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Anwohner befürchten Werteverfall, Sturzbäche und Mehrbelastungen für alle Steuerzahler

Bürger gegen neues Baugebiet Kirschenallee

Rinteln (ur). Am kommenden Mittwoch werden in einer Mammutsitzung des Ausschusses für Bau- und Stadtentwicklung gleich mehrere Themen verhandelt, die mit Fug und Recht als brisant bezeichnet werden können. Da steht zum Beispiel die Bauleitplanung für das "Sondergebiet Bahnhofstraße" zur Diskussion - und auch die Weichen für die Bauleitplanung im Gebiet Kirschenallee sollen gestellt werden.

veröffentlicht am 05.06.2008 um 00:00 Uhr

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Dort gehen etliche Anlieger schon jetzt auf die Barrikaden und malen ein düsteres Zukunftsbild: "Sag mir, wo die Felder sind, wo sind Sie geblieben - unter Betonwänden, Erdwällen, einem riesigen Regenrückhaltebecken und einem womöglich irgendwann mit Graffiti beschmiertem Blockheizkraftwerk. So könnte es in naher Zukunft um die Felder rechts und links der Kirschenallee oberhalb des Helene-Brehm-Wegs bestellt sein", heißt es in einer dazu entwickelten Erklärung der Anwohner. Auch die Luhdener Breite werde diesem Neubaugebiet zugeordnet - und damit würde auch dieser freie Hang zum Wald hin verschwinden. Überdies würden bei diesem Landschaftsverbrauch durchVersiegelung 30 000 Quadratmeter wertvolles Ackerland verloren gehen. "Und wofür das alles?", fragt Dr. Susanne Gührs als Betroffene und antwortet gleich selbst: "Für ungefähr 40 Einfamilienhäuser und Doppelhäuser mit Wohnraum für 160 bis 200 Menschen!" Gleichzeitig existierten in Rinteln 288 freie Baugrundstücke, viele Einfamilienhäuser stünden zum Verkauf und weitere Leerstände würden durch die Altersentwicklung auf uns zu kommen: "So führt man künstlich ein Überangebot herbei - und das bedeutet Wertverfall für den bereits vorhandenen Wohnraum!", ergänzt dazu Gührs' Nachbarin Ruth Heist. Rechnen könne sich ein neu zu erschließendes Wohngebiet für die Stadt ohnehin nur dann, wenn es von Neubürgern besiedelt werde. Jede Besiedlung durch Umzüge innerhalb einer Kommune wirke sich laut kommunalwissenschaftlicher Studien finanziell negativ aus. "Eine Zuwanderung von Arbeitskräften in diesem Ausmaß ist kaum zu erwarten - erst recht nicht angesichts der Unklarheit über die Zukunft des Kreiskrankenhauses, dem größten Arbeitgeber in diesem Bereich." Als weitere Gründe gegen eine Bebauung nennen die Verfasser des Positionspapiers den Verlust an touristischer Qualität, wenn die Wanderstrecken nicht mehr über eine Zuwegung mit Feldwegcharakter führen, sondern durch eine Durchgangsstraße. Dazu komme ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch mindestens 100 Fahrzeuge zusätzlich, die mehrmals täglich durch Kirschenallee und Helene-Brehm-Weg fahren. Bereits jetzt führe die Hanglage bei heftigen Niederschlägen zu regelrechten Sturzbächen und Wassereinbrüchen in den Kellern vieler Anlieger: "Die weitere Oberflächenversiegelung wird diese Belastung zusätzlich verschärfen", befürchtet Brigitte Möller, deren Familie schon seit fast 50 Jahren hier ansässig ist und reichlich Erfahrungen mit überschwemmten Kellern gemacht hat. Sie erinnert sich denn auch, wie der langjährige Stadtbaurat Karl Lehnert seinerzeit zu einer Bebauung bis zum Waldrand hin äußerte: "Aus solchen Plänen wird nichts. Das ist Wasserschutz- und Quellgebiet und eine Bebauung würde sich auch mit dem Landschaftsschutz nicht vereinbaren lassen." Das als Abwehrmaßnahme geplante Regenwasserrückhaltebecken würde sich "mit fraglichem Nutzen" über fünf Häuserfronten erstrecken und als Fremdkörper wirken. Auch sei es mit den weiteren Entwässerungsgräben ein enormer Kostenfaktor für die Stadt: "Zwar sind die Erschließungskosten Sache des Investors, aber die Unterhaltungskosten müssen die Stadt Rinteln und damit der Steuerzahler tragen", warnt Dr. Gührs. Und appelliert an die Ratsmitglieder: "Es ist nicht in unserem Interesse, dass hier einem finanzkräftigen Investor zugearbeitet wird, der naturgemäß an Profit und nicht an Landschaftsschutz und Bürgernähe orientiert sein muss." In den nächsten Tagen soll die Ablehnung der Pläne durch eine Unterschriftensammlung zusätzlich bekräftigt werden.



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