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Beim Saisonstart der Nachtausgabe reizt "Klaviertuose" Armin Fischer alle Klangfacetten aus

Bunte Welt auf schwarzen und weißen Tasten

Rinteln. Den vielfältigen Gebrauch von Mozart demonstrierte der "Klaviertuose" Armin Fischer zum Saisonstart der Rintelner Nachtausgabe in der gut besuchten Volksbank mit atemberaubender Geläufigkeit: vom Klingelton bis zum Klangteppich im Wellness-Salon reizte er dabei alle Facetten der Möglichkeiten und Unmöglichkeiten aus.

veröffentlicht am 09.09.2008 um 00:00 Uhr

Von Kopf bis Fuß ein "Klaviertuose": Armin Fischer. Foto: pr.

Autor:

Ulrich Reineking

Zuvor hatte der körperlich eher kleine, an Unterhaltungswert aber riesige Solist sich dem Publikum als Barpianist auf einer imaginären Kreuzfahrt angedient - und dabei mit dem immer wieder von "Guten Abend" oder "Hallo" unterbrochenen Genre-Klassiker "As time goes by" die Tücken des professionellen Milieus aufgezeigt, das neben Komik auch einiges an absurder Tragik für akademisch vorgebildete Musiker zu bieten hat ("Sagense mal, können Sie vielleicht dieses Ding aus dem bekannten Film mit diesem Dingsbums spielen?" ). Zwischendurch bewies Fischer als musikalischer Doppelgänger von Richard Claydermann mit genießerischer Frechheit, dass man auch mit einem einzigen steifen Finger Weltkarriere machen kann, ließ Chopinsche Vertracktheiten und Schubertsche Forellen-Kulinarik aufblitzen und deutlich werden, was Beethoven für aktuelle Handy-Kultur und den Sirtaki zu bieten hat. Zwischendurch kitzelte er höchst charmant mit bissig-witzigen Anmerkungen die Lachmuskeln des Publikums und ließ dabei keine Gelegenheit zum (höchst berechtigten) Eigenlob nicht aus. Wie er dann als Franz Liszt beim Ritt durch die Puszta "Spiel mir das Lied vom Tod" auf der Mundharmonika aufjaulen lässt und beim Parforceritt durch die Klassik- Welt auch die Melodica mit variablem Schlauch kunstvoll bedient, ist allemal des Zuhörens wert. Zwischendurch singt er noch - und wenn er sich dabei auch auf Glatteis begibt, wird auch dieses Bemühen positiv aufgenommen. Nach der Pause strapaziert Fischer seine inzwischen restlos begeisterte Zuhörerschaft zunächst mit einigen Längen ohne nennenswerte Pointen, kann sich dies aber durchaus leisten, hat er die Besucher doch bereits restlos "im Sack". Als er dann noch Johannes Heesters gibt, trifft er so geschmackssicher daneben, dass man seine helle Freude hat. Gern machen die Passagiere dieser musikalischen Kreuzfahrt auch Gebrauch von der interaktiven Möglichkeit, sich für das Finale ihre speziellen Lieblingstitel zu wünschen. Beim Notieren der Titel muss Fischer nur beim "Red River-Rock" passen, obwohl die Wunschliste sich im weiten Feld zwischen Schlager, Klassik, Blues, Chanson und der wohl unvermeidlichen "Barcarole" bewegt. Wie der elegante Herr im schwarzen Frack mit notenbedruckten Krawatten, Socken und Einstecktüchern diese in der Mischung an sich unverdaulichen Ingredienzen dann im Stegreif als wahrer Tastenderwisch zusammenführt und sich dazu noch in philosophisch angehauchten Versen über musikalische und andere Welten auslässt - das beweist schon Sonderklasse und wirft sicher bei nicht wenigen Gesprächen beim Nachtschoppen danach die Frage auf: "Wie macht der das nur?" Herzlicher Beifall. Freundliche Zugaben. Der darf auch gerne wieder kommen!

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