusammen.

„War ein Hoffnungsträger für die Region“

Die Nachricht von der Cemag-Insolvenz schlug in der Region ein wie eine Bombe. DGB-Regionssekretär Volker Eggers sprach von einer „bitteren Nachricht“, die deutlich zeige, dass die globale Wirtschaftskrise „an Hameln nicht spurlos vorbeizieht“. Der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Unternehmen im mittleren Wesergebiet, Dieter Mefus, sagte: „Für uns ist das unglaublich bedauerlich. Cemag war einer der Hoffnungsträger der Region.“ Der stellvertretende Leiter der Arbeitsagentur Hameln, Henrik Steen, bezeichnete die Entwicklung für den Arbeitsmarkt als „tragisch“. Und der Vorstandschef der Volksbank Hameln-Stadthagen, Heinz-Walter Wiedbrauck, meinte: „Diese Insolvenz ist für die Region ein Rückschlag.“

Die Cemag-Gruppe beschäftigt sich mit dem Bau von Großanlagen für die Zement-, Stein- und Erdenindustrie. In den letzten Jahren vermeldete die Unternehmensgruppe mehrfach weltweite Erfolge mit Großaufträgen. Fard hofft, gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter die Wende hinzubekommen: „Wir wollen so viel wie möglich retten.“Seite 9



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