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"Hanni" Gramann: 62-Jährige wird erstmals in einem Feldgefängnis inhaftiert

Bückeburgerin bei "G8"-Gipfel: "Es war nicht nur ein lustiges Event"

Bückeburg (bus). Das am Freitag im mecklenburgischen Heiligendamm zu Ende gegangene Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der weltweit führenden Industrienationen findet in der Rückbetrachtung unterschiedliche Beurteilungen. Während Kanzlerin Angela Merkel von einem "großen Schritt" spricht, führen Globalisierungsgegner den Begriff "Mogelpackung" (Welthungerhilfe) ins Feld. Für die Bückeburgerin Hannelore Gramann, die sich vor Ort von Rostock aus ein Bild des Geschehens machte, stellen die Ergebnisse der Tagung einen "Witz" dar. Dennoch sei sie nicht enttäuscht. Gramann: "Ich hatte nichts anderes erwartet."

veröffentlicht am 11.06.2007 um 00:00 Uhr

Der G8-Gipfel soll nicht das letzte Engagement der Bückeburger P

Die 62-jährige Pädagogin besuchte das so genannte G8-Treffen - der "Gruppe der Acht" gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Russland, England und die Vereinigten Staaten an; diese Länder vereinigen in Kaufkraft gemessen etwa 50 Prozent und in tatsächlichen Preisen rund zwei Drittel des Welthandels auf sich; aber nur etwa 14 Prozent der Weltbevölkerung leben in den G8-Ländern - als Mitglied der globalisierungskritischen Organisation "Attac". Dieser Begriff kürzt "association pour une taxation des transactions financières pour l'aide aux citoyens" ab - deutsch: Verein für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohle der Bürger. Die in Deutschland aktuell etwa 17 000 Personen starke Gemeinschaft kritisiert speziell die "neoliberale Ideologie", die ihrer Einschätzung zufolge derzeit in der wirtschaftlichen Globalisierung vorherrscht. Gramanns thematischer Schwerpunkt im Mecklenburgischen war der Widerstand des "Attac"-Netzwerkes gegen das zurzeit zwischen der Europäischen Union und den 78 so genannten AKP-Staaten (AKP gleich: Afrika, Karibik, Pazifik) verhandelte Wirtschaftsabkommen EPA (Economic Partnership Agreements - ökonomische Partnerschaftsübereinkünfte). "Die Abkommen hätten verheerende Auswirkungen für die AKP-Staaten zur Folge. Sie bedeuten weitere Verelendung und einen dramatischen Abbau demokratischer Spielräume", heißt es in einer "Attac"-Veröffentlichung. "Hier wird von Seiten der EU mit Daumenschrauben gearbeitet", verdeutlicht die Bückeburgerin das Ungleichgewicht zwischen den Verhandlungspartnern. Der Welthandel weise ungerechte und unfaire Strukturen auf. In den Schilderungen ihrer privaten Erlebnisse spielen insbesondere der Polizeieinsatz rund um den Tagungsort - "völlig unangemessen" - und die während der Auftaktgroßdemonstration zu verzeichnenden Gewalttätigkeiten - "das hat mich traurig gestimmt" - wichtige Rollen. Als Beispiele nennt die Pädagogin den "aggressiv machenden Hubschrauberlärm", durch den zahlreiche Redner kaum zu verstehen gewesen seien, und von den Ordnungshütern in die Reihen der Demonstranten eingeschleuste Provokateure. Hinsichtlich der Gewalttaten lautet Gramanns Eindruck: "Das waren nicht ,die Autonomen' im Allgemeinen sondern nur sehr kleine Gruppen." Die allerdings, ungerechtfertigterweise, die Berichterstattung in den Medien dominiert hätten. Im Gegensatz zu jüngeren Demonstranten, die allein durch das Tragen von Sonnenbrillen, schwarzen Kleidungsstücken oder Rucksäcken den Verdacht der Polizei erregt hätten, seien sie und ihre 64-jährige Freundin in den Genuss eines "gewissen Altersbonus" geraten. "Wir sind überall durchgekommen." Dass der "Witz"-Gipfel gleichwohl "nicht nur ein lustiges Event" gewesen ist, unterstreicht die Tatsache, dass die fünffache Mutter zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Feldgefängnis inhaftiert worden ist. "Und schließlich waren die Aktivitäten bei zum Teil tropischen Temperaturen für mich auch eine körperliche Herausforderung." Gleichwohl wird der perÜberstundenabbau ermöglichte Aufenthalt an der Ostsee - Gramann: "Für einen Besuch des Kirchentages hätte es Sonderurlaub gegeben" - nicht die letzte Aktion der Lehrerin gewesen sein. Zunächst steht eine Analyse der "G8"-Ereignisse während der im August in Fulda tagenden Sommerakademie von "Attac" auf dem Programm. Und generell gelte für sie als Mitorganisatorin des Alternativgipfels: "Ich will für die Menschen etwas zum Positiven verändern und mir nicht vorwerfen lassen, meine Stimme in entscheidenden Momenten nicht erhoben zu haben." Nebenbei und ohne ihr aktives Zutun hat "Hanni" Gramann in der vergangenen Woche bundesweite Medienaufmerksamkeit erfahren. Agenturen und die "Ostsee-Zeitung" stellten die Bückeburgerin vor, Fernsehteams begleiteten sie und ihre Freundin. Fazit der Berichterstatter: "Sie wirkt eigentlich gar nicht wie ein Rebell, sondern strahlt eher etwas Mütterliches aus." Das haben die "Überregionalen" gut beobachtet.

Hannelore Gramann
  • Hannelore Gramann
Zeitungen zeigen's: Die "Lehrerin aus Niedersachsen" erregt bund
  • Zeitungen zeigen's: Die "Lehrerin aus Niedersachsen" erregt bundesweit Medienaufmerksamkeit.


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