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Wohnviertel bei Scheitern des "Neukauf"-Baus favorisiert / Gemeinde soll Kursaal und -theaterübernehmen

CDU: Abriss der Alt-Kliniken mit Geld aus Brüssel

Bad Eilsen (tw). Neue Planspiele um die Zukunft Bad Eilsens: Sollte sich das Vorhaben von Edeka, auf dem Areal der Schaumburg-Klink einen Neukauf zu errichten, nicht verwirklichen lassen, will die CDU-Fraktion EU-Mittel für den Abriss sowohl der Schaumburg-Klinik als auch der Weserbergland-Klinik I beantragen. Dort soll dann ein Wohnviertel entstehen. Außerdem möchte die Fraktion, dass die Gemeinde den Kursaal und das Kurtheater von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) übernimmt.

veröffentlicht am 09.05.2007 um 00:00 Uhr

Marode Ruine: Die CDU möchte für den Abriss der Schaumburg-Klini

Entsprechende Informationen der Landes-Zeitung bestätigt Bürgermeister Horst Rinne (CDU) auf Anfrage. "Konkret geht es uns darum, EU-Mittel aus dem ,Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung' (EFRE) zu erhalten", sagt Rinne. Für Niedersachsen stehen von 2007 bis 2013 rund 639 Millionen Euro bereit. Einer der drei Förderschwerpunkte sieht die "Unterstützung spezifischer Infrastrukturen für nachhaltiges Wachstum vor". Dieser Teil des EFRE-Topfes ist 263 Millionen Euro schwer und genau der, auf den die Bad Eilser CDU ein Auge geworfen haben. Denn er beinhaltet auch Geld für die "Erneuerung und Entwicklung städtischer Gebiete". Rinne: "Ich rechne damit, dass wir zwischen Ende Mai und Ende Juni 2007 Klarheit in Sachen eines Edeka-Engagements haben werden." Sollte aus dem Neukauf-Projekt nichts werden, will die CDU Geld in Brüssel beantragen, um damit gleich beide Leerstands-Kliniken platt zu machen. "Wir könnten die jeweils 6000 respektive 3500 Quadratmeter großen Flächen dazu nutzen, um auf ihnen so etwas wie ein Bad Eilser ,Kögelgelände' zu entwickeln", sagt der Bürgermeister. Ein Wohn- beziehungsweise Mischgebiet ähnlich wie in Bückeburg, auf dem bis zu 20 Einfamilienhäuser entstehen könnten. Charme der Sache für die CDU: Die Abrisskosten für die Kliniken und - etwaige - Erschließungskosten würden je zur Hälfte auf das Konto des Eigentümers und der EU gehen. Der Gemeinde entstünden keine Kosten. Konkrete Gespräche mit dem jeweiligen Eigentümer habe es "in diesem frühen Stadium" aber noch nicht gegeben. Kommt hinzu: Weil darüber hinaus auch der Ausbau der "kulturellen Infrastruktur" seitens der EU als förderwürdig und -fähig gilt, will die CDU auch hier die Hand aufhalten. "Wir möchten den Kursaal und das -theater von der DRV übernehmen - vielleicht auf ähnlichem Wege, wie uns das auch beim Kurpark gemeinsam gelungen ist", deutet der Bürgermeister an. Ihm gehe es darum, den Komplex nicht nur langfristig zu erhalten, sondern auch mit EU-Geldern zu sanieren. Zwar sei die Heizung neu, aber in die Technik und Wärmedämmung müsse dringend investiert werden; außerdem sei innen wie außen ein frischer Anstrich nötig, müsse aber auch das Parkett erneuert werden. Die Gesamtkosten beziffert Rinne auf etwa 500 000 Euro. Die eine Hälfte davon könnten EU-Mittel, die andere Mittel der Gemeinde sein. Der Bürgermeister zu den Quellen, aus denen Bad Eilsen die Maßnahme (gegen-)finanzieren soll: "Wir planen, das Gelände der früheren LVA-Gärtnerei als Bauland auszuweisen. Auf dem 7000 Quadratmeter großen Areal sollen fünf Einfamilien- und drei Mehrfamilienhäuser entstehen." Das Geld aus dem Verkauf könne in den Eigenanteil für das Sanieren von Kursaal und -theater eingebracht werden. "Außerdem", so Rinne, "haben wir eine üppige Rücklage." Und auch die Vermietung der fünf in dem Komplex vorhandenen Wohnungen würde natürlich Geld abwerfen. So oder so sei die Gegenfinanzierung kein Problem. Dass es der Gemeinde gelingt, die DRV mit ins Boot zu holen - davon ist der Bürgermeister überzeugt. "Wenn wir Kursaal und -theater aus dem Bestand der Altimmobilien heraus lösen und zu einem florierenden Zentrum für Kulturveranstaltungen machen, hat die DRV es leichter, Georg-Wilhelm-Haus und Badehotel zu vermarkten." Für Ersteres soll es, wie diese Zeitung aus anderer Quelle erfuhr, inzwischen einen ernsthaften Interessenten geben, dem es nur noch an einem Teil des nötigen Eigenkapitals fehlt ... Wie auch immer: Die EU-Mittel sollen laut Rinne schon nach den Sommerferien beantragt werden, denn: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst." Dabei will sich die CDU sowohl der Unterstützung der heimischen Landtagsabgeordneten als auch der Europa-Parlamentarier versichern. Nicht zu vergessen: "AlleÜberlegungen", betont Rinne, "hat die CDU-Fraktion einvernehmlich entwickelt". Auch Fritz Winkelhake, Chef des Heimat- und Kulturvereins Eilsen, sei dafür gewonnen worden.

DRV-Justitiar Harald Hiemesch beim Betreten des Kurtheaters. Geh
  • DRV-Justitiar Harald Hiemesch beim Betreten des Kurtheaters. Geht es nach dem Willen der CDU, erwirbt die Gemeinde die Alt-Immobilie plus Kursaal von der DRV - und saniert sie mit Geld aus Brüssel. Foto: Archiv


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