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Weißrussisches Patendorf erhält 4100 Euro / Verwendung des Geldes mit Lehrern abgestimmt / Tolle Gastfreundschaft

Bürokratie als Bremse: Was Eilser Helfer in Swonez erleben

Bad Eilsen. Im Rahmen ihrer jüngsten Hilfsaktion (wir berichteten) haben die sechs Delegationsmitglieder aus Bad Eilsen, Kleinenbremen und Helpsen am 7. August das kleine Bauerndorf Swonez nördlich von Tschernobyl erreicht. Man kennt sich nun seit 15 Jahren. Schon 250 Kinder des Dorfes besuchten Bad Eilsen und Umgebung zum Erholungsaufenthalt. Auch Lehrerinnen waren schon in Bad Eilsen zu Gast und viele Familien des Dorfes zeigen bei Besuchen immer wieder ihre Dankbarkeit für die Hilfen aus dem Kurort.

veröffentlicht am 04.09.2007 um 00:00 Uhr

Ein tolles Erlebnis: Die gemeinsame Panjewagen-Fahrt der Kinder,

Autor:

Friedrich Winkelhake

So waren auch die Besucher aus Schaumburg nicht besonders verwundertüber die erlebte Gastfreundschaft in den drei Tagen ihres Besuches. Wenn alle Lehrer aus ihrem Garten etwas beisteuern, ist es immer wieder möglich, die Gäste aus Deutschland wie zu einer großen Hochzeit zu bewirten. Zum ausgiebigen Frühstück, Mittagessen und Abendbrot lud man, wie auch in den Vorjahren, in die Schule ein. Eine herausgerutschte Bemerkung über die vielen Privat-Stände mit Pfifferlingen an den Straßen genügte! Die Lehrerinnen schwärmten in die unendlich großen Wälder aus, sammelten Pilze und es gab vorzüglich zubereitete Pfifferlinge mit selbst geernteten Kartoffeln. Natürlich kennt man in Swonez längst die Vorliebe der Eilser für ihre wunderschöne Natur und für das Erlebnis einer Panjewagen-Fahrt. Fünf mit Heu gepolsterte Wagen wurden angespannt und es ging im flotten Trab in ein sechs Kilometer entferntes, herrlich gelegenes Plätzchen im Wald. Der ganz neu ausgebaute Rastplatz an der Straße von St. Petersburg nach Kiew war der ideale Spielplatz für die Kinder, die Opa Fritz oft mit einspannten, für die Zubereitung des mitgebrachten Grillfleisches, für toll gedeckte Tische und viel Zeit zum Reden, Diskutieren, Spaßen und Kennenlernen. Ausführliche, sehr heiß, aber demokratisch geführte Diskussionen brachten Einigkeit über eine Liste von 42 verarmten Personen im Dorf, die dringend gefördert werden müssen. Auf dieser Liste finden sich allein stehende, erkrankte Senioren, Kinder aus Familien mit Alkoholproblemen, Schüler aus armen Familien, deren Ausbildung gefährdet ist, Behinderte und kranke Menschen in Not. Auch über die notwendige und mögliche Form der Hilfe wurde mit den Lehrern des Dorfes abgestimmt. Das kleine Dach der Dorfschule ist undicht geworden und verlangt nach einer dringenden Reparatur. Die Bad Eilser diskutierten auch dieses Problem mit der Schulleitung und boten Hilfe an. Die weißrussische Bürokratie erlebten Fritz Winkelhake und Günter Bergmann beim Einreichen eines Devisen-Hilfskontos auf der Belarus-Bank. Zunächst musste der staatlich anerkannte Status der humanitären Hilfe "bewiesen" werden. Dann wurde mit dem Kreis-Schulamt ein Vertrag abgeschlossen, welcher der Patenschule Swonez die Hilfen auch erlaubt. Dann ging es zur Bank. Unendlich lange Zeit tippte der Bankchef auf seinem Computer herum, bis endlich eine ganze Reihe von Bescheinigungen ausgespuckt wurden und die Hilfsgelder eingezahlt werden konnten. Swonez erhielt in diesem Jahr die stolze Summe von4100 Euro für die vorher ausgehandelten Hilfen. Es folgten noch Besuche bei der erkrankten langjährigen Betreuerin der Gast-Kinder, Soja Nikiforowa, bei einem Patenkind und einer Familie. Der Abschiedsabend mit ausgezeichnetem Essen und vielen Trinksprüchen, mit herzlichen Gesprächen, Dankeschön und Tanz zeigte die inzwischen tiefe Freundschaft zwischen Bad Eilsen und Swonez. Ein Konzert der Schüler und einer Lehrerin als Dank für die Hilfe aus Schaumburg erfreute die Besucher. Alle Gespräche sowie die bürokratischen Hindernisse konnten nur bewältigt werden durch die simultan dolmetschende Lilja Malet, die inzwischen zu den besten Freunden der Bad Eilser in Weißrussland zählt. Die Delegation wurde immer wieder gebeten, den Dank für die Hilfe in Schaumburg weiterzugeben. Wird fortgesetzt.



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