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Caputo: Kleiner Mann - große Gefühle

Von Martin Jedicke

Hameln. Ist das ein gefallener Engel auf dem Cover der neuen Keith-Caputo-Platte? Ein von den vielen Wunden, die das Leben dem geschundenen Körper und der gequälten Seele zugefügt hat, zu Boden gezwungener Leib? Oder doch ein schlafend zur Ruhe gekommenes Wesen? Im Booklet einmal unschuldiges Mädchen, dann wieder eine bestrapste, grotesk verdrehte Frau. Auffliegend und hinabstürzend.

veröffentlicht am 06.09.2009 um 15:06 Uhr

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Von Martin Jedicke

Hameln. Ist das ein gefallener Engel auf dem Cover der neuen Keith-Caputo-Platte? Ein von den vielen Wunden, die das Leben dem geschundenen Körper und der gequälten Seele zugefügt hat, zu Boden gezwungener Leib? Oder doch ein schlafend zur Ruhe gekommenes Wesen? Im Booklet einmal unschuldiges Mädchen, dann wieder eine bestrapste, grotesk verdrehte Frau. Auffliegend und hinabstürzend.
 Die Zeichnungen von David Lupton spiegeln offensichtlich die Psyche des Italoamerikaners Keith Caputo, der seiner aktuellen CD den Titel „A Fondness For Hometown Scars“ gibt.
 Die Wunden der Kindheit mögen verheilt sein, aber die Narben sind geblieben. Doch Caputo hat sich im Leid eingerichtet, verarbeitet traumatische Erfahrungen in seinen Songs. „Brandy Duval“ mit Caputo am Keyboard widmet sich der früh ihrer Heroinsucht erlegenen Mutter des Sängers.
 Der heimliche Hit „New York City“ zeigt die Ambivalenz seines Erlebens: „So get back to New York City/My heavenly home/Crime can be so pretty“.
 Caputo lebt inzwischen in Amsterdam. Nicht verwunderlich, dass ihn neben dem famosen Gitarristen Ryan Oldcastle mit Axel van Oort (Bass) und Jochem van Rooijen (Schlagzeug) zwei Niederländer begleiten. Die Sad Eyed Ladies bestreiten mit Caputo eine Europatournee, der bereits eine mit seiner wiedervereinigten Stammband Life of Agony vorausging. Doch wer glaubte, Caputo stecke den gesammelten Hard Rock dort hinein und versenke sich mit den Sad Eyed Ladies in den groß angelegten Pop des solistischen Schaffens, der darf zunächst überrascht sein. Denn der Wahl-Holländer pickt sich zum Auftakt die heftig rockenden Songs seiner Soloalben heraus: „Honeycomb“ und „Upsy Daisy“ sowie „Troubles Down“ vom letzten Album.
 Die stimmlichen Fähigkeiten des klein gewachsenen Mannes kommen jedoch erst bei den Balladen und Midtempo-Songs voll zum Tragen. „Razzberry Mockery“ vom empfehlenswerten Debüt „Died Laughing“ könnte, wäre die Welt gerecht, locker in der Coldplay-Liga mithalten. Im elegischen über zehn Minuten langen „Everything Under The Sun“ gelingt es dem 35-Jährigen, die Papierwand zum Kitsch nicht zu zerreißen.
 Die gut 150 Gäste der Sumpfblume nehmen Caputo dieses nie ins Weinerliche kippende Finale am Freitagabend gern ab. Dass Titel wie „Crawling“ oder „Selfish“ überraschenderweise nicht erklingen, mag an dem für die Tour eingesparten Streicherensemble liegen. Immerhin: Für das Abschlusskonzert in Köln soll die ganze Grandezza mit großem Aufgebot über die Bühne gehen – in einer Kirche. Hoffnung für den gefallenen Engel.



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