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Geschäftsführung nimmt detailliert Stellung zu den katastrophalen Zuständen im "Herminenhof"

Casa Reha will ab sofort alles besser machen

Bückeburg (rc). "Wir haben Unzufriedenheit erwartet, aber auf diesem Niveau hat mich das sehrüberrascht ." Mit diesen Worten reagierte Casa-Reha-Geschäftsführer Dr. André M. Schmidt gestern auf Veröffentlichungen unserer Zeitung über katastrophale Zustände in der Senioreneinrichtung "Herminenhof". Er räumte ein, dass die Geschäftsführung in Oberursel zu spät auf die Verhältnisse in Bückeburg reagiert habe.

veröffentlicht am 14.06.2008 um 00:00 Uhr

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In einem Gespräch mit unserer Zeitung nahmen Schmidt und der neue Heimleiter Armin Brosch detailliert Stellung, räumten einen Großteil der Vorwürfe ein, waren um Schadensbegrenzung bemüht und gelobten Besserung. "Es ist uns ein großes Anliegen, den Ruf unseres Hauses wieder herzustellen." Und: "Bei der nächsten Vollversammlung, terminiert auf den 17. September, wollen wir nur noch feststellen, dass wir auf einem guten Weg sind." Die Presse sei übrigens herzlich eingeladen. Um die Missstände abzustellen, soll zum einen möglichst schnell das Personal aufgestockt werden. Mehrere Einstellungen sowohl im Leitungs- als auch im Pflegebereich stünden unmittelbar bevor - die neuen Mitarbeiter wollen trotz der Schlagzeilen in den Zeitungen im "Herminenhof" anfangen. Schmidt bestätigte,dass es in den vergangenen Monaten eine erhebliche Fluktuation bei den Mitarbeitern gegeben habe, die zu Einbußen in der Qualität der Pflege und Versorgung geführt hätten. Der "Herminenhof" habe aber mit 56 Mitarbeitern im Pflegebereich um drei Vollzeitstellen über den mit den Pflegekassen ausgehandelten Personalschlüssel gelegen. Er widersprach in der Vollversammlung gemachten Aussagen, dass der Personalmangel größtenteils mit Mitarbeitern von Zeitarbeitsfirmen ausgeglichen worden sei. Die Überprüfung der Unterlagen habe ergeben, dass maximal fünf Mitarbeiter solcher Firmen im "Herminenhof" eingesetzt worden seien. Einigen von ihnen seien jetzt Angebote unterbreitet worden, mit Festanstellung in dem Haus zu arbeiten. Schmidt: "Zeitarbeit in der Pflege ist keine Lösung." Der Geschäftsführer widersprach zudem Aussagen, dass an Wochenenden zwei Pfleger für 90 Heimbewohner zuständig gewesen seien. Die Kontrolle der Dienstpläne haben ergeben, dass die geforderten Sollzahlen auch eingehalten worden seien: zehn im Früh-, neun im Spät- und drei im Nachtdienst. Die Dienstpläne werden nach Aussage Schmidts monatlich an die Heimaufsicht übermittelt. Aus der Casa-Reha-Zentrale aus Oberursel soll kurzfristig ein Qualitätsmanagement in den "Herminenhof" abgeordnet werden. Es soll sich darum kümmern, dass wieder feste Systeme und Strukturen in das Heim gebracht werden und die Mitarbeiter Hand in Hand arbeiten. Außerdem sollen alle Vorfälle und Beschwerden der vergangenen Monate aufgearbeitet werden. "Wir werden sicher Fälle finden und uns bei dem Betreffenden entschuldigen." Übergangsweise soll Zusatzpersonal eingestellt werden, die Qualität im Servicebereich deutlich verbessert werden: "Essen soll so verteilt und serviert werden, wie es sich gehört." Neben einem umfangreicheren Freizeit- und Therapieangebot soll die Caféteria ausgebaut und mehr seelsorgerische Begleitung ins Haus geholt werden. Zum eintönigen Essen sagte der Geschäftsführer, dass der Menüplan abwechslungsreich gewesen sei. Dass esüberhaupt zu solchen Missständen kommen konnte, führte Schmidt auf die Fehlbesetzung von Führungspositionen in der Heim- und Pflegedienstleitung zurück, deren Zusammenspiel zudem nicht funktioniert habe. "Dort war die Personalauswahl unsererseits nicht in Ordnung." Die Zusammenarbeit des altenFührungsteams sei ein Problem gewesen, was zum einen in den nachgeordneten Bereichen zu der hohen Personalfluktuation geführt habe, zum anderen aber auch dazu, dass das Personal zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, statt sich um die Pflege und Versorgung zu kümmern. "Wir müssen wieder stabile Teams formen." Der Geschäftsführer der Casa-Reha-Holding aus Oberursel zusammenfassend: "Wir stehen wieder ganz am Anfang."

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