weather-image

Hohe Dunkelziffer vermutet

Campingplatz-Missbrauchsfall: Zahl der Opfer steigt auf 29

Lügde/Bielefeld (dpa) - Nach dem jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der bekannten Opfer gestiegen: Sie wuchs von 23 auf 29, wie die Bielefelder Polizei mitteilte.

veröffentlicht am 01.02.2019 um 17:05 Uhr
aktualisiert am 01.02.2019 um 22:30 Uhr

Nach einer Anzeige im November 2018 war der schwere sexuelle Missbrauch von mindestens 29 Kindern über zehn Jahren hinweg auf einem Campingplatz entdeckt worden. Foto: Guido Kirchner

Nach der Pressekonferenz zu dem Fall am Mittwoch hatte es nach Angaben der Ermittler Hinweise auf mögliche neue Opfer gegeben. Die Auswertung führte dann zu den weiteren Betroffenen. Weitere Details wie Altersangaben wollte die Polizei nicht nennen.

Die Ermittlungen zu dem Fall in Lügde übernahm am Donnerstag das Polizeipräsidium Bielefeld als übergeordnete Behörde. «Insbesondere die große Menge sichergestellter digitaler Daten macht es erforderlich, weitere Fachleute anderer Polizeibehörden aus NRW in die Bearbeitung einzubinden», teilte die Bielefelder Polizei mit. Die im Raum stehenden Vorwürfe auch gegen Behörden werden im Rahmen der neuen Ermittlungskommission, auch aus Neutralitätsgründen, gesondert bearbeitet, hieß es weiter.

Zusätzlich zu den Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen und mehrere Jugendämter steht auch die Polizei in der Kritik. Bereits 2016 sollen zwei Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei der Polizei Lippe eingegangen sein. Nach Telefongesprächen mit den Zeugen leiteten die Beamten die Hinweise an das Jugendamt weiter. Weitere Schritte blieben aber aus. Die Staatsanwaltschaft Detmold hatte am Donnerstag bestätigt, dass auch gegen die Polizei ermittelt werde. Da Polizeibeamte bei Verdachtshinweisen laut Strafprozessordnung zur Verfolgung verpflichtet seien, sei diese Überprüfung jetzt folgerichtig, sagte ein Ministeriumssprecher.

Nach einer Anzeige im November 2018 war der schwere sexuelle Missbrauch von mindestens 29 Kindern über zehn Jahren hinweg auf einem Campingplatz entdeckt worden. Der Hauptverdächtige sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft, zwei weitere Tatverdächtige seit Januar. Ihnen wird auch die Verbreitung von Kinderpornografie vorgeworfen. Die drei Verdächtigen sind Deutsche.

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) zeigte sich am Freitag zutiefst erschüttert von dem Fall. Er kündigte an, dass das Land systematisch vorgehen und analysieren werde, wo Verbesserungen erfolgen können und müssen. «Gemeinsam mit Experten werden wir zügig prüfen, ob und wo Defizite bestehen und wie diese zeitnah behoben werden können», sagte der Landesminister.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Copyright © dpa - Deutsche Presseagentur 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt