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36 vollstationäre Plätze ab 1. Juli 2008 / Anbau ans Krankenhaus geplant / 40 bis 50 neue Jobs in Rinteln

Burghofklinikübernimmt Betten von Wunstorf

Rinteln (wer). Die Burghofklinik expandiert, außer der neuen Tagesklinik am Blumenwall wird in unmittelbarer Nachbarschaft zum Krankenhaus noch in diesem Jahr mit dem Bau einer psychiatrischen Einrichtung mit mindestens 36 vollstationären Betten begonnen. Die Klinik hat vom Land den Zuschlag erhalten, das Betten-Kontingent zu übernehmen, dasvom Landeskrankenhaus Wunstorf nach dessen Übernahme durch das "Klinikum Region Hannover" abgegeben werden muss. 40 bis 50 neue Arbeitsplätze können dadurch in Rinteln entstehen.

veröffentlicht am 05.09.2007 um 00:00 Uhr

Das Kartellamt hat der Rintelner Klinik in die Karten gespielt: Um die Monopolstellung der Klinikum Region Hannover GmbH einzuschränken, verordnete die Aufsichtsbehörde die Abgabe von 36 vollstationären psychiatrischen Betten. Genau die kann ab dem 1. Juli 2008 die Burghofklinik "betreiben". Schon 2005 hatten die Rintelner einen entsprechenden Antrag auf regionale Vollversorgung beim Sozialministerium in Hannover gestellt,aber bis dato stand die Zustimmung des Landes unter dem Vorbehalt der Privatisierung der Landeskrankenhäuser. Für die Expansion in Rinteln musste Wunstorf Betten abgeben. Jetzt, nachdem das Kartellamt Auflagen für die Übernahme erlassen und die Burghofklinik gegen mehrere Mitbewerber den Zuschlag für die frei gewordenen Betten erhalten hat, teilen sich Rinteln und Wunstorf einen gemeinsamen Einzugsbereich. Platz für die geschlossene Abteilung wird am Krankenhaus geschaffen. Dort soll bis nächsten Sommer ein einstöckiger Anbau errichtet werden, der zwar autark bestehen kann, aber durch die Anbindung an das Krankenhaus profitieren soll. Landkreis und Burghofklinik wollen einen Kooperationsvertrag abschließen, in dem die Zusammenarbeit beim Einkauf medizinischer und anderer Leistungen, der Nutzung von Medizintechnik und personeller Kapazitäten geregelt wird. Etwa zehn Pflegekräfte des Krankenhauses sollen nach Qualifizierungsmaßnahmen den Arbeitgeber wechseln und künftig für die Burghofklinik arbeiten, die am neuen Standort bis zu 50 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen will. Auch im Nachtdienst oder bei körperlichen Symptomen ist eine Kooperation vorstellbar: "Wir wollen vom somatischen Know-how des Krankenhauses profitieren", sagt Dr. Axel Weibezahl, Leitender Arzt der Burghofklinik. Für den Landkreis sind die Synergieeffekte ein willkommener Beitrag, das Krankenhaus aus den roten Zahlen zu führen. "Das ist das Beste, was uns passieren konnte", sagt Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier. Die Kooperation bringe wirtschaftliche Vorteile, trage zur Konsolidierung des Hauses bei.Auch Weibezahl wertet den Anbau ausdrücklich als "Maßnahme, die dazu beitragen soll, den Krankenhaus-Standort Rinteln zu stärken". Man gehe davon aus, dass die Kooperation "von Dauer" ist. Die Option, die psychiatrische Einrichtung auch räumlich in das Krankenhaus zu integrieren und nur einen kleineren Anbau zu realisieren, habe man indes verworfen. Erhebliche Umbauten wären im Erdgeschoss notwendig geworden, die einen Neubau am Ende als die günstigere Variante erscheinen ließen. Der neue Trakt soll auf 1800 Quadratmetern westlich des Hauses in Richtung des Schwesternwohnheimes errichtet werden. Mit der dort untergebrachten geschlossenen Abteilung komplettiert die Burghofklinik ihr Angebot, kann mit den Standorten in der Ritterstraße, am Blumenwall (Eröffnung im Oktober) und in Aerzen erstmals eine ortsnahe ambulante, teilstationäre und vollstationäre psychiatrische und psychosomatische Rundum-Behandlung anbieten. Neben den wirtschaftlichen Aspekten der Kooperation sieht Weibezahl einen weiteren Vorteil: Die Nähe zum Krankenhaus baue Berührungsängste ab und könne die Stigmatisierung psychiatrischer Einrichtungen aufbrechen. Die enge Nachbarschaft "körperlicher" und "geistiger" Medizin wird in anderen Krankenhäusern, die über eine psychiatrische Fachabteilung verfügen, längst praktiziert, ist zum wenig aufsehenerregenden Alltag geworden.



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