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Stift, Gesamtbergamt, Mühlenteich und Marktplatz: Die Bergstadt als Motiv der Kartensammler

Bunte Kartengrüße mit hohem Symbolgehalt

Obernkirchen/Bückeburg (rnk). Für den Laien sind es alles Ansichtskarten, für den Fachmann ist dies lediglich der große Überbegriff. Denn der echte Sammler, er unterscheidet. In Fotokarten, die für ein ganz spezielles Ereignis auf den Markt kamen, etwa ein Schützenfest - Karten, die dennoch mit einer Marke versehen und verschickt werden konnten; oder ihre Vorläufer, die meistens vor dem Jahre 1900 entstanden; dann gibt es die Straßenkarten, die in Obernkirchen meistens das Stift zeigen und ganz, ganz selten die Strullstraße; und natürlich die Lithografien: Farbkarten, die höchst selten sind.

veröffentlicht am 19.08.2008 um 00:00 Uhr

Mit drei Karten, die er für 20 Pfennig kaufen konnte, fing Bernhard Uhlen vor gut 15 Jahren an. Der Kauf, der eher einer Laune entsprang, wurde zum Grundstock einer Sammlung, die mittlerweile Aktenschränke füllt. Uhlen sammelt hauptsächlich Karten aus Bückeburg, früher war es ganz Schaumburg-Lippe, aber er hat dann vieles abgegeben, etwa Stadthagen und Sachsenhagen. Obernkirchen hat er behalten, obwohl die Bergstadt nur eine Nebenrolle im Sammlerleben spielt. Wer sich mit den Karten befasst, wer sich Zeit nimmt, um eine längst vergangene Epoche vor seinem geistigen Auge wieder auferstehen zu lassen, der stellt schnell fest: So viel hat sich gar nicht geändert. Die meisten Karten zeigen das Stift, natürlich den Marktplatz (oft mit Blick auf die Lange Straße), zuweilen wird auch gezielt geworben, etwa 1912 mit dem Turn- und Spielfest der Jugendpflege in der Grafschaft Schaumburg. Und dieses Werben für einen Besuch, dieses Zeigen der besten Seite, das war 1925 auch der Grund, weshalb die deutsche Reichspost mit der "Gesellschaft für Postreklame" die sogenannte Bildpostkarten einführte: Sie sollten der Förderung des Fremdenverkehrs dienen. Gemeindeverwaltungen oder die örtlichen Verkehrsvereine konnten Bildpostkarten für ihre Stadt oder ihren Ort beantragen. Ursprünglich verwendete man Zeichnungen von Ortsansichten, später auch Fotos, die in der linken Hälfte der Anschriftenseiten oben zu finden sind. Die auftraggebende Gemeinde durfte bestimmen, in welchen Regionen die Karten in von ihr zu bestimmenden Quoten verkauft werden sollten. Verklärte und geschönte Landschaftsaufnahmen wurden als Postkartenidylle beschrieben. Natürlich findet sich in den Postkarten auch die Geschichte von Obernkirchen als Bergbaustadt wieder: Das Gesamtbergamt ist ein häufiges Motiv. Und immer wieder taucht "Schauenstein" auf, die Glashütte, die Motive zeigen die Werkhallen, die Arbeiter, die Produktion, das Verladen am Bahnhof - am besten mit rauchendem Schornstein. Denn der Symbolgehalt war nicht zu unterschätzen: Hier raucht der Schornstein, sendeten die Bilder ihre Botschaft in die weite Welt, hier haben die Menschen Arbeit, hier geht es ihnen gut. Zuweilen, so erzählt Historiker Rolf-Bernd de Groot, habe man auf den Postkarten den Rauch noch handschriftlich hinzugemalt. Tempi passati, längst vergangen sind diese Tage. De Groot, der auch für das Berg- und Stadtmuseum zuständig ist, verfügt dort selbst noch über eine Sammlung mit alten Ansichten der Stadt: Die nutzt er dann für die historischen Kalender, die jedes Jahr in immer größerer Zahl aufgelegt werden. Bernhard Uhlen, der neben Bückeburg und Obernkirchen auch noch Bad Eilsen sammelt, würde sich über neue Kontakte zu Kartensammlern übrigens freuen. Allein 20 bis 30, so schätzt er, wohnen wie er in Bückeburg, nur kennt man sich wenig bis kaum. Wer Interesse hat: (05722) 23 676.



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